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Pro

von Oona Kroisleitner

Barcelona hat einen, Tel Aviv auch, und Miami ist sowieso bekannt für seinen: einen Stadtstrand. Nach der Schule, Uni oder Arbeit kann man sich in den Metropolen dieser Welt in den Sand und die Sonne knallen, dort den Tag entspannt ausklingen lassen, eine kleine Auszeit vom Alltag nehmen. In Zeiten, in denen wir Fernreisen – wegen der Teuerung, des Klimaschutzes und der Pandemie – dreimal werden überdenken müssen, bieten Urban Beaches ein bisschen Urlaub vor der Haustür.

Nun haben die zu Beginn genannten Großstädte in Sachen Stadtstrand einen klitzekleinen Startvorteil gegenüber Wien: ihren Meereszugang.

Ein Manko, aber kein Hindernis. Auch hier gibt es Wasser, das fließt mit der Donau und dem Kanal sogar quer durch die Stadt. Dort werden Ufer aufgehübscht und begrünt und in Barnähe auch Sand aufgeschüttet. Und das ist schön und gut so. Denn wenn sich schon die Temperaturen jenen der Sommerstädte annähern, soll es auch das Urlaubsfeeling.

Kontra

von David Krutzler

Sie geht voran, die Verstrandung von Städten – skurrilerweise vor allem von jenen urbanen Gebieten, die keinen Zugang zum Meer haben. Das bedeutet: Mühsam müssen Milliarden von Billionen von Sandkörnern von außen herangekarrt werden. Umweltgedanke: Hallo?

Die Rache folgt freilich auf dem Fuß: Ein Sandkorn in unnatürlichem Habitat verweilt nicht gerne in der Stadt – vor allem dann nicht, wenn es wie in Wien gerne windet. Das sturmumtoste Sediment ist oft schneller wieder weg, als man das Wort Vergänglichkeit buchstabieren kann.

Ein Stadtstrand, wie er rund um Gastro-Konzepte gerne aufgeschüttet wird, verdeckt zudem die wahren Probleme. Auch ohne den gut verteilten Sandberg wäre es heiß, trocken und staubig. Die Hitzetage und Tropennächte nehmen auch ohne Stadtstrand dank des Klimawandels immer mehr zu. Die Sandkörner geben diesem Faktum bei einem kühlen Drink nur ein schönes Gesicht. (RONDO, 13.7.2022)