Nach der Verkündigung seines Rücktritts am Donnerstag, soll nun eine schnelle Entscheidung zu Johnsons Nachfolge fallen.

Foto: REUTERS / MADAME TUSSAUDS LONDON

London – Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um die Nachfolge des britischen Premierministers Boris Johnson schwillt immer weiter an. Am Sonntag wurden die Kandidaturen von Ex-Gesundheitsminister Sajid Javid, dem früheren Gesundheits- und Außenminister Jeremy Hunt und von Handelsstatssekretärin Penny Mordaunt bekannt. Am Samstag hatten Verkehrsminister Grant Shapps und Finanzminister Nadhim Zahawi ihren Hut in den Ring geworden. Damit gibt es bereits neun Bewerber. Beobachter erwarten weitere Namen.

Etwas überraschend erklärte indes Verteidigungsminister Ben Wallace, sich nicht um das Amt zu bewerben. Dem 52-Jährigen waren gute Chancen eingeräumt worden, nachdem ihm im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg eine gute Amtsführung bescheinigt worden und er zum beliebtesten Mitglied der Regierung aufgestiegen war.

Viele Ex-Regierungsmitglieder im Rennen

Die Zeitung "Mail on Sunday" berichtete, am Montag werde auch Außenministerin Liz Truss ihre Kandidatur bekannt geben. Sie werde damit versprechen, die Steuern zu senken und gegen die hohen Lebenshaltungskosten vorzugehen. Die Kandidaten bewerben sich jeweils um das Amt des Parteichefs der Konservativen, womit sie dann auch Zugriff auf das Amt des Premierministers haben.

Neben Javid, Hunt, Mordaunt, Shapps und Zahawi haben auch Ex-Finanzminister Rishi Sunak, Staatssekretärin Kemi Badenoch, Generalstaatsanwältin Suella Braverman und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus, Tom Tugendhat, ihre Bereitschaft erklärt.

Favorit der Buchmacher ist derzeit Ex-Finanzminister Rishi Sunak, der von mehreren einflussreichen Tories unterstützt wird. Johnsons Anhänger werfen dem 42-Jährigen allerdings der Sonntagszeitung "Observer" zufolge vor, den Regierungschef hintergangen zu haben. Sein Abdanken am 5. Juli hatte die Rücktrittswelle von Regierungsmitgliedern in den darauffolgenden Tagen ausgelöst.

Bewerbungsfrist: Dienstag, 12. Juli

Das für die Wahl zuständige Gremium will schnell zu ersten Entscheidungen kommen. Geoffrey Clifton-Brown, Mitglied des zuständigen Partei-Komitees 1922, sagte dem Times Radio, bis zum 20. Juli sollten die zwei Kandidaten feststehen, zwischen denen dann gewählt werden soll.

Bis Dienstag ist Zeit für Bewerbungen, wie die Zeitung "Telegraph" berichtete. Das zuständige Parteikomitee wolle bei seiner Sitzung an diesem Montag den Auswahlprozess reformieren. Demnach müssten Interessenten die Rückendeckung von 20 Abgeordneten haben und nicht mehr von acht. Damit solle die Zahl auf die "ernsthaften" Kandidaten reduziert werden. Bis zu 15 Bewerber könnten es werden.

Entscheidung per Briefwahl

Die Regeln und der Zeitplan sollen kommende Woche festgelegt werden. Üblicherweise erklären Bewerber zunächst ihre Kandidatur. Bei mehreren Abstimmungsrunden der Tory-Abgeordneten scheidet jeweils der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus. Somit wird der Kreis immer kleiner, bis am Ende zwei Namen übrig bleiben. Per Briefwahl entscheiden dann die Parteimitglieder, wer von den beiden die Partei führen soll. Diese Person wird dann auch Premierminister.

Premierminister Johnson hatte nach zunächst hartnäckigem Widerstand im Zuge zahlreicher Verfehlungen am Donnerstag seinen Rücktritt angekündigt. Zuvor hatte er die Unterstützung zahlreicher Mitarbeiter der Regierung verloren. (Reuters, APA, red, 10.7.2022)