Das Kinderbuch im Dialekt macht Simultanübersetzung unnötig.

Foto: Marc Schwarz

Schönsprechmamas – so nennt Stefanie Schwarz Mütter, die krampfhaft versuchen Hochdeutsch mit ihren Kindern zu sprechen. Da heißt es auf dem Spielplatz: "Emma, tuts nicht in die Pfütze springen!" Oder: "Kiddies, möchtet ihr ein paar Cookies?" Sie selbst rede wie ihr der Schnabel gewachsen sei mit ihrem Sohn, sagt die 34-Jährige aus Bad Goisern. Doch in den Kinderbüchern lese sie von Matschpfützen, Pfötchen oder Ferkelchen. "Das würde ich so wahrscheinlich nie sagen", sagt Schwarz. "Ich hab beim Vorlesen die Wörter dann ad hoc in Dialekt umgedichtet, damit es so klingt, wie wir reden."

Um nicht mehr jede Geschichte simultan übersetzen zu müssen, hat die Texterin nun ein Kinderbuch im Salzkammergut-Dialekt geschrieben. Da kloa Stritzi erzählt die Geschichten eines liebenswerten Lausbuben und seiner Katze Minki. Miteinander erleben sie Abenteuer und lernen voneinander. "Minki beschwert sich beispielsweise, dass sie nicht weiterwandern mag, und sagt ‚Mi gfreit’s neama‘", erklärt die Goiserin. "Unser Dialekt ist einzigartig und besonders. Dafür sollten wir uns nie schämen müssen. Schon gar nicht vor den eigenen Kindern."

Wolfgang Menschhorn und Stefanie Schwarz mit ihrem Kinderbuch, in dem der Titelheld Mundart spricht.
Foto: Marc Schwarz

Illustriert wurden die Kurzgeschichten über die Abenteuer von Stritzi und Minki von Wolfgang Menschhorn, der ebenfalls in Bad Goisern lebt. "Er wusste schnell, wie unser Stritzi ausschauen wird, und hat ihn mit seinen locker-flockigen Zeichnungen richtig zum Leben erweckt", sagt Schwarz.

Feedback zu den Kurzgeschichten und den Dialektwörtern hat sich die Kinderbuchautorin von älteren Menschen aus der Region geholt. "Viele haben sich darüber gefreut, dass es manche Ausdrücke in ein Kinderbuch schaffen. Vieles wird ja nach und nach vergessen." Damit das nicht so schnell passiert, gibt es am Ende des Buchs auch eine Übersetzung der Dialektausdrücke. Verlegt wird das Buch im Eigenverlag, gedruckt wird es auf nachhaltigem Papier in Gmunden. (Stefanie Ruep, 12.7.2022)