"Du bist der Oberkommandierende. Du hast einen Sturmangriff auf das Kapitol der Vereinigten Staaten von Amerika laufen – und da ist nichts? Kein Anruf? Nichts? Null?"

General Mark A. Milley, als Vorsitzender der Vereinten Stabschefs der US-Streitkräfte der höchste Militär des Landes, gab vor dem Kongress-Untersuchungsausschuss zum 6. Jänner 2021 seine Fassungslosigkeit angesichts des Verhaltens von US-Präsident Donald Trump an diesem Tag zu Protokoll.

General Mark A. Milley gab vor dem Kongress-Untersuchungsausschuss zum 6. Jänner 2021 seine Fassungslosigkeit zu Protokoll.
Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Anna Moneym

Diese letzte Sitzung des Ausschusses vor der Sommerpause geriet zu einer neuerlichen Dokumentation, wie Donald Trump einen Putschversuch laufen ließ. Einen Putsch, den er vorher schon mit Brandrhetorik an seine rechtsextremen Anhänger angeheizt hatte. Er hoffte ganz offensichtlich, dass sich unter dem Druck des Mobs seine Wahlniederlage irgendwie umdrehen ließe. Konkret, indem der Kongress daran gehindert wird, das Wahlergebnis zu ratifizieren.

Viele blicken mit Furcht und Abscheu auf die Despotie nach asiatischem Muster, die ein Wladimir Putin in Russland errichtet hat. Man darf darüber nicht vergessen, dass der demokratisch abgewählte Präsident der Demokratie USA versuchte, mit einem Putsch an der Macht zu bleiben. Es ist danebengegangen, nicht einmal allzu knapp. Die demokratischen Institutionen der USA hielten. Aber dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist beunruhigend. (Hans Rauscher, 24.7.2022)