Aus Wien sollte es im kommenden Jahr endlich Daten über An-, Auf- und Umbauten geben.

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Genau 2490 Altbauten mit einem Baujahr vor 1919 gab es 2015 in Innsbruck. Im Jahr 2021 waren es aber plötzlich um vier mehr. Wundersame Altbau-Vermehrung? Nein, statistische Ungenauigkeiten, die mancherorts nach und nach bereinigt werden.

Doch beginnen wir von vorne: Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es in Österreich das Gebäude- und Wohnungsregister (GWR). 2004 war jedenfalls die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen worden, danach begann die Fütterung mit Daten aufseiten der Statistik Austria, wo das Register auch heute noch geführt wird.

Ganz zu Beginn griff man dafür auf "statistische Erhebungen" wie die Gebäude- und Wohnungszählung 2001 zurück. Doch die waren, wie sich im Lauf der Zeit immer mehr herausstellt, alles andere als akkurat. "Dieser Altbestand war und ist ein Problem", sagt Sonja Steffek von der Direktion Raumwirtschaft in der Statistik Austria dem STANDARD.

Doppelbelastung

Bei seinem Start 2004 sei das GWR als statistisches Register konzipiert worden. "Städte und Gemeinden wurden verpflichtet, die Daten im Rahmen der Baubewilligungen in das GWR einzumelden, mussten jedoch für ihre Verwaltung die Daten parallel dazu in eigenen Registern führen." Die Folge dieser Doppelbelastung sei dann unter anderem in der mangelnden Befüllung des GWR ersichtlich worden. Erst mit einer Novelle im Jahr 2009 wurde den Gemeinden ermöglicht, die Daten auch selbst zu nutzen; "dadurch hat sich die Qualität deutlich verbessert".

Dennoch ist sie alles andere als perfekt. "Äußert heterogen", nennt Steffek die Datenqualität, "sowohl im Hinblick auf deren Vollzähligkeit als auch auf deren Vollständigkeit." Vieles würde immer noch in der damals erhobenen Qualität vorliegen, sofern noch keine Nachbearbeitungen vorgenommen wurden.

Genau das hat man sich aber 2019 in Innsbruck im großen Stil vorgenommen. Dort arbeitet Manfred Hirsch, Referatsleiter für das GWR in der Abteilung Bau- und Feuerpolizei, seither mit einem kleinen Team an der "Korrektur" der Datensätze über alle rund 78.000 Wohneinheiten in der Tiroler Landeshauptstadt. Und dabei geht man systematisch vor. Unter anderem wird, sobald eine Neu- oder Ummeldung vorgenommen wird, das betreffende Wohnhaus auf die richtige Erfassung kontrolliert. Das heißt, die Daten aus dem Melderegister werden mit dem Grundbuch und eben auch mit dem GWR abgeglichen. "Wir matchen aber auch baurechtlich bewilligte Pläne mit dem Ist-Zustand und schauen uns an, ob es Nutzungsänderungen gab, die im Grundbuch gar nicht eingetragen wurden", erklärt Hirsch dem STANDARD.

Überraschungen zuhauf

Nicht selten erlebe man dabei Überraschungen. "Eine im Grundbuch als eigene Einheit eingetragene Wohneinheit ist oft baurechtlich betrachtet gar keine." Ist das der Fall, muss das bereinigt werden, und dafür tritt man dann auch mit den Eigentümern in Kontakt und verlangt eine Bereinigung oder eine Nutzungsänderung. "Das wäre für Eigentümer eigentlich verpflichtend durchzuführen", sagt Hirsch. Doch manchmal würden Menschen auch unwissentlich ein Objekt kaufen, von dem sie dachten, es wäre eine Wohnung – und später stellt es sich doch als gewidmete Lager- oder Gewerbefläche heraus. Solche Dinge entdecke man wöchentlich.

Noch viel häufiger kommen Hirsch und seinem vierköpfigen Team aber Nebenwohnsitze unter, die es gar nicht mehr gibt. "Vor allem von Studierenden werden Nebenwohnsitze meist nicht abgemeldet", weiß Hirsch, dem in einem einzigen Haus schon einmal 27 nicht mehr aktive Wohnsitze unterkamen.

40 Prozent des Innsbrucker Wohnungsbestands hat man mittlerweile "korrigiert", sagt Hirsch nicht ohne Stolz. Zwei ganze Stadtteile hat man schon vollständig erfasst. Und ein sehr erwünschter Nebeneffekt des "detektivischen" Aufwands ist die quantitative und qualitative Erhebung des Leerstands. Da errechnete man per 1. Juli eine Quote von 8,6 Prozent im bis dahin "korrigierten" Bestand (2225 der 26.004 Wohnungen, die zu diesem Zeitpunkt schon sechs Monate lang im Monitoring waren) – das heißt, dort gab es weder Haupt- noch Nebenwohnsitzmeldung. Jedes halbe Jahr will man dieses Monitoring nun durchführen. Bürgermeister Georg Willi (Grüne) sieht darin auch eine wichtige Vorarbeit für die Umsetzung der vom Land Tirol beschlossenen Leerstandsabgabe.

Personalmangel

Eine solche wird bald auch in der Steiermark eingehoben werden können. Im Magistrat der Stadt Graz wird bei neuen Meldeanträgen ebenfalls mit dem GWR abgeglichen, aber ganz so akribisch wie in Innsbruck ist man dort nicht unterwegs. Dafür fehlt wohl auch das Personal, im größeren Graz sind nur dreieinhalb Personen mit dem Datenabgleich beschäftigt, sagt Elke Achleitner, Leiterin des Stadtvermessungsamts. Zudem ist ihr Amt erst seit Jahresbeginn verantwortlich. Gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt hat man aber ein Projekt zur Findung einer Methode für die Leerstandserhebung am Laufen, wo man bald auch gebäudebezogene Stromverbrauchsdaten verwenden wird können; das Okay der Datenschutzbehörde liegt seit kurzem vor.

Und in Wien? Da gibt es 19 Leute im zuständigen Referat, hier ist man hauptsächlich mit der Beseitigung eines Missstands befasst: Denn von der Stadt Wien wurden noch nie Daten für neue Wohneinheiten, die durch An-, Auf- und Umbauten entstehen, ans GWR gemeldet. Daran arbeitet man fieberhaft, und wie aus dem zuständigen Referat zu hören ist, soll es 2023 endlich so weit sein.

Grundsätzlich würde man sich bei der Statistik Austria wünschen, dass den Gemeinden mehr Möglichkeiten verschafft werden, Daten zu Bestandsgebäuden bei Eigentümer oder Hausverwaltung einzuholen. "Auch eine stärkere Verknüpfung mit anderen Registern und die Einbindung neuer Datenquellen wäre dringend notwendig", sagt Steffek. Idealerweise sollte die Übