In tropischen Nächten wünscht man sich schon mal einen Kühlschrank als Schlafzimmer – hier gibt es zumindest ein paar Tipps, wie man die Hitze besser erträgt.

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Das Thermometer steht bereits wieder über 30 °C, und es soll noch heißer werden. Und die Hitze wird dauern. Das bedeutet Mehrarbeit für Herz- und Kreislauf. Der Mensch merkt das, denn das Herz wummert, der Kreislauf schwächelt, und man schwitzt.

Um die 37 Grad Körpertemperatur stabil zu halten, schaltet der Körper seine Klimaanlage ein. Dafür weitet er die Blutgefäße in Armen und Beinen und gibt durch die bessere Durchblutung mehr Wärme ab. Gleichzeitig bekommen die zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen das Signal, Sekret abzusondern. Der Schweiß verdunstet auf der Haut und sorgt für Abkühlung. Besser ist es aber, möglichst erst gar nicht zu überhitzen. Wer Räume und Körper so kühl wie möglich hält, kommt angenehmer durch den Sommer.

Wohnung und Büro richtig lüften

Wer im Sommer falsch lüftet, heizt seine Wohnung schnell auf 27 Grad und mehr auf. Die Hitze wieder aus dem Raum zu bekommen ist dann schwer. Deshalb gilt: immer nur dann Fenster aufreißen und durchlüften, wenn es draußen kühler ist als drinnen. Das ist in den kühlen Morgenstunden und spätabends der Fall. Tagsüber die Fenster möglichst wenig öffnen, so kommt keine warme Luft herein. Dringend abzuraten ist daher auch von ständig gekippten Fenstern. Zwar sorgt der Durchzug für eine angenehme Kühle auf der Haut, doch dafür strömt warme Luft nach drinnen. Die bessere Lösung ist ein Tisch-, Decken- oder Raumventilator, der erzeugt auch einen kühlenden Luftzug.

Die Raumtemperatur tatsächlich senken kann nur eine Klimaanlage. Anschaffungskosten und Strombedarf sind jedoch erheblich. Zumal es auch konventionell geht, denn großen Einfluss auf die Raumtemperatur tagsüber hat der Sonnenschutz. Am effektivsten sind Jalousien vor den Fenstern, sie blocken die Sonnenstrahlen bereits draußen ab. Ist keine Außenverschattung vorhanden, können weiße Plissees oder Vorhänge innen am Fenster die Sonnenstrahlen nur noch reflektieren, die Wärme ist aber zum Großteil schon im Raum.

Wenn Sie ins Büro müssen, gehen Sie an heißen Tagen zehn Minuten früher los und lüften den Raum gut durch – oder bitten Sie den Hausmeister, das zu tun. Tagsüber dann die Fenster möglichst geschlossen und abgeschattet lassen. Ein Tischventilator kühlt die Haut. Nicht oder nur selten benötigte Geräte wie Drucker, Kopierer oder Beleuchtung ausschalten. Pflanzen sorgen für ein angenehmeres Raumklima, da sie Flüssigkeit verdunsten.

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Kleidung: locker und luftig

Körperbetonte Kleidung ist cool, tatsächlich klebt sie aber bei Hitze regelrecht an der Haut. Locker sitzende Kleidung aus einem leichten, hellen Leinen-, Seide- oder dünnen Baumwollstoff ist die bessere und für die Haut angenehmere Wahl. Die Luft kann darunter zirkulieren, die Sonnenstrahlung wird reflektiert, und der Baumwollstoff nimmt Schweiß auf. Weiß man, dass man schnell und viel schwitzt, sollte man an besonders heißen Tagen Wechselwäsche mit ins Büro nehmen, das erspart unangenehme Blicke. Wer trotz der Hitze Sport treibt, sollte auf locker anliegende und atmungsaktive Kleidung achten.

Haut und Körper kühl halten

Eiskalt Duschen nützt nur kurze Zeit, denn der Körper versucht, den Temperaturunterschied auszugleichen, und der Mensch schwitzt noch mehr. Besser ist morgens und abends lauwarmes Duschen. Beim Abtrocknen nicht trockenrubbeln, sondern nur abtupfen, dann kühlt das verdunstende Wasser den Körper. Im Büro lässt sich die Haut mit ein paar kleinen Tricks kühlen: ab und zu kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen und nur leicht abtupfen, Gleiches mit einem Wachlappen auf der Stirn, Wangen, Schläfen und Nacken. Allerdings darauf achten, dass Sie sich anschließend nicht in einen Windzug setzen, sonst drohen Sommerschnupfen oder Muskelverspannungen.

Langfristiger kühlen in Wasser getränkte oder ins Eisfach gelegte Lappen, die man sich um die Hände oder Unterarme wickelt. Linderung bringt auch kühles Wasser aus einer Sprühflasche, mit dem man sich die Arme einsprüht. Ein paar Minzeblätter mit hineingelegt, das erfrischt und duftet gut zugleich.

