Die Teuerung trifft viele Britinnen und Briten hart. Laut einer Umfrage lässt mehr als ein Viertel der Befragten aus Budgetknappheit sogar Mahlzeiten aus.

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London – Die Verbraucherpreise in Großbritannien sind im Mai so stark gestiegen wie seit 1982 nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 9,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Office for National Statistics am Mittwoch in London mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dies erwartet, nachdem die Teuerungsrate im April bereits 9,0 Prozent betragen hatte. Besonders steigende Preise für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke trieben die Inflation diesmal nach oben.

"Wir nutzen alle uns zur Verfügung stehenden Instrumente, um die Inflation zu senken und steigende Preise zu bekämpfen", betonte Finanzminister Rishi Sunak anlässlich der neuen Zahlen. "Wir können durch eine unabhängige Geldpolitik, eine verantwortungsbewusste Fiskalpolitik, die den Inflationsdruck nicht erhöht, und durch die Steigerung unserer langfristigen Produktivität und unseres Wachstums eine stärkere Wirtschaft aufbauen."

Belastung für Bevölkerung hoch

Um den Preisdruck abzumildern, hat die Bank of England ihren Leitzins in der vergangenen Woche bereits zum fünften Mal binnen sieben Monaten angehoben. Er liegt jetzt bei 1,25 Prozent. Damit soll die Teuerungsrate mittelfristig und nachhaltig zur Zielmarke der Währungshüter von zwei Prozent zurückkehren. Allerdings rechnet die Notenbank vorerst mit weiter steigenden Preisen: Für Oktober etwa erwartet sie eine Inflationsrate von elf Prozent.

Die rasant steigenden Lebenshaltungskosten treffen die Bürger auf der Insel laut einer Umfrage des Instituts Ipsos hart: Demnach drehen zwei von drei Briten die Heizung ab, um Kosten einzusparen. Mehr als ein Viertel der Befragten gab sogar an, wegen ihres knappen Budgets Mahlzeiten auszulassen. Diese Lage lässt die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung des konservativen Premierministers Boris Johnson steigen. Zugleich wird der Ruf immer lauter, die Sozialhilfe zu erhöhen, um ärmere Bevölkerungsschichten angesichts der rasant steigenden Lebenshaltungskosten zu entlasten. (Reuters, 22.6.2022)