Wer gerade am Sanieren oder Bauen ist, wird von den hohen Kosten voll getroffen. Häufig müssen nun Alternativen gesucht und unter Zeitdruck wichtige Entscheidungen getroffen werden, damit der Wohntraum nicht noch teurer wird. Häuslbauer und Saniererinnen berichten.

Viele, die gerade sanieren, machen jetzt Abstriche, um Geld zu sparen.
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Elisabeth (26) und Raphael (27) renovieren ein Haus in der Wachau

"Wir sind mittendrin in der Renovierung und merken die Preissteigerungen etwa bei Fliesen, Fenstern, Ziegeln und Schrauben. Da wir erst im September mit dem Zubau und dem neuen Dach starten, kann es passieren, dass wir alles doch noch verschieben müssen – damit muss man aktuell leider jederzeit rechnen. Vielleicht hat sich bis dahin die Situation aber auch wieder etwas beruhigt. Sicher ist: Wären wir zwei Jahre früher dran gewesen mit unserem Projekt, hätten wir vermutlich 50.000 bis 100.000 Euro gespart.

Für Förderanträge hat man früher Kostenvorschläge gebraucht, jetzt reicht eine ungefähre Kostenschätzung – und selbst dafür muss man den Firmen nachlaufen. Sie rechnen es dann grob aus, sagen aber gleich dazu, wenn wir in ein oder zwei Monaten erst beauftragen, können es schon wieder ganz andere Preise sein. Wir rechnen also bei allen Posten damit, dass sowieso noch ordentlich was draufkommt. Vor allem die gestiegenen Spritpreise sind auf fast jedem Kostenvoranschlag ein Punkt für deutlich höhere Preise.

Uns scheint es teilweise so, als würden die Unternehmen die Preise auch künstlich nach oben treiben, das ist aber natürlich nur unsere subjektive Einschätzung. Wir haben etwa Anfang des Jahres überlegt, ob wir unseren Zubau mit Ziegeln oder aus Holz bauen sollen. Damals hieß es schon bei den Unternehmen, die wir angefragt haben, wir könnten vor Dezember keine Ziegel mehr bekommen – angeblich weil es Lieferschwierigkeiten gibt. Später sagte uns dann ein Mitarbeiter, die Lager wären eigentlich voll. Und auch von Wienerberger hieß es ja sogar in den Medien, sie produzieren ganz normal. Natürlich spielen die gestiegenen Transportkosten eine Rolle, aber uns kommt vor, die Firmen horten Baustoffe, um die Preise in die Höhe zu treiben. Nur durch den Spritpreis lassen sich Preisanstiege von 2,50 auf acht Euro pro Ziegel nicht erklären. Außerdem schiebt hier jeder dem anderen die Schuld zu.

Wir können zum Glück einiges sparen, weil wir viel selbst machen. Unser Zimmerer schickt etwa einen ganzen Monat lang nur zwei statt vier Arbeitskräfte, weil wir selbst und unsere Eltern mithelfen können. Wir sparen auch deshalb, weil wir nicht alles von einer Firma machen lassen, sondern Firmen vergleichen und an die jeweils günstigste einzelne Gewerke vergeben.

Bei einzelnen Punkten haben wir auch schon umgeplant und uns für günstigere Alternativen entschieden. Wir bekommen jetzt statt einer Holz-Alu-Fassade, die lange ihre Farbe behalten würde, eine normale Holzfassade, die schnell ergraut. Wir haben uns aber gesagt, wenn es uns in zehn Jahren nicht mehr gefällt, machen wir sie halt neu. Ebenso bei den Fenstern – Holz-Alu würde uns wesentlich besser gefallen, aber die kosten um 30 Prozent mehr als jene aus Holz und Kunststoff. Und auch wenn es dann an die Innenausstattung geht, wollen wir versuchen zu sparen und beispielsweise Heizkörper oder Waschbecken online bestellen.

Es ist eigentlich traurig, dass es aktuell so schwer ist, thermisch zu sanieren. Wir bauen ein umweltfreundliches Heizsystem ein, da sollten einem nicht so viele Steine in den Weg gelegt werden. Aber trotz aller Hindernisse müssen wir sagen: Wir erfüllen uns gerade einen Lebenstraum, und zwar unser eigenes Haus mit unseren eigenen Händen aufzubauen. Da nehmen wir die vielen Hürden dennoch in Kauf."

Bei vielen helfen Freunde und Familie mit, um den Traum vom Eigenheim günstiger zu verwirklichen.
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Franz (39) baut sein Elternhaus in Oberösterreich um

"Ich habe im März mit dem Umbau meines Elternhauses im Salzkammergut begonnen. Mich haben die Preissteigerungen in jedem Bereich getroffen – von Beton, Zement und Holz bis zu den Fenstern und Sonnenschutz, wo es monatliche Preissteigerungen gibt.

