Gegen Nordirland ist Torjägerin Nicole Billa gefragt.

Foto: EPA/PETER POWELL

Ticker: Österreich vs. Nordirland, 18 Uhr

T minus eins: eine Zeitangabe im Fachjargon der organisatorischen Welt des Fußballs, die sich auf den Anreisetag bezieht. Ein Tag vor dem Matchtag. T minus eins machten sich Österreichs Fußballerinnen also auf die rund einstündige Reise vom Teamquartier in Bagshot in die Hafenstadt Southampton, wo man am Montag (18 Uhr, ORF 1) auf die nordirische Auswahl trifft. Das Stadion St. Mary’s ist die Heimstätte des FC Southampton, die Geschicke des Erstligisten leitet bekanntlich der Steirer Ralph Hasenhüttl.

Apropos Southampton: Die britische Schriftstellerin Jane Austen ging hier zur Schule, 1620 stachen die Pilgerväter auf der Mayflower zu ihrer Reise in die Neue Welt in See, und 1912 legte die Titanic aus jenem Hafen ab, den noch heute jedes Jahr rund 450 Kreuzfahrtschiffe besuchen. Fakten, Fakten, Fakten.

Fakt ist auch, dass Österreich gegen Nordirland gewinnen muss. Vor allem, wenn man aus der Gruppe A ins Viertelfinale aufsteigen will. Die beiden Favoriten auf den Aufstieg, England und Norwegen, matchen sich später in Brighton (21, ORF 1) um den Platz an der Gruppensonne, England bezwang im ersten Spiel Österreich mit 1:0, Norwegen putzte Nordirland 4:1. Man muss nicht gut rechnen können, um zu wissen, dass beide Teams bei drei Punkten halten. Österreich steht jedenfalls gegen die Nordirinnen in der Pflicht. "Wir sind überzeugt, dass wir das bessere Team sind, das müssen wir auf dem Platz beweisen", sagte Teamchefin Irene Fuhrmann im Vorfeld der Partie.

Wienroither out

Fakt ist auch, dass Verteidigerin Laura Wienroither am Samstag, also T minus zwei, positiv auf das Coronavirus getestet wurde und somit die Partie mit Sicherheit verpassen wird. Statt ihr dürfte die Tirolerin Katharina Schiechtl in die Startelf rücken. Wienroither wurde sofort isoliert, sie bekommt ihr Essen aufs Einzelzimmer, kann auch alleine auf der Anlage des Pennyhill-Park-Hotels frische Luft schnappen. Sie habe "milde Symptome", hieß es in einer Verbandsaussendung. Fuhrmann: "Wir wussten, dass es passieren kann, wir haben es trotz aller Vorsichts- und Präventionsmaßnahmen einfach nicht in der Hand." Wann und ob die Oberösterreicherin wieder ins Turnier einsteigen kann, könne man derzeit noch nicht abschätzen: "Laura hat sehr konstant agiert, wir konnten immer auf sie zählen. Aber wir haben auch andere Optionen und mittlerweile einen breiten Kader."

Bekanntschaften

Nordirland also. Nach dem Spiel der Spiele (aus emotionaler Sicht) gegen England ist man jetzt in der Pflicht. Die Nordirinnen sind 47. der Weltrangliste, Österreich derzeit 21. Man kennt einander nur zu gut: In der laufenden WM-Quali kam Fuhrmanns Team im Herbst in Belfast nur zu einem 2:2, musste sogar um diesen Punkt bangen, denn der Ausgleich gelang erst in der Schlussphase durch Stefanie Enzinger.

Beim Retourspiel in Wr. Neustadt war der Klassenunterschied nicht von der Hand zu weisen: Österreich gewann 3:1, man dominierte die Gäste über fast alle Strecken des Spiels. Aber eben nur über fast alle. Nordirland ist ein Konterteam, das über starke Physis und schnelles Umschaltspiel verfügt. Dass mit Simone Magill die einzige Profispielerin fehlt, wird der Spielphilosophie keinen Abbruch tun – Ballgewinn, schnell in die Spitze, let’s go. "Wir werden bereit sein und sind auf Revanche aus", sagte Offensivspielerin Caitlin McGuinness.

Fuhrmann rechnet mit deutlich mehr Ballbesitzphasen als gegen die Engländerinnen. "Wir wollen das Spiel dominieren und uns im Angriffsdrittel festsetzen", sagte die 41-jährige Wienerin. Laut Mittelfeldspielerin Sarah Zadrazil kann man mit dem Druck und der Ausgangslage gut umgehen: "Wir müssen jetzt auch Ergebnisse liefern, das wissen wir, aber Druck verspüren wir gar keinen. Wir sind diesmal Favorit, mit der Rolle können wir leben."

Österreich muss also die Qualität, die es unbestritten besitzt, auf den Platz bekommen, um nach den 90 Minuten siegreich vom Platz zu gehen. Dann würde es am 15. Juli gegen Norwegen in Brighton zum erhofften Finale um den Aufstieg in die K.-o.-Phase gehen. (Andreas Hagenauer aus Southampton, 11.7.2022)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen zum zweiten Gruppe-A-EM-Spiel von Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam:

Österreich – Nordirland (Montag, 18.00 Uhr/live ORF 1, Southampton, St. Mary's Stadium, SR Emikar Caldera Barrera/VEN).

Österreich: Zinsberger – Schiechtl, Wenninger, Degen, Hanshaw – Zadrazil, Puntigam, Höbinger – Dunst, Billa, Naschenweng

Ersatz: Kresche, Pal – Georgieva, Schnaderbeck, Kirchberger, Eder, Feiersinger, Hickelsberger-Füller, Schasching, Makas

Es fehlen: Kolb, Wienroither (beide Corona-Erkrankung), Plattner (Schlüsselbeinbruch)

Fraglich: Enzinger (Knieprobleme)

Nordirland: Burns – Magee, Nelson, McFadden, Burrows, Vance – McCarron, Furness, Callaghan, Wade – K. McGuinness

Ersatz: Flaherty, Turner – Mc Kenna, Hutton, Holloway, Rafferty, McDaniel, Andrews, Wilson, C. McGuinness

Es fehlt: Magill (Knieverletzung)

Fraglich: Caldwell (angeschlagen)

Weiteres Gruppenspiel am Montag (21.00 Uhr in Brighton/live ORF 1): England – Norwegen

Bereits gespielt: England – Österreich 1:0, Norwegen – Nordirland 4:1

Weitere Spiele: 15. Juli: Österreich – Norwegen (21.00/Brighton), Nordirland – England (21.00/Southampton)

Die Top zwei der Gruppe ziehen ins Viertelfinale ein.