Gegen Inflationsraten von bis zu neun Prozent haben Anleger wenig Handhabe – auch wenn sie gut investieren.

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Die Preise klettern unaufhörlich nach oben, das Leben wird teurer, und noch ist trotz Zinserhöhungen kein Ende der Inflation in Sicht. Während sich die einen fragen, wie sie sich ihr Leben überhaupt noch leisten sollen, bangen andere um ihre Erspartes. Denn mit Teuerungsraten von fast neun Prozent wird ihr Geld auf dem Konto laufend weniger wert. Was also tun, damit es die Inflation nicht allmählich ganz wegschmilzt?

Sparbuch: Die aktuell denkbar schlechteste Variante

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Wer sein Geld auf dem Sparbuch oder Konto lässt, verliert laufend an Kaufkraft. Das liegt daran, dass die Inflation in Österreich zuletzt auf 8,7 Prozent kletterte, die Sparzinsen aber bei null blieben. Die aktuelle Zinserhöhung der EZB wird vorerst wenig ändern, denn auch mit Sparzinsen von 0,5 Prozent oder selbst einem Prozent für längere Laufzeiten wird die Inflation bei weitem nicht ausgeglichen. Dennoch ist das Sparbuch die beliebteste Anlageform der Österreicher. In Summe haben Privathaushalte knapp 300 Milliarden Euro auf Konten und Sparbüchern gebunkert.

Zumindest sollte aber ein Notgroschen auf dem Sparbuch liegen. Diese eiserne Reserve in der Höhe von zwei bis drei Nettogehältern soll dafür sorgen, dass kurzfristiger Geldbedarf – sei es für die Reparatur des Autos oder für den Fall, dass die Waschmaschine streikt – nicht in eine finanzielle Notlage führt. Wer darüber hinaus Geld hat, das er oder sie für längere Zeit nicht braucht, sollte dagegen überlegen zu investieren.

Immerhin ist das Geld auf dem Sparbuch aber gesichert – bis zu einem gewissen Grad. Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person und pro Institut sind durch die gesetzliche Einlagensicherung gedeckt. Der Oberste Gerichtshof hat zudem festgehalten, dass es im Privatbereich keine Negativzinsen geben darf. Das heißt, bei null ist Schluss. Im schlimmsten Fall bekommt man also keine Zinsen – bezahlt aber die Kosten für die Kontoführung. Auch das ist im Nullzinsumfeld ein Punkt, der nicht ausgeglichen wird.

Immobilien: Eigentümer sind klar im Vorteil

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Bei Immobilien gibt es zwei Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt. Wer schon eine Immobilie hat, diese selbst benützt und die Finanzierung mit einem Fixzins vereinbart hat, ist aktuell besonders gut aufgestellt. Das liegt daran, dass die Kredithöhe gleich bleibt – unabhängig von der Inflations- und Zinshöhe. Damit müssen jene, die einen Kredit haben und keine Miete bezahlen müssen, nicht mit höheren Kosten rechnen. "Auch von steigenden Zinsen ist diese Gruppe nicht betroffen", erklärt Markus Kaller, Wertpapierexperte der Erste Group.

Anders ist das bei jenen Immobilieneigentümern, die einen variabel verzinsten Kredit aufgenommen haben. Sie müssen durch die Leitzinserhöhung der EZB mit einem Aufschlag rechnen. Doch die Kreditkosten hängen nicht nur vom Leitzins ab. Auch die Bonität der Kunden und der Risikoaufschlag der Bank sind Teil der Kosten.

Wer eine Immobilie hat und diese vermietet, kann dem Mieter gestiegene Kosten aufschlagen und sich damit die Inflation abgelten lassen. "Daher spricht man bei Immobilien davon, dass diese ein guter Schutz vor der Inflation sind", fasst Kaller zusammen.

Die Preise für Wohnimmobilien sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen – die Nachfrage ist dennoch hoch. Auch das ist ein (Inflations)Vorteil für Besitzer. Ihr Geld ist bereits veranlagt, und wenn die Immobilie verkauft wird, erfolgt das mit einer guten Rendite. Ab August werden die Regeln für die Kreditvergabe aber angepasst. Dann müssen mehr Eigenmittel aufgebracht werden.

Gold: Eine Absicherung, die glänzt

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Gold gilt nach wie vor als der ultimative Schutz vor Inflation. Wann immer die Zeiten unsicher sind, steigt der Goldpreis, weil Gold dann verstärkt gekauft wird. In vielen Phasen der Geschichte hat das Edelmetall gezeigt, dass es seinen Wert nicht verliert. Es konnte immer auch gegen Waren getauscht werden.

