Flixbus, das den deutschen Fernbusmarkt mit einem Anteil von 95 Prozent beherrscht, spricht von Einbußen im zweistelligen Prozentbereich.

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Berlin – Das Neun-Euro-Ticket kostet einer Umfrage des deutschen Busverbandes BDO zufolge sowohl Fern- als auch Reisebussen viele Passagiere. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage hätten im Juni ein Minus bei Fahrgästen festgestellt, teilte der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) am Wochenende mit. Mehr als zwei Drittel hätten Verluste von über 60 Prozent ausgemacht. Bei den Seniorinnen und Senioren, der Hauptzielgruppe der Bustouristik, sprangen sogar 67 Prozent ab.

Flixbus: Einbußen im zweistelligen Prozentbereich

Flixbus, das den deutschen Fernbusmarkt mit einem Anteil von 95 Prozent beherrscht, hatte von Einbußen im zweistelligen Prozentbereich gesprochen. Das Neun-Euro-Ticket gilt für den öffentlichen Personennahverkehr und Regionalbahnen und kann bundesweit eingesetzt werden. Es ist somit gerade für Studentinnen oder Rentner eine Alternative im Fernverkehr. Er gilt als Erfolg, da schon über 30 Millionen Tickets verkauft wurden. Die Debatte über eine Fortsetzung über September hinaus ist daher entbrannt.

Der BDO lobt zwar, dass die Nutzerzahlen im Nahverkehr durch das Ticket gestiegen seien. Das Ticket verzerre aber den Wettbewerb mit der Bahn. Der Verband schlug vor, den reduzierten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent künftig bei Bahn und auch Bussen einheitlich anzuwenden.

Sonderaktion läuft noch bis September

Das Neun-Euro-Ticket war als Entlastung wegen der hohen Energiepreise eingeführt worden und soll bis September laufen. Die Einnahmeverluste von 2,5 Milliarden Euro gleicht der Bund aus. Der Verband der Verkehrsunternehmen hatte vorgeschlagen, das Ticket danach für 69 Euro ebenfalls bundesweit fortzusetzen. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) will zunächst gemeinsam mit den Bundesländern die Erfahrungen mit dem Ticket auswerten. Vorläufige Analysen haben gezeigt, dass das Ticket Autofahrerinnen und Autofahrer nur begrenzt in Busse und Bahnen lockt. Nur um die drei Prozent seien wohl umgestiegen.

Grünen-Chefin Ricarda Lang machte sich auf Twitter für eine Anschlussregelung stark. Zur Finanzierung sei man selbstverständlich bereit über den Abbau umweltschädlicher Subventionen zu sprechen.

Sie reagierte damit auf Äußerungen von Finanzminister Christian Lindner (FDP), der angesichts der Schulden Deutschlands eine Fortsetzung des Neun-Euro-Tickets abgelehnt hatte. (Reuters, red, 24.7.2022)