Bis zu fünf Jahre lang sollen remote Arbeitende mit einem neuem Visum auf Bali steuerfrei arbeiten und leben dürfen.

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Nach mehr als zwei Jahren Pandemie schaut es erschreckend leer aus in Balis Strandressorts und einstigen touristischen Hotspots. Erst seit Februar 2022 dürfen Touristen aus dem Ausland die indonesische Insel wieder betreten, was bislang nur verhalten in Anspruch genommen wird. Die Bilder von verwaisten Hotels und Sehenswürdigkeiten ohne Besucher erinnern auf ungute Weise an die Zeit nach dem Attentat auf Bali im Jahr 2002. Doch die Insel hatte schon mehrfach Ideen, wie man rasch wieder Besucher anlockt. etwa durch Gratisurlaube für 4.400 Influencer, die man dann aber rasch wieder loswerden wollte.

Nun, so scheint es, schielt das Tourismusministerium auf eine neue Spezies von Gastarbeitern. Gemeint sind nicht die G20-Außenminister, die aktuell hier tagen und quasi die Vorhut zum G20-Gipfel im November sind. Denn wären alle so schlechte Gäste wie der bereits wieder abgereiste russische Außenminister Sergej Lawrow, ließe sich wohl kaum etwas verdienen am Arbeitsaufenthalt von Politikern. Bali interessiert sich vielmehr für gewöhnliche Selbständige, die ihren Job von überall aus in der Welt verrichten können. Und wer vorhat, etwas länger zu bleiben als Lawrow, erhält ein wirklich gutes Angebot.

Steuerfrei unter Bedingungen

Die indonesische Regierung arbeitet gerade an einem speziellen Visum, das digitalen Nomadinnen und Telearbeitern die Rahmenbedingungen dazu versüßen will. Das überzeugendste Argument: Mit dem Visum lässt es sich komplett steuerfrei auf Bali arbeiten und leben. Damit der Steuererlass gewährt wird, muss das Einkommen der Person aber von Unternehmen stammen, die außerhalb Indonesiens ansässig sind.

Gültig sein soll das Visum fünf Jahre lang. Indonesien hofft dadurch, wieder mehr Menschen auf die Insel zu locken – was zuletzt eben nicht gerade einfach oder gar nicht möglich war. "In der Vergangenheit waren es Sonne, Meer und Sand. Jetzt geht es um Gelassenheit, Spiritualität und Nachhaltigkeit. Auf diese Weise erreichen wir eine bessere Qualität und eine bessere Auswirkung auf die lokale Wirtschaft", sagte der indonesische Tourismusminister Sandiaga Uno gegenüber Bloomberg über den Vorstoß.

Der Minister hofft, dass im nächsten Jahr 3,6 Millionen Überseereisende in das Land zurückkehren werden. Diese sollen durch das Visum bestenfalls länger bleiben und so vor Ort mehr Geld ausgeben. Die Vorbereitungen für das Visum sind laut Tourismusministerium in der finalen Phase, es sollten demnächst Infos über die offizielle indonesische Präsenz für Visaanträge verfügbar sein. (Sascha Aumüller, 8.7.2022)

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