Das Spezialboot "Nixenkraut" schafft es auch in seichte Bereiche. Damit können etwa die Einstiegsbereiche von Wasserpflanzen freigehalten werden.

Foto: Stefanie Rachbauer

Dass die Alte Donau für die Wienerinnen und Wiener ein Ort der Erholung ist, ist keine Neuigkeit. Von einer solchen könnte man allerdings schon eher sprechen, wenn dies auch für die Mähbootlenkerinnen und -lenker der Stadt gilt. Für die Truppe geht es in der diesjährigen Saison auf dem beliebten Badegewässer tatsächlich etwas entspannter zu – zumindest im Vergleich zu anderen Jahren. Der Grund: Es mussten heuer nicht ganz so viele Unterwasserpflanzen zurückgeschnitten werden wie in der Vergangenheit.

Zu tun gibt es aber dennoch genug: Konkret wurden seit Mitte April 1.000 Tonnen Mähgut aus der Alten Donau geholt, gab die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Donnerstag bekannt. Das ist genau so viel wie vor einem Jahr um diese Zeit – und um 400 Tonnen weniger als im Juli 2020. Von Zahlen wie aus dem bisherigen Rekordjahr 2018, in dem die Mähtruppe insgesamt 3.350 Tonnen Wasserpflanzen aus der Alten Donau holte, ist man damit noch weit entfernt. "Die Werte sind leicht rückläufig, aber auf hohem Niveau", sagte Sima.

Dafür ist an anderer Stelle bereits jetzt eine Höchstmarke erreicht: in der Neuen Donau. Dort sind die Mähbootlenkerinnen und -lenker heuer außergewöhnlich stark gefordert. 900 Tonnen Grünzeug wurden dort bereits herausgefischt. Laut der zuständigen Magistratsabteilung 45 ist das der bisherige Rekord, das Gewässer sei bereits zweimal durchgemäht worden. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2021 betrug die Mähgutmenge aus der Neuen Donau lediglich 430 Tonnen.

Die Neue Donau Mitte Juli: Die zentralen Abschnitte des Entlastungsgerinnes wurden heuer schon zweimal durchgemäht.
Foto: Stefanie Rachbauer

Die Ursache dieser Entwicklung ist, dass sich das Krause Laichkraut – eine bisher unauffällige Wasserpflanzenart – massenhaft im Entlastungsgerinne vermehrt hat. Möglich war das, wie berichtet, aufgrund des Hochwassers im Juli 2021. Dieses schwemmte den Großteil der Pflanzen aus der Neuen Donau aus. Lediglich Ableger des Laichkrauts blieben zurück. Diese trieben ob der mangelnden Konkurrenz durch andere Arten kräftig aus – zum Leidwesen von Bootfahrerinnen und Schwimmern.

Neues Mähboot für die Neue Donau

Dass in der Neuen Donau überhaupt gemäht wird, ist ein relativ junges Phänomen. Ihr Wasser ist kühler als jenes der Alten Donau, weshalb Wasserpflanzen dort an sich weniger gut gedeihen. Da sich das Wasser aufgrund der immer wärmeren Sommer aufheizt, fühlen sich die Pflanzen aber auch in der Neuen Donau zunehmend wohl. So wohl, dass in deren zentral gelegenen Abschnitten seit 2019 Mähboote ausrücken. In der Alten Donau wird seit 2010 gemäht.

Die Stadt rechnet jedenfalls nicht damit, dass sich das Laichkrautproblem bald von selbst lösen wird – und bereitet sich bereits auf nächsten Sommer vor. "Wir schaffen ein zusätzliches großes Boot für die Neue Donau an", verkündete Sima.

Insgesamt besteht die städtische Mähflotte derzeit aus 25 Booten. 15 davon sind sogenannte Amphibienboote, die sowohl im Wasser als auch – mittels Raupenantrieb – an Land fahren können. Dazu kommen Motorboote zum Einsammeln des Schnittguts und Begleitboote. Am Ufer wird das Mähgut mit Lastwagen ins Kompostwerk Lobau gebracht und dort verarbeitet.

Die Mähbootflotte der Stadt zählt 25 Boote: Amphibien-, Sammel- und Begleitboote.
Foto: Stefanie Rachbauer

Auf der Alten Donau ist bereits heuer ein neues Gefährt unterwegs: die "Nixenkraut". So heißt ein orangefarbenes Spezialboot, das besonders nah ans Ufer fahren und die Einstiegsbereiche von Pflanzen befreien kann. Vor Beginn der Saison erledigen dies übrigens Taucher: Sie schneiden das Grünzeug an schwer zugänglichen Stellen, etwa in den Bereichen unter Stegen, mit Sicheln weg.

Fische erschweren Ausweitung von Pflanzprojekt

Um den Mähaufwand zu reduzieren, experimentiert die Stadt seit 2017 mit verschiedenen Pflanzentypen. Bei der Strombucht wurden sogenannte Characeen, eine niedrig wachsende Wasserpflanzenart, angesiedelt. Die Idee: Sie sollten das Ährige Tausendblatt, die dominante Wasserpflanzenart in der Alten Donau, verdrängen – und das Mähen quasi obsolet machen, da sie nicht zu den Schwimmern und den Booten hinaufreichen.

Mittlerweile sind rund neun Hektar mit Characeen bepflanzt, für heuer sind Nachpflanzungen geplant. Sima zufolge bleibt das Projekt aber auf die seichteren Bereiche der Alten Donau beschränkt. Das liegt daran, dass die Setzlinge Fischen besonders gut schmecken. Deshalb müssen die Bereiche, in denen sie gesetzt werden, für rund drei Jahre mit Netzen abgesperrt werden. Das heißt: kein Schwimmen und Bootfahren im offenen Wasser. Und dafür habe, so Sima, wohl niemand Verständnis. (Stefanie Rachbauer, 14.7.2022)