Der griechisch-katholische Caritas-Direktor der Region Transkarpatien war ein gefragter Interviewpartner.

Foto: 2getthere/Haider

Das Burgenland und die ukrainische Region Transkarpatien sind Partnerregionen seit 1997. In den vergangenen Jahren ist diese Partnerschaft etwas eingeschlafen. Ungefähr so, wie Partnergemeinden das meistens handhaben: bloß noch routiniert.

Seit dem 24. Februar ist das freilich schlagartig anders geworden. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Viktor Mykyta, der Amtskollege im Oblast Transkarpatien haben schon Anfang Juni den Partnerschaftsvertrag erneuert und mit konkreten, auch wirtschaftlichen Projekten gefüllt.

Freundschaftenquete

Vergangene Woche kamen Mykyta, Vasyl Khymynets, der ukrainische Botschafter in Österreich, und Martin Selmayr, der Vertreter der EU-Kommission in Wien, nach Eisenstadt. Da hat der Landtag zu einer Enquete geladen. Die Ukrainer sprachen im Landesparlament, Selmayr lobte die Regional-Kooperation als von europäischem Geist erfüllt. Die hiesigen Parteienvertreter sahen das, durchaus auch selbstapplaudierend, ebenso. Nur die FPÖ blieb geschlossen fern. Ihr schien das Ganze ein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.

Dabei ging es in der Hauptsache um jene humanitäre Hilfe, die das Burgenland recht schnell und recht unkompliziert zu leisten begonnen hatte: Man hat eine Art Lieferdienst für die slowakisch-ukrainische Grenzstadt Uschhorod (russisch: Uschgorod, ungarisch: Ungvár) eingerichtet. Burgenländische Busse bringen Kriegsflüchtlinge von dort direkt ins Burgenland. Und nun auch ukrainische Kinder zur Erholung.

Tausendsassa

Das Land war, was die Schnelligkeit und Unkompliziertheit der Hilfe betrifft, auch ein wenig getrieben. Denn noch an dem Tag, als der Krieg begonnen hatte, hat der Gattendorfer Pfarrer Günther Kroiss – nicht nur im Burgenland bekannt als "Tausendsassa des Herrn" – seine Hilfsmaschinerie angeworfen. Vier Tage später standen schon fünf volle Sattelschlepper in Uschhorod.

Gesammelt und geliefert wurde gezielt nach dem aus Uschhorod gemeldeten Bedarf. Die Verteilung der Hilfsgüter übernahm die regionale Caritas mit ihrem Direktor Miroslav Rusyn. Auch Kroiss und Rusyn verbindet eine langjährige Kooperation.

Erholungswoche

Die beiden haben auch das aktuelle Projekt ausgeheckt: Kinder und Jugendliche verbringen je eine Woche im Burgenland. Rusyn: "Es sind Halbwaisen. Die Väter sind gefallen. Zum Großteil schon 2014 in der Ostukraine." Es sind Kinder aus der Region. Sie leiden anders unter dem Krieg als die Geflohenen. Aber auch sie leiden natürlich. Über den Sommer wollen Kroiss und Rusyn rund 100 Kindern Erholung im Burgenland bieten. Das Land, heißt es im Landeshauptmannbüro, will 600 eine Erholungswoche bieten. In der nächsten Woche kommt die erste Gruppe ins Mittelburgenland.

Kroiss und Rusyn haben schon die zweite Gruppe geholt. In dieser Woche sind 14 Mädchen und Burschen in Rasporak/Draßburg. Der Bürgermeister, Christoph Haider von der SPÖ, ist praktischerweise auch Koordinator der Ukraine-Hilfe. Es seien, sagt er, keine weltbewegenden Dinge, die den jungen Menschen geboten werden: "Ein Besuch im Familypark in St. Margarethen, Baden im nahem Schwimmteich. Solche Sachen halt."

Bisserl Normalität

Ein bisserl Normalität will man den jungen Menschen – die aktuellen Gäste in Draßburg sind zwischen 13 und 16 – bieten. Und, hofft Miroslav Rusyn, "auch ein bisschen Orientierungshilfe". Die Jugendlichen werden ja von Zukunftsängsten geplagt, gerade in einer Lebensphase, die auch ohne Krieg schwer genug sei.

Hier setzt Kroiss' nächstes Projekt an. Der Pfarrer ist auch – oder vielleicht sogar vor allem – ein Gastwirt. Sein Jugend- und Sozialverein 2getthere betreibt in Mattersburg eine Bar. Noch im Sommer sollen hier vier ukrainische Jugendliche ein Gastronomie-Praktikum absolvieren und nebenher Deutsch lernen können. Begleitet werden sie dabei von vier Gleichaltrigen aus Mattersburg, die sich so ein bisschen Ferialgeld verdienen können. Nichts Weltbewegendes. Aber.

Katholische Spannweite

Die nun enger werdende Verbindung zwischen dem Burgenland und dem Oblast Transkarpatien erzählt auch eine jahrhundertelange Geschichte. Jenes war der westliche, dieses der östliche Rand des großen Landes unter der ungarischen Stephanskrone.

Das ist auch an der römischen Kirche nicht ganz spurlos vorübergegangen. Günther Kroiss ist römisch-katholisch. Miroslav Rusyn – wenn er davon erzählt, kommt er auch gerne auf Maria Theresia zu reden – griechisch-katholisch. Uniert, wie man auch sagt. Orthodox zwar, aber dem Papst verpflichtet.

Der hat sie im Gegenzug vom Zölibat entbunden. Rusyn, der seine theologische Ausbildung auch in Bayern genoss und daher sehr gut Deutsch spricht, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Und siehe: Die katholische Welt steht dennoch. (Wolfgang Weisgram, 14. 07. 2022)