Szenewirt Horst Scheuer will das Berger & Lohn finanziell sanieren und nach der Sommerpause wiedereröffnen.

Foto: Heribert Corn

Vor rund einem Jahr schien es, als wäre im Berger & Lohn wieder alles gut. Denn das nach Vorbild einer Brasserie geführte Restaurant in der Währinger Gentzgasse, das während der Pandemie finanziell ins Straucheln geraten war, hatte eine Möglichkeit gefunden, um an Geld zu kommen. Die Stadt Wien kaufte Inhaber Horst Scheuer Anteile an seinem Lokal ab – und zwar über das Corona-Hilfsvehikel "Stolz auf Wien". Doch damit ist es, wie nun klar wird, nicht getan. Berger & Lohn kann seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen: Beim Wiener Handelsgericht wurde Insolvenz angemeldet.

Die Verbindlichkeiten betragen zwischen 820.000 und 880.000 Euro, heißt es seitens des Kreditschutzverbands 1870 auf STANDARD-Nachfrage. Inhaber Scheuer will das Lokal fortführen: Zu diesem Zweck hat er ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Dem Gastronomie-Portal Gastronews sagte Scheuer vor kurzem, dass das Berger & Lohn derzeit in Sommerpause sei. Am 6. September solle der Betrieb wieder starten.

Als Gründe für die Insolvenz nannte Scheuer die "Auswirkungen der Corona-Pandemie, das Ausbleiben von finanziellen Unterstützungen und natürlich das Fehlen der Gäste im Restaurant". Den Gläubigern hat er laut KSV 1870 eine Zahlung von 20 Prozent der Schulden binnen zwei Jahren angeboten. Diese müssen nun entscheiden, ob sie dem zustimmen. Eine erste Gläubigerversammlung ist für Mitte September angesetzt.

Stadt investierte fünfstelligen Betrag

Die "Stolz auf Wien"-Beteiligungsgesellschaft habe einen fünfstelligen Betrag in das Berger & Lohn investiert, teilt das Büro des zuständigen Finanzstadtrats Peter Hanke (SPÖ) auf Anfrage mit. Wie hoch die mit Steuergeld aufgebrachte Summe genau ist, wird nicht verraten. In welchem Umfang Anteile erworben wurden, ebenso wenig.

Grundsätzlich ist das Modell so aufgesetzt, dass die "Stolz auf Wien"-Beteiligungsgesellschaft mindestens sieben und maximal 20 Prozent an Unternehmen mit besonderer Bedeutung für Wien erwirbt. Vorgesehen ist, dass die Betriebe die Anteile der Stadt nach sieben Jahren zurückkaufen. Ist das nicht möglich, können diese auch an Dritte gehen. Erklärtes Ziel ist es, den Firmen so rasch zu Eigenkapital zu verhelfen sowie Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort zu sichern. Angesiedelt ist "Stolz auf Wien" bei der Wien Holding. Aktuell ist die Gesellschaft mit in Summe 14,7 Millionen Euro an 32 Unternehmen beteiligt.

Was das Berger & Lohn betrifft, zeigt man sich in Hankes Büro zuversichtlich: Jetzt sei einmal ein Insolvenzantrag gestellt worden, es sei noch kein Geld verloren, sagt eine Sprecherin. Die Stadt als Miteigentümerin stehe Berger & Lohn "moralisch zur Seite". Man gehe davon aus, dass ein Weg gefunden werde, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Café Ritter war ebenfalls pleite

Eine ähnliche Konstellation gab es schon einmal. Kurz vor der Wien-Wahl im Herbst 2020 gab die Stadt bekannt, sich am Café Ritter in Ottakring zu beteiligen. Wenige Monate später war das Lokal pleite. Und das, obwohl seitens der "Stolz auf Wien"-Gesellschaft betont wird, dass ein Expertenbeirat die Unternehmen vorab sorgfältig prüfe.

Doch die Stadt hatte in diesem Fall noch einmal Glück: Als das Café Ritter Insolvenz anmeldete, war die Beteiligung noch nicht unterschrieben, und es war auch noch kein Geld geflossen. Im Rahmen eines Sanierungsverfahrens konnte das Lokal schließlich fortgeführt werden – und die Stadt stieg schließlich doch noch ein.

Die "Stolz auf Wien"-Aktion ist übrigens noch bis September angesetzt. Erst vergangene Woche wurden fünf Neuzugänge präsentiert. Mit einem potenziellen weiteren Kandidaten wird derzeit verhandelt: Im Gespräch für eine Beteiligung ist das Café Westend, das vor zwei Wochen zusperrte. Ein Ergebnis wurde bis dato nicht verlautbart. (Stefanie Rachbauer, 15.7.2022)