Mittelschule in Wien. Die Pandemie habe die dortigen Probleme verstärkt, sagt Walter Emberger.

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Für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler sei das zu Ende gegangene Schuljahr aufgrund der Corona-Pandemie wieder ein sehr schwieriges gewesen, sagte Walter Emberger, Gründer der gemeinnützigen Organisation Teach for Austria, im Ö1-"Morgenjournal". Noch vor zwei Monaten hätten die Lehrkräfte mit FFP2-Masken unterrichten müssen.

Fellows seiner Organisation, die engagierte Hochschulabsolventen in die Schulen schickt, um benachteiligten Kindern zu helfen, würden über gestiegene Defizite bei den zu Unterrichtenden, über höhere psychische sowie soziale Belastungen berichten. Die Enge, in der viele Kinder aus ärmeren Familien in städtischen Mittelschulen wohnten, sei nicht zuletzt durch die pandemiebedingten Zoom-Konferenzen sichtbar geworden: "Es gab Konferenz am Klo, weil kein anderer Rückzugsraum zur Verfügung stand."

Walter Emberger ist Gründer von Teach for Austria.
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Defizite seit zwei Jahren sichtbarer

Vielen Eltern aus ärmeren Familien fehle es zudem an Verständnis für die Lehrinhalte sowie das Funktionieren des österreichische Schulwesens, sagte Emberger. Sie könnten ihren Kindern daher nicht helfen. Die Auswirkungen solcher Defizite hätten sich "in den vergangenen zwei Jahren verstärkt".

Die Lage sozial schwächerer Schülerinnen und Schüler habe sich trotz mehr Geld im Bildungssystem in den vergangenen zehn Jahren nicht gebessert. Es seien aber einige Änderungen auf dem Weg, die das ändern könnten. Positiv sei die größere Autonomie der Schulen, auch habe die Pandemie der Digitalisierung einen Ruck gegeben. Nötig sei "eine Bildungswende, die ähnlich ist wie die Energiewende".

Positiv sieht der Teach-for-Austria-Gründer die Aufnahme von Quereinsteigenerinnen als Lehrkräfte. Der Beschluss dazu sei nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen mit Teach for Austria erfolgt. Den derzeitigen Lehrermangel könnten Quereinsteigende aber nur zum Teil beheben. Ihre Aufgabe sei vielmehr, "Erfahrungen aus den verschiedenen Lebensbereichen in die Schule einzubringen". (bri, 1.7.2022)