Menschen flüchteten sofort, als geschossen wurde.

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Die Polizei rief dazu auf, die Region Highland Park zu meiden.

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Chicago – Bei einem Schussattentat auf eine Parade zum US-Nationalfeiertag sind in Highland Park, einem wohlhabenden Vorort von Chicago, am Montag sechs Menschen getötet und 30 weitere zum Teil schwerverletzt worden. Der mutmaßliche Täter, der vom Dach eines Hauses die Teilnehmer der Parade ins Visier genommen hatte, konnte auf der Flucht bei einer Verkehrskontrolle verhaftet werden.

Der Mann sei ohne weitere Zwischenfälle in Gewahrsam genommen und zur Polizeibehörde von Highland Park gebracht worden. Der Täter habe bei der Parade vom Dach eines Geschäftsgebäudes aus wahllos auf die Menschenmenge geschossen, sagte ein Sprecher des Sheriff-Büros von Lake County. Bei der Schusswaffe, die am Tatort gefunden worden sei, habe es sich um ein "leistungsstarkes Gewehr" gehandelt. Meist kommen bei solchen Bluttaten in den USA Sturmgewehre zum Einsatz. Ein Arzt aus einem Krankenhaus in der Nähe des Tatorts sagte, in der Klinik seien 25 Menschen im Alter von acht bis 85 Jahren mit Schusswunden behandelt worden, darunter mehrere Kinder.

Im Internet kursierte ein bizarres Rap-Video, das der mutmaßliche Schütze vor seinem Angriff auf Youtube gepostet hatte. Darin sind selbstangefertigte Zeichnungen von einer Figur mit einem Sturmgewehr, die auf Menschen schießt, zu sehen. Auf einem Bild liegt der Schütze umringt von Polizeiautos in einer Blutlache. Auch Videos, auf denen der Verhaftete zu sehen ist, wurden verbreitet. Unter anderem sitzt er mit blau-rosa gefärbten Haaren und einem Sweater mit einem Smiley in einem Klassenzimmer. Er posiert auch mit Helm und Schutzweste vor einer US-Flagge.

Zehn Minuten nach Beginn der Parade

Die Parade begann am Montag um zehn Uhr (Ortszeit). Kurze Zeit später fielen die ersten Schüsse. "Heute Morgen um 10.14 Uhr wurde unsere Gemeinde durch einen Gewaltakt terrorisiert, der uns zutiefst erschüttert hat", sagte Bürgermeisterin Nancy Rotering. Sprecher O'Neill sagte, Polizisten und Rettungskräfte seien bei der Parade anwesend gewesen und hätten sofort reagiert. Nach der Parade war in Highland Park ein Fest zum Unabhängigkeitstag der USA geplant gewesen, das die Bürgermeisterin nach der Bluttat absagte.

Ein Augenzeuge namens Miles Zaremski sagte dem Sender CNN, er habe mehrere Verletzte und leblose Menschen gesehen, die auf dem Boden lagen. "Es war herzzerreißend." Zaremski sagte weiter, er habe rund 30 Knallgeräusche gehört. Menschen seien von der Parade geflohen. "Es war einfach chaotisch."

Diskussion um schärfere Waffengesetze

Ebenfalls am Nationalfeiertag wurden bei einem Konzert nahe Philadelphia Schüsse abgefeuert. Zwei Polizisten seien verletzt worden, hieß es seitens der Behörden. Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Menschen während des Feuerwerks vor den Schüssen flüchteten. "Ich habe nur gehört, wie die Polizisten geschrien haben: Lauft, lauft, lauft!", sagte eine Augenzeugin.

Die USA haben seit langem mit einem riesigen Ausmaß an Waffengewalt zu kämpfen. Erst Ende Mai hatte ein 18 Jahre alter Schütze an einer Volksschule in Texas ein Massaker angerichtet. Er tötete in der Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Die Polizei geriet danach in die Kritik, weil sie erst nach langer Verzögerung in den Klassenraum eindrang, in dem sich der Schütze verschanzt hatte. Gut eine Woche zuvor hatte ein 18 Jahre alter Täter in der US-Stadt Buffalo zehn Menschen erschossen, die Ermittler gehen von einem rassistischen Motiv aus.

Die Amokläufe hatten die Diskussion über schärfere Waffengesetze neu entfacht. In den USA sind Schusswaffen oft leicht erhältlich. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC wurden 2020 in den USA fast 20.000 Menschen erschossen – mehr als 50 pro Tag.

Biden: "Sinnlose Waffengewalt"

US-Präsident Joe Biden zeigte sich "schockiert über die sinnlose Waffengewalt, die an diesem Unabhängigkeitstag wieder einmal Trauer über eine amerikanische Gemeinde gebracht hat". In seiner Mitteilung hieß es: "Ich werde den Kampf gegen die Epidemie der Waffengewalt nicht aufgeben." Biden und seine Demokraten fordern seit langem schärfere Waffengesetze. Weitreichende Reformen scheitern immer wieder am Widerstand der Republikaner im Kongress und am Einfluss der mächtigen Waffenlobby-Organisation NRA.

Im vergangenen Monat hatte der Kongress unter dem Eindruck der Amokläufe von Texas und andernorts parteiübergreifend ein Gesetz gegen Schusswaffengewalt beschlossen, das aber weit hinter Bidens Reformvorschlägen zurückblieb. Experten werteten die Verschärfung des Waffenrechts zwar als die wichtigste seit Mitte der 1990er-Jahre. Das Gesetz ist inhaltlich allerdings nur ein überparteilicher Minimalkompromiss, den Kritiker als völlig unzureichend rügen.

Sturmgewehre bleiben erlaubt

Das von Biden Ende des vergangenen Monats unterzeichnete Gesetz sieht eine intensivere Überprüfung von Waffenkäufern vor, die jünger als 21 Jahre sind. Zudem geht es darum, Gesetze aus Bundesstaaten auszuweiten, um potenziellen Gefährdern Waffen abnehmen zu können. Illegaler Waffenhandel soll auf Bundesebene bestraft werden können. Zudem sollen Milliarden in psychische Gesundheitsvorsorge und Antigewaltprogramme fließen. Auch für die Sicherheit von Schulen sind weitere Mittel vorgesehen. Das von Biden und seinen Demokraten geforderte Verbot von Sturmgewehren fehlt in dem Gesetz.

Inmitten der Debatte über Schusswaffengewalt hatte das Oberste Gericht der USA das Recht auf das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit im vergangenen Monat ausgeweitet. Der Supreme Court in Washington kippte ein mehr als hundert Jahre altes Gesetz des Bundesstaats New York, wonach man einen triftigen Grund nachweisen muss, um eine Lizenz für das verdeckte Tragen einer Handfeuerwaffe außerhalb des Hauses zu erhalten. (red, Reuters, APA, 4.7.2022)