Der "Händler des Todes" als mögliches Tauschobjekt: Wiktor Anatoljewitsch But alias "Viktor Bout".

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Weltweit kursieren etwa 550 Millionen Schusswaffen. Jeder zwölfte Erdenbewohner verfügt also über eine. Bleibt die Frage, wie man die restlichen elf, die leer ausgehen, beliefern kann!" In der ersten Szene des Films Lord of War erläutert Nicolas Cage, der im Film den "Händler des Todes" namens Yuri Orlov verkörpert, sein diabolisches Geschäftskonzept, bevor man den Flug einer Patrone von der Fertigung bis in den Kopf eines Kindersoldaten verfolgen kann. Yuri Orlov hatte in dem 2005 erschienenen Film ein reales Vorbild: den Russen Viktor Bout – den echten "Händler des Todes".

Bouts "Unternehmen" lieferte nach Ende des Kalten Krieges weltweit Waffen und militärisches Gerät an Konfliktparteien diverser Bürgerkriege, betrieb Geldwäsche, Drogenhandel und Diamantenschmuggel. Unter seine Kunden reihten sich Al-Kaida, die Taliban, die Farc und etliche Regierungen. Lange jagten ihn diverse Geheimdienste vergeblich, bis er 2008 in Bangkok verhaftet und an die USA ausgeliefert wurde.

Gefangenenaustausch im Gespräch

Seine 25-jährige Haftstrafe verbüßt er in New York. Zur Freude von Frau und Tochter vielleicht nicht mehr lange, denn gerüchtehalber soll er im Austausch mit der in Russland inhaftierten US-Basketballerin Brittney Griner und Paul Whelan, einem US-Amerikaner, der wegen Spionage in Haft sitzt, freikommen. Der Kreml fordert seit langem seine Freilassung und bezeichnete seine Verurteilung als "voreingenommen".

Der 1967 in Tadschikistan als Wiktor Anatoljewitsch But geborene Sohn russischer Einwanderer kann jedenfalls auf eine filmreife Laufbahn verweisen. Der sprachbegabte Bout besuchte als Jugendlicher das sowjetische Militärinstitut für Fremdsprachen, die Militärakademie und machte später einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Mit nur 25 Jahren gründete er eine Transportfirma und machte sie zu einem weltweit agierenden Unternehmen. Dabei waren Bouts Flugzeuge nicht nur mit Illegalem beladen. Er transportierte auch UN-Blauhelme nach Somalia, arbeitete für Großbritannien und die USA. 2004 versuchte die Regierung von George W. Bush sogar vergeblich, die von der Uno wegen Bouts Rolle im liberianischen Bürgerkrieg verhängten Sanktionen aufheben zu lassen.

Ihm nachgesagte Verbindungen zum sowjetischen Geheimdienst KGB bestreitet Bout bis heute konsequent – wie auch jegliche Beteiligung an Waffengeschäften. (Manuela Honsig-Erlenburg, 28.7.2022)