Trinken: viel und lauwarm

Schwitzen kostet den Körper viel Flüssigkeit. Bei heißem Wetter daher über den Tag verteilt mindesten 2,5 Liter trinken, um den Wasser- und Mineralstoffhaushalt wieder aufzufüllen. Sonst drohen Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Angenehm temperiertes Wasser mit ein paar Spritzern Zitrone, gespritzter Fruchtsaft oder ungesüßter, abgekühlter Kräutertee mit erfrischender Pfefferminze löschen den Durst am besten. Verzichten sollte man bei Hitze auf Alkohol, er entzieht dem Körper zusätzlich Flüssigkeit. Wer Sport treibt, sollte zusätzliche Flüssigkeit einplanen, ab 30 Grad verliert der Körper besonders viel durch Schwitzen.

Essen: leichte Kost bevorzugt

Heiße Tage belasten den Kreislauf ohnehin schon mehr. Schwer Verdauliches mit viel Fett sollte man daher vermeiden. Auch Heißes oder Scharfes treibt den Schweiß aus den Poren. Verträglicher ist leichte Kost wie Wassermelone, Smoothies, Milchprodukte wie Topfen mit Obst, Salat mit Gurken oder Tomaten, die gleichzeitig dem Körper Flüssigkeit und Mineralstoffe nachliefern. Dazu kann man dann ruhig eine kleinere Portion Nudeln, Reis oder Kartoffeln servieren. Etwas Salz füllt die durchs Schwitzen verlorenen Minerale wieder nach.

Ruhig, nicht zu hektisch

Südeuropäer machen es vor: bei Hitze morgens früher mit der Arbeit beginnen, dann ist es noch recht kühl und man arbeitet effektiver. Mittags lässt die Leistung durch die Hitze sowieso stark nach. Dann wäre eine längere Mittagspause hilfreich, wenn das der Büroalltag zulässt. Dann kann man auch mal die Beine hochlegen: Das entlastet die Gefäße, sodass die bei der Hitze nicht anschwellen oder Wasser einlagern. Wer auf Sport nicht verzichten will, sollte möglichst die kühlen Morgen- oder lauen Abendstunden nutzen, auch wegen des Ozons.

Schlafen: lüften und kühlen

Duschen Sie sich vor dem Zubettgehen lauwarm ab oder nehmen Sie ein lauwarmes Vollbad mit Kamille, Lavendel oder Baldrian, das beruhigt. Lüften Sie den Schlafraum zudem gut durch und ziehen nur leichte Schlafkleidung an. Wenn Sie eine Klimaanlage verwenden, kühlen Sie damit den Raum vor dem Zubettgehen ab und schalten Sie sie in der Nacht ab. Bei Verwendung eines Ventilators mit einem leichten Laken aus Baumwolle zudecken, um sich nicht zu verkühlen. In Nächten hilft es auch, Eiswasser in eine Wärmeflasche zu füllen und sie mit ins Bett zu nehmen, um Arme und Beine damit zu kühlen. Auch ein feuchtes Taschentuch auf der Stirn bringt Linderung.

Wenn nichts hilft: Was tun gegen das Schwitzen?

Manche Menschen schwitzen genetisch bedingt mehr als andere. Hände und Gesicht sind ständig feucht, die Kleidung sofort durchnässt. Wer darunter im Alltag zunehmend leidet, sollte rechtzeitig ärztliche Hilfe suchen, bevor man sich deswegen zu Hause verkriecht. Dort wird untersucht, ob das starke Schwitzen von einer Erkrankung oder Medikamenten herrührt. Ist das nicht der Fall, können gezielte Änderungen im Lebensstil etwas bewirken, es gibt auch Medikamente, oder als letztes Mittel kann Botox die Schweißdrüsen lähmen – und sie können sogar in einem operativen Eingriff entfernt werden.

Kühl im Auto

Eine Alumatte oder Pappe auf der Frontscheibe lässt weniger Hitze ins Autoinnere. Lüften Sie vor der Abfahrt das Auto mit offenen Türen durch, oder fahren Sie die ersten hundert Meter mit geöffneten Scheiben, um die warme Luft rauszulassen. Danach Fenster wieder schließen, sonst drohen Ohrenentzündung oder Erkältung durch den Luftzug. Bei längeren Fahrten kann die Klimaanlage auf eine angenehme Temperatur von etwa 21 Grad eingestellt werden. Das senkt auch die Feuchtigkeit im Auto. Fahren Sie in den frühen Morgenstunden in den Urlaub, zwischen 12 und 15 Uhr ist es am heißesten.

An See und Strand

Im Freien ist es schwer, sich der Hitze zu entziehen. Hier helfen nur der Aufenthalt im Schatten, luftige Kleidung, ein Hut und regelmäßiges Abkühlen durch Dusche, ins Wasser zu gehen oder Einsprühen mit kühlem Wasser. Wenn Sie Urlaub in einem heißen Land machen, gewöhnen Sie den Körper die ersten drei Tage im Schatten beim Nichtstun, bevor Sie anstrengendere Urlaubsaktivitäten unternehmen. (Andreas Grote, 20.7.2022)