Am Anfang war die Nähmaschine. Made in Germany, von Gründervater Adam Opel. Das war vor 160 Jahren. Das Ding war mit Pedalen zu bedienen, noch lange nicht elektrisch, danach, 1886, kamen die Fahrräder, und da führt ein Trend in Europa ja zurück zu dieser zweiten Opel-Eskalationsstufe, zu jener, mit der die Rüsselsheimer ihre firmeneigene Mobilitätsgeschichte eröffneten.

Aktuell setzt der traditionsreiche Hersteller, seit 2016 im PSA-Gefüge, der französischen Stellantis-Reichshälfte, ebenfalls auf Pedalerie, im Automobil halt, und es wird zunehmend elektrisch. Seit 2017 wurden bereits zwölf Modelle elektrifiziert, 2024 soll 100 Prozent Elektrifizierung erreicht sein (Plug-in-Hybrid und vollelektrisch), ab 2028 kommen überhaupt nur noch batterieelektrische Opels auf den Markt und 2062, und zum 200-Jahr-Jubiläum, kehrt man dann wieder zu den Anfängen zurück, zur Nähmaschine.

Blitzsauber gezeichneter kompakter Kombi mit nicht nur großem Laderaum, sondern auch Geschichte. Kommt zunächst mit Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybrid, nächstes Jahr aber auch elektrisch.
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Unsinn, Letzteres ist eine unhaltbare Arbeitshypothese, haltbar hingegen ist die Prognose für den unmittelbar bevorstehenden Zeitraum. In dem hat Opel vor, der reichhaltigen Kombi-Tradition noch eins draufzusetzen. Die elfte Generation im Kompaktsegment, die mit den Namen Kadett und Astra belegt ist und 1963 mit Malers und Tapezierers Liebling begann, ist startklar. Nimmt man den ersten Rucksack-Opel hinzu, den Olympia Caravan von 1954, reicht deren Kombi-Expertise noch weiter zurück.

Schlaue Lösungen

Das erklärt natürlich mit die Kompetenz zum besonders schlauen, durchdachten Konzept. Beispiele gefällig aus dem neuen Astra – Caravan, hätten wir fast geschrieben, nein, Sports Tourer? Sichtschutz Kofferraumabdeckung. Einmal demontiert, lässt sie sich unterm doppelten (und damit versenkbaren) Boden in einem speziell dafür vorgesehenen Bereich fixieren, muss also nicht daheim gelassen werden.

Oder die Kombiphilosophie als solche. Da verzichten viele Hersteller, sofern sie überhaupt noch so was bauen, heute ja zugunsten der Lifestyleattitüde auf maximale Praktikabilität. Anders Opel – gerade, nicht schräg stehende Heckklappe, die Rücksitze sind rasch und bequem 40 zu 20 zu 40 umklappbar, und dann tut sich ein 1,85 Meter langer Laderaum auf. Noch dazu mit niedrigerer Ladekante als beim fünftürigen Astra, was das Beladen erleichtert, auch dies ein durchaus weiser Mobileslebenvereinfacher.

Wie bereits beim Konzernbruder Peugeot 308 leistet sich auch Opel beim Astra zwei Radstände. 2,69 Meter sind es beim Basismodell, 2,73 beim Kombi, und damit zum Antriebskapitel und dem Maß an Elektrifizierung, bei dem der Astra Kombi neuerdings angelangt ist.

Kurz gesagt: PHEV und BEV. Länger: Plug-in-Hybrid, verfügbar ab Marktstart im Herbst, batterieelektrisch ab Sommer 2023. Die technischen Daten des Elektro-Kombis – für viele ein echtes Desideratum – gibt Opel noch nicht bekannt, die des Plug-ins schon. Dessen Systemleistung liegt bei 133 kW (180 PS), erstellt aus einem 1,6-Liter-Turbo-Benziner mit 150 PS und einem E-Motor mit 81,2 kW (110 PS). Der 12,4-kWh-Akku erlaubt bis zu 69 km E-Reichweite, die elektrische vmax liegt bei 135 km/h. Das Auto fährt sich geschmeidig, und das Fahrwerk ist opeltypisch straff abgestimmt.

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Konventionelle Motorisierungen gibt es aber auch: zwei Drei-Zylinder-Benziner (110 PS, 130 PS) – der kleinere klingt ein bisschen, zurück zu den Wurzeln, nach Nähmaschine –, sowie einen formidablen 130-PS-Diesel, ein spritziges, sauberes, sparsames Aggregat französischer Provenienz. Den kleinen Benziner gibt es nur mit Sechs-Gang-Schaltung, den größeren auch mit Acht-Gang-Wandlerautomatik, japanisch, weil von Aisin, beim Selbstzünder ist man generell auf der automatischen Seite.

Design? Klar, das ist immer Geschmacksache. Die meisten werden aber sagen: bildschön. Ein Kombi wie aus einem Guss. Kristallklar gezeichnet. Keine Fuge zu viel, kein Falz zu wenig. Toller Kombi. (Andreas Stockinger, 14.7.2022)