Aufpassen sollte man aber trotzdem. "Der Goldpreis unterliegt Schwankungen", sagt Erste-Group-Experte Kaller. Und zwar auch in unsicheren Zeiten. Aktuell habe der Goldpreis die Inflation nicht ganz mitgemacht, erklärt Kaller. Der Anstieg der Preise war also höher als jener beim Gold. Wer 2008 im Zuge der Finanzkrise Gold kaufte, musste mehr als 2000 Dollar für eine Feinunze (31,10 Gramm) bezahlen – aktuell notiert Gold bei rund 1720 Dollar. Wer damals gekauft hat, ist vom Einstiegskurs also noch weit entfernt.

Beim Gold kommt auch die Währungskomponente hinzu. Gold in Euro hat sich aufgrund der Währungsentwicklung zuletzt besser entwickelt als Gold in Dollar.

Zudem sollte Gold – egal ob man Barren oder Münzen kauft – sicher gelagert werden. Anlegerinnen und Anleger müssen daher auch die Kosten für einen Safe zu Hause oder für ein Schließfach in der Bank berücksichtigen.

Gold hat den Vorteil, dass Anleger es in kleineren und größeren Einheiten kaufen können. Damit lässt es sich auch leichter und schneller verkaufen als etwa eine Immobilie. "In einem Portfoliomix sollte Gold nicht fehlen", sagt Kaller. Wer Gold nicht physisch will, kann Sparpläne andenken.

Aktien: Schutz zum Teil, aber nur auf Dauer

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Breit streuen und lange halten, so lautet das geläufige Credo bei Aktieninvestments. In Zeiten hoher Inflation gilt das umso mehr, denn gegen Teuerungsraten von bis zu acht Prozent kommen Anlegerinnen und Anleger zumindest kurzfristig nicht an. Historisch gesehen bieten Aktien aber sehr wohl Schutz vor Inflation – wenn auch nicht in jeder Periode und zu jedem Zeitpunkt, erklärt Erich Stadlberger, Leiter des Private Bankings bei der Oberbank.

Temporär verbuche man dieses Jahr sicher ein Minus. Langfristig, also in rund zehn Jahren, können Anleger jedoch durchaus mit Renditen von sechs oder sieben Prozent rechnen. "Viele finden, dass das ein langer Zeitraum ist. Mit der Laufzeit eines Bausparvertrages hat aber niemand ein Problem", sagt Stadlberger. Bei Investments in Aktien müsse man sich Zeit nehmen und mit kurzfristigen Schwankungen leben. "Das erfordert manchmal emotionales Durchhaltevermögen."

Wichtig sei es jedenfalls, breit zu streuen – nicht nur in verschiedene Branchen, sondern auch in unterschiedliche Weltregionen. Wer sich die Arbeit sparen will, kann sich Anteile an einem Aktienfonds kaufen. Aber sollten Sparer in Zeiten, in denen Ökonominnen und Ökonomen vor einer möglichen Rezession warnen, nicht lieber zuwarten? "Das perfekte Timing ist ein Ding der Unmöglichkeit", sagt Stadlberger. "Wir glauben, dass vor allem in Europa schon einiges eingepreist ist." Wer sehr langfristig investiere, könne daher auch jetzt in den Markt einsteigen.

Anleihen: Bei höheren Zinsen wieder attraktiv

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Wer gut essen will, kauft Aktien. Wer gut schlafen will, investiert in Anleihen. So formulierte es der 1999 verstorbene ungarische Börsenexperte André Kostolany. Anleihen – also Kredite an Staaten oder Unternehmen, die in Form eines Wertpapiers weiterverkauft werden können – waren bei Anlegerinnen und Anlegern zuletzt aber eher unbeliebt. Der Grund: Da die Notenbanken die Leitzinsen jahrelang niedrig hielten, blieb auch die Zinsausbeute bei Anleihen gering. Jetzt wird die Anlageform jedoch wieder attraktiver.

"Die Zinsen am Kapitalmarkt sind aufgrund der Erhöhungen der Leitzinse deutlich gestiegen und wieder interessant", erklärt Stadlberger von der Oberbank. Bei guten Unternehmensanleihen bekomme man im Schnitt wieder drei bis vier Prozent Zinsen. Dafür müsse man sich für fünf bis sieben Jahre binden. Kurzfristig können Anleihen die hohe Inflation also nicht wettmachen, aber zumindest abmildern. "Das ist die Schmerztablette", sagt Stadlberger. Sie löse das Problem nicht komplett, lindere jedoch den Schmerz mit kalkulierbaren Nebenwirkungen.

Zwar ist insgesamt eine geringere Rendite zu erwarten als bei Aktien, Investments in Anleihen haben allerdings einen zentralen Vorteil: Die Wertpapiere unterliegen zwar Kursschwankungen, nach Ende der Laufzeit bekommen Anleger aber den ursprünglichen Betrag inklusive Zinsen zurück. Um Risiken zu minimieren, ist laut Stadlberger auch bei Unternehmensanleihen eine breite Streuung wichtig. (Bettina Pfluger, Jakob Pflügl, 27.7.2022)