Fraser-Pryce wurde als erste Leichtathletin zum fünften Mal Weltmeisterin in ein und derselben Disziplin.

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Was Gott plant, wird passieren. Wir müssen einfach an uns arbeiten, dann sehen wir, wie der Baum blüht." Shelley-Ann Fraser-Pryce glaubt den ersten Teil ihres Mottos, beherzigt den zweiten und schwelgt in einem Meer von Blüten.

Am Sonntag wurde die Jamaikanerin in Eugene, Oregon, als erste Leichtathletin zum fünften Mal Weltmeisterin in ein und derselben Disziplin, den 100 Metern. The Pocket Rocket, wie die nur 1,52 Meter große Sprinterin genannt wird, lief mit ihren 35 Jahren zudem in 10,67 Sekunden so schnell wie noch keine zu Gold und wurde damit zumindest einen Schatten über ihrer Karriere los.

Bei 10,70 stand bisher der WM-Rekord, aufgestellt 1999 von der US-Sprinterin Marion Jones, die später jahrelanges Doping eingestanden hat. Der Weltrekord wird für Rekordweltmeisterin Fraser-Pryce dagegen außer Reichweite bleiben. Er steht seit 34 Jahren bei 10,49 Sekunden, aufgestellt durch Florence Griffith-Joyner. Die Kalifornierin starb zehn Jahre nach ihrem Traumsprint von Indianapolis mit nur 38 Jahren und nahm die ganze Wahrheit über ihre Schnelligkeit mit ins Grab.

Positiver Test, negative Schlagzeilen

Freilich hat auch Fraser-Pryce, die mit 10,60 aktuell hinter ihrer Landsfrau Elaine Thompson-Herah (10,54) zweitschnellste Aktive ist, ihre Dopinggeschichte. Im Mai 2010 lieferte sie einen positiven Test auf das verbotene Schmerzmittel Oxycodon ab. Die Jamaikanerin konnte den Einsatz des Medikaments wegen Zahnschmerzen so weit glaubhaft machen, dass es der Weltverband IAAF bei einer sechsmonatigen Wettkampfsperre bewenden ließ.

Die Fans waren ohnehin dazu geneigt, der Frohnatur aus Kingston nichts nachzutragen. Ihre Mutter hatte als alleinerziehende Straßenhändlerin Shelley-Ann und deren zwei Brüder aufzuziehen. Das Mädchen soll schon barfüßig in der Volksschule stets die Flotteste gewesen sein. Später wurde sie wegen ihrer regelmäßig wechselnden Haarfarbe die Auffälligste unter den Flottesten.

Die dreimalige Olympiasiegerin und zehnfache Weltmeisterin betreibt mit ihrem Ehemann Jason die Firma Chic Hair Ja, die mit Echthaar-Extensions und dazu passenden Pflegeprodukten handelt. Schwerer waren die Familienplanung und das Laufgeschäft unter einen Hut zu bringen. Nach der Geburt von Sohn Zyon per Kaiserschnitt im Sommer 2017 hatte die tiefgläubige Christin verbissen ums Comeback und neue Blüten zu kämpfen. (Sigi Lützow, 18.7.2022)