Ein Fensterunternehmen, das ich in der engeren Auswahl hatte, hat mich an einem Montag angerufen, dass ich mich bis Mittwochfrüh entscheiden muss, sonst wird es noch einmal um zehn Prozent teurer. In Summe zahle ich für die Fenster 45.000 Euro. Da will ich mich echt nicht in zwei Tagen entscheiden müssen.

Vom Installateur und Elektriker kriege ich schon kein Angebot mehr, weil die Preise wöchentlich steigen. Ich bin Maurer und kann glücklicherweise viel selbst machen. Insgesamt werde ich letztendlich wohl trotzdem 120.000 bis 150.000 Euro mehr bezahlen als ursprünglich geplant. Aber es gab keine Alternative, weil das Haus dringend saniert werden musste."

Ziegel waren für manche Sanierer und Häuselbauerinnen zwischenzeitlich schwer zu bekommen.
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Eva (31) und Matthias (29) sanieren ein Zweifamilienhaus im Landkreis Passau

"Wir wohnen im oberösterreichischen Grenzgebiet und haben uns vor zwei Jahren entschlossen, das bestehende Wohnhaus meiner Schwiegereltern in Bayern komplett zu sanieren und dort Platz für uns zu schaffen. Aufgrund der zu erwartenden Kosten eines Neubaus haben wir uns damals für die Sanierung entschieden.

Das Haus besteht aus zwei Wohneinheiten und ist 350 Quadratmeter groß. Wir wollten keine halben Sachen machen und haben uns daher für eine energieeffiziente Sanierung aller drei Stockwerke entschieden: neuer Dachstuhl inklusive hochwertiger Dämmung, Tausch der alten Ölheizung und Einbau einer Luftwärmepumpe, Entfernen des gesamten Estrichs und des Verlegens einer Fußbodenheizung, Montage einer Photovoltaikanlage inklusive Speicher, Tausch aller Fenster und Türen usw. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Umstellung auf erneuerbare Energie und möglichst große Unabhängigkeit vom Öl auf jeden Fall die richtige Entscheidung war.

Im August des Vorjahres haben wir mit der Sanierung begonnen und mittlerweile das Gefühl, dass ein Neubau kaum teurer sein kann. Aktuell sieht es aber so aus, als hätten wir durch den Planungsstart vor circa 1,5 Jahren preislich gerade noch die Kurve gekriegt. Wir haben zum Glück vieles noch vor der großen Teuerung bestellt. Denn schon im Vorjahr haben wir von Lieferanten ständig gehört, dass wir unbedingt sofort alles bestellen sollen, weil im nächsten Monat die Preise wieder um zehn bis 15 Prozent steigen werden und in drei Monaten wieder und wieder.

So haben wir die Fenster etwa schon bestellt und bei uns gelagert, bevor die Einfassungen überhaupt fertig waren. Natürlich ist es baulich gesehen ratsamer, es umgekehrt zu machen, und beim Einbauen gab es immer wieder Schwierigkeiten, weil die Abstände nicht gepasst haben und wir noch einmal stemmen mussten, dennoch haben wir uns dadurch eine große Summe Geld und mögliche Lieferengpässe gespart.

Wir wollen natürlich sparen, wo es geht, dennoch greifen wir etwa bei der Ausstattung nicht auf billige Lösungen zurück, denn wir wollen nicht in fünf Jahren wieder alles erneuern müssen. Einiges konnten wir sparen, indem wir bei sämtlichen Firmen angefragt haben, welche (Vor-)Arbeiten wir selbst erledigen können. Zum Glück haben wir hier auch Familie und Freunde, die uns mit Arbeitskraft unterstützen.

Natürlich ist es besonders bitter, dass auch die Kosten für Sanierungen und nicht nur für Neubauten derzeit so rasant steigen. Dabei ist es doch begrüßenswert, dass nicht noch mehr Boden verbaut wird oder alte Heizsysteme umgestellt werden. Da unser Haus in Bayern steht, bekommen wir zum Glück eine großzügige Förderung von rund 25 Prozent der gesamten Sanierungskosten. Dennoch hätten wir vor drei oder vier Jahren sicher günstiger neu gebaut, als dieser Umbau jetzt kostet. Wenn man aktuell einen Neubau plant, muss man, was ich so von Bekannten höre, mit 700.000 Euro rechnen, und da liegen wir zum Glück deutlich darunter."

Vor zwei Jahren wäre der Traum vom Eigenheim noch deutlich günstiger gewesen, erzählen die Häuslbauer.
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Laura (30) saniert ein altes Haus im Wiener Speckgürtel

"Wir sind dabei, ein altes Haus – Baujahr 1900 – in der Nähe von Wien zu sanieren und zu ökologisieren. Wir machen viel selbst, um Geld zu sparen – aber auch, weil man derzeit fast keine Handwerker findet.

Generell rate ich allen, sich schnell zu entscheiden: Wir hatten zum Beispiel bereits einen Boden ausgesucht und wollten noch ein Wochenende nachdenken. In der darauffolgenden Woche war die Charge leer, die Kosten für die neue Lieferung waren wieder um 20 Prozent höher. Wir haben auch schon Zweitangebote für Leistungen eingeholt. Als wir dann zurück zum ersten Unternehmen kamen, hatten die plötzlich keine Zeit mehr.

