Mit 9,1 Prozent ist die US-Inflation auf dem höchsten Stand seit 1981.

Foto: imago images / penofoto / Petra Nowack

Washington – Die US-Wirtschaft hat ihre Talfahrt überraschend im Frühjahr fortgesetzt und ist damit in eine Rezession abgerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent zurück, wie das Handelsministerium am Donnerstag auf Basis einer ersten Schätzung mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten hingegen mit einem Wachstum um 0,5 Prozent gerechnet. Im ersten Jahresviertel war die Wirtschaftsleistung bereits um 1,6 Prozent gesunken. Die Wirtschaft ist damit in eine sogenannte technische Rezession abgerutscht – also zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge.

Erst am Mittwoch hatte der Präsident der Zentralbank Fed, Jerome Powell, gesagt, er glaube nicht, dass sich die USA in einer Rezession befänden. Dafür würden sich zu viele Wirtschaftszweige gut entwickeln. US-Präsident Joe Biden zeigte sich über die Entwicklung angesichts der Zinsschritte der Fed nicht überrascht: "Wir sind auf dem richtigen Weg und werden aus dieser schwierigen Übergangsphase stärker und sicherer hervorgehen."

Inflation auf 9,1 Prozent

Die US-Inflation ist inzwischen auf 9,1 Prozent nach oben geschossen, den höchsten Wert seit Ende 1981. Die gestiegenen Kosten für Energie, Lebensmittel und Wohnen drücken auf die Geldbörsen vieler US-Bürger und schmälern ihre Kaufkraft. Wegen der anhaltend hohen Inflation hob die US-Notenbank Fed deshalb am Mittwoch den Leitzins in einem erneut kräftigen Schritt um 0,75 Prozentpunkte auf nunmehr 2,25 bis 2,50 Prozent an. Manche Experten befürchten mittlerweile, dass die Fed mit diesen großen Schritten zu stark auf die Zinsbremse treten und damit die Konjunktur abwürgen könnte.

Arbeitsmarkt nicht so stark wie erwartet

Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich in der vergangenen Woche schwächer entwickelt als erwartet. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel zwar um 5.000 auf 256.000, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt allerdings nur mit 250.000 Anträgen gerechnet. Zudem wurde der Vorwochenwert von 251.000 auf 261.000 nach oben revidiert.

Die Erstanträge sind ein kurzfristiger Indikator für die Entwicklung des Jobmarkts in der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Lage auf dem Stellenmarkt gilt aber als vergleichsweise robust, worauf auch das seit längerer Zeit niedrige Niveau der Hilfsanträge hindeutet. Die US-Notenbank Fed orientiert sich bei ihrer Geldpolitik auch an der Lage auf dem Arbeitsmarkt. (Reuters, miwi, 28.7.2022)