Hessenthaler befindet sich seit 10. Dezember 2020 in der Justizanstalt St. Pölten in Untersuchungshaft.

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Wien – Die Staatsanwaltschaft Wien hat ein weiteres Drogenverfahren gegen Julian Hessenthaler, dem mutmaßlichen Drahtzieher des Ibiza-Videos, eingestellt. Hessenthaler war bereits unter anderem wegen Suchtgiftdelikten Ende März nicht rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Verfahren wegen des Ibiza-Videos selbst wurde ebenfalls von der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Im ersten Verfahren wurde Hessenthaler wegen Kokainhandels sowie wegen Annahme, Weitergabe oder Besitzes falscher oder gefälschter besonders geschützter Urkunden und Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Danach war eine weitere anonyme Anzeige bei den Behörden eingelangt. Die Einstellung erfolgte nun, "weil kein tatsächlicher Grund zur weiteren Verfolgung besteht", heißt es in einer Mitteilung der Behörden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber der APAdie Einstellung.

"Große Zuversicht"

"Bezeichnenderweise war nunmehr auch jenes Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft Wien einzustellen, das den Vorwurf des Suchtgifthandels (...) betrifft", teilten Hessenthalers Anwälte Oliver Scherbaum und Wolfgang Auer in einer Aussendung mit. In jener Anzeige werde Hessenthaler "neuerlich unwahr und schlichtweg konstruiert" vorgeworfen, von 2016 bis 2018 Suchtgift an verschiedene Personen überlassen zu haben.

Die in der Anzeige angeführten Zeugen hätten diesen Vorwurf dann aber nicht erhärtet, betonen die Juristen. So mancher Zeuge habe angegeben, Hessenthaler gar nicht zu kennen.

Hessenthaler befindet sich seit 10. Dezember 2020 in der Justizanstalt St. Pölten in Untersuchungshaft. Laut seinen Verteidigern würde ihn das wegen der langen Haftzeit "in hohem Ausmaß" belasten. Trotz allem sehe Hessenthaler dem Rechtsmittelverfahren mit "großer Zuversicht" entgegen. Auch weil er dem Obersten Gerichtshof "großes Vertrauen in eine unpolitische Entscheidungsfindung entgegenbringt", heißt es in der Aussendung.

Hessenthaler hatte das Video produziert, das den ehemaligen FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in einer Villa auf Ibiza im Gespräch mit einer angeblichen Oligarchennichte zeigt. Nach Veröffentlichung der Aufnahmen im Mai 2019 verloren nicht nur Strache und Gudenus ihre Ämter, sondern es kam auch zum Bruch der türkis-blauen Koalition. Eine Neuwahl war die Folge. (APA, red, 11.8.2022)