Wir kaufen viel über Willhaben, weil es dort oft billiger ist als im Baumarkt – unsere Eingangstür zum Beispiel. Aus Kostengründen werden wir die alte Küche behalten. Bis wir, wie ursprünglich geplant, auf eine Wärmepumpe umsteigen können, müssen wir noch ein paar Jahre mit Gas heizen, weil wir uns die Preise gerade nicht leisten können."

Nicht nur Teuerungen, auch Zeitverzögerungen machen vielen auf Baustellen zu schaffen.
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David (43) baut im Bezirk Neunkirchen einen alten Stadel in Kinderzimmer um

"Wir haben uns ein altes Bauernhaus gekauft und sind aktuell dabei, den ehemaligen Stadel in drei Kinderzimmer umzubauen. Wir haben uns aufgrund der Preissituation in den letzten zwei Jahren entschieden, viel mehr in Eigenleistung zu machen als ursprünglich geplant. Ansonsten hätten wir den Kostenrahmen von 130.000 Euro niemals einhalten können. Dadurch haben wir jetzt eine Zeitverzögerung von rund einem Jahr.

Statt einen Baumeister zu engagieren, habe ich mich selbst um die Koordination der einzelnen Gewerke und das Einholen der Angebote gekümmert. Mit Hilfe von Freunden haben wir den Stadel entkernt, und in weiterer Folge habe ich die gesamte Bodenplatte mit allen dazugehörigen Arbeiten selbst gemacht, abgesehen von den Baggerarbeiten und dem Betonieren. Das nötige Wissen habe ich mir von Videos im Internet angeeignet oder einen Baumeister gefragt, der mich hier gegen Bezahlung beraten hat. Allein bei der Bodenplatte habe ich mir 60 Prozent an Kosten erspart und nur 15.000 statt 36.000 Euro gezahlt.

Bisher bereue ich es zum Glück nicht, so viel selbst gemacht zu haben. Natürlich ist es viel Arbeit, ich mache oft abends noch etwas auf der Baustelle, wenn die Kinder schon schlafen. In den nächsten Wochen sind die Vorarbeiten für den Elektriker dran, um die ich mich kümmern muss. Bis auf das Anschließen mache ich auch hier alles selbst.

Bei der Heizung war geplant, die bestehende Gastherme zu erneuern und damit das gesamte Haus zu beheizen. Dann kam der Angriff Russlands und die Gaspreise explodierten. Somit musste eine andere Lösung her. Nach wochenlanger Recherche haben wir uns dann für einen Holzvergaserkessel mit Pufferspeicher und Warmwasseraufbereitung über Solar entschieden. Dazu war dann auch ein neuer Heizraum nötig, und alles kostet nun um 20.000 Euro mehr als geplant.

Für uns war es ein großes Problem, einen Installateur zu finden, der sich der Herausforderung eines 170 Jahre alten Hauses stellen wollte. Viele nehmen sich derzeit nicht einmal Zeit für eine Beratung. Sechs Firmen habe ich insgesamt angefragt und von nur zweien eine Rückmeldung bekommen. Und selbst hier wurde in den Angeboten nicht auf unsere konkreten Bedürfnisse eingegangen. Ich hatte den Eindruck, viele picken sich aktuell die einfacheren Aufträge, also Neubauten, heraus, weil sie ohnehin sehr viele Anfragen bekommen. Am Ende haben wir zum Glück doch einen Installateur gefunden, dem unser Haus gefallen hat und der die Herausforderung annehmen wollte.

Auch die Preissteigerungen mancher Baumaterialien betreffen uns natürlich. Am meisten ist es uns beim Eisen aufgefallen, hier haben sich die Preise im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Beim Holz hingegen war es nicht so tragisch, obwohl ich immer gelesen habe, dass auch hier der Preis so extrem steigt. Am schwierigsten war es aber, einen Pufferspeicher für unsere Heizung zu bekommen. Unser Installateur konnte mit Müh und Not einen auftreiben, der angeblich auch dieses Jahr noch geliefert wird.

Eigentlich wollten wir eine Heizung, bei der wir sowohl mit Holzscheiten als auch mit Pellets heizen können. Fürs Erste begnügen wir uns aber mit Ersterem und rüsten die Option gegebenenfalls später nach, wenn wir uns das wieder leisten können.

Für uns als junge Familie ist die aktuelle Situation finanziell schwierig. Unsere Mittel kommen zum Teil auch von der Bank, doch die Finanzierung ist abgeschlossen. Für die zusätzlichen Kosten von 20.000 Euro bräuchten wir also einen neuen Kredit – aber natürlich gibt es den jetzt zu deutlich schlechteren Konditionen. Schlimmstenfalls müssen wir einzelne Projekte verschieben und mit Kompromissen leben." (Bernadette Redl, Franziska Zoidl, 2.7.2022)