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Eigentlich sollte der Juni im Zeichen der Toleranz stehen und die Vielfalt der Gesellschaft feiern: die Regenbogenfahne als Symbol für den "Pride Month". Nach dem tödlichen Angriff auf einen bei Homosexuellen beliebten Club in Oslo und zahlreichen Festnahmen bei der Pride-Parade in Istanbul warnen US-Behörden jedoch aktuell auch vor einer steigenden Zahl von Online-Erpressungen gegen die LGBTQ+-Community. Die Opfer werden demnach auf diversen Dating-Apps gefunden.

Zahlung von Lösegeld

Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC (Federal Trade Commission) warnte in den vergangenen Tagen vor zunehmenden Erpressungsversuchen auf Dating-Apps wie Grindr oder Feeld. Die vor allem von LGBTQ+-Personen genutzten Apps werden laut der Behörde verstärkt von Kriminellen genutzt, die sich erst das Vertrauen ihrer Opfer erschleichen, um diese dann um explizite Fotos zu bitten. Findet tatsächlich der Austausch solcher Fotos statt, werden die Opfer zur Zahlung von Lösegeld gezwungen – sonst drohen die Täter mit dem Versenden der Fotos an Angehörige oder den Arbeitgeber.

"Manche Erpresser drohen Menschen, die noch nicht geoutet sind, dies zusammen mit den Fotos zu tun", sagte ein FTC-Mitarbeiter dem Magazin "Bleeping Computer". Mit manchen dieser Erpressungsversuche könne man "Leben zerstören", wird der Verbraucherschützer zitiert. Dennoch rät die FTC dazu, Lösegeldforderungen nicht nachzugeben. Es gebe keine Garantie, dass die Täter die Fotos nicht trotzdem veröffentlichen. Im ersten Schritt solle man deshalb nie persönliche Daten wie heikle Fotos mit Fremden teilen. Auch Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Social-Media-Profile sollten beim Kennenlernen noch geheim gehalten werden.

Im Gegenzug solle man in jedem Fall versuchen herauszufinden, mit wem man es in der App zu tun hat. Man könne etwa prüfen, ob die Profilbilder im Netz mit anderem Namen auftauchen. Grindr warnt in seinen Richtlinien selbst, dass "Social-Media- und Dating-Apps für solche schlechten Schauspieler, diese Betrüger, ein Hauptziel sind, um Menschen auszunutzen, die nach bedeutenden Verbindungen suchen". Bei Feeld findet man ähnliche Hinweise und die Warnung, bei der Herausgabe persönlicher Daten vorsichtig zu sein.

Hohe Schadenssummen

Im Vorjahr hat das FBI die Schadenssumme bei solchen Online-Erpressungen mit rund 113 Millionen Dollar beziffert. Viele dieser Opfer wurden auf Dating-Apps gefunden, ist im damaligen Bericht nachzulesen. Auch die US-Bundespolizei rät dazu, sich im Fall einer Erpressung sofort an die Behörden zu wenden. (red, 27.6.2022)