Der Wechsel aus heiß und kalt verbessert die Durchblutung der Haut und die Thermoregulation des Körpers.

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Glaubt man diversen Einträgen in Foren oder Erzählungen aus dem Bekanntenkreis, muss Duschen mit kaltem Wasser ein Wunderwuzzi der Medizin sein. Das Immunsystem werde gestärkt, der Stoffwechsel angeregt und die Gewichtsabnahme angekurbelt. Aber: "Duschen ist keine Therapieform", relativiert Piero Lercher, Sportarzt und Präventivmediziner an der Med-Uni Wien. Deshalb haben Wechselduschen ihren Stellenwert in der Medizin etwas verloren. Doch obwohl ihre Wirkung dem Hype nicht ganz gerecht wird, können sie durchaus positiv für das Immunsystem sein.

Stoffwechsel wird angeregt

Das liegt an der Wirkung, die Kälte auf den menschlichen Körper hat. Durch Kälte verengen sich die Blutgefäße, und der Blutfluss wird dadurch vermindert. Durch Wärme erweitern sich die Gefäße, die Durchblutung wird gefördert. Der Kalt-warm-Wechsel regt deshalb den Stoffwechsel an und wirkt sich förderlich auf das Immunsystem aus.

"Letztendlich ist es aber nicht nur ein Faktor, sondern die Gesamtheit mehrerer Lebensstilfaktoren, die das Immunsystem positiv beeinflussen", betont der Experte. Die Rolle der Duschtemperatur sei dabei nur ein sehr kleiner Faktor. "Ob man kalt oder warm duscht, ist prinzipiell einfach Geschmackssache. Kalt duschen härtet eher ab", sagt Lercher.

Kalt duschen hilft nicht beim Abnehmen

Weil der Stoffwechsel angeregt wird, glauben viele, dass Wechselduschen auch die Fettverbrennung anregen und beim Abnehmen unterstützen können. Aber diese Annahme muss laut Lercher "im Reich der Märchen angesiedelt werden". Wer nachhaltig das Gewicht reduzieren will, müsse die Energieaufnahme durch Ernährung reduzieren und den Verbrauch durch körperliche Aktivität steigern. Wechselduschen hätten da keinen nachweislichen Effekt.

Auch Mythen, dass Wechselduschen Muskelkater verringern könnten, halten sich hartnäckig. Weil sich die Blutgefäße durch die Kälte verengen, würden Wechselduschen ähnlich wie Kompressionsstrümpfe wirken, heißt es. "Der Vergleich wäre stümperhaft", sagt Lercher, aber ein gewisser lindernder Effekt sei nur logisch: "Weil Wechselduschen generell den Stoffwechsel anregen, hat das natürlich auch positive Effekte auf einen Muskelkater."

Durchblutung wird verbessert

Obwohl die Vorteile der heiß-kalten Dusche nicht so ausgeprägt sind wie viele glauben, könnte es sich aber vor allem im Sommer lohnen, es einmal auszuprobieren, denn – und das bestätigt der Experte – Wechselduschen könnten die Thermoregulation des Körpers unterstützen: "Sie haben eine belebende Wirkung und können die Durchblutung der Haut verbessern." Vorsicht sei jedoch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen geboten: "Sie sollten nur nach ärztlicher Untersuchung und Freigabe Wechselduschen durchführen", betont er.

Zumindest einen Mythos – wenn auch nicht gesundheitlicher Natur – bestätigt Lercher. Die Haare würden vom kalten Wasser profitieren. Sie werden zwar nicht stärker, aber "es wirkt sich positiv auf den Glanz aus". Immerhin. (poem, 17.7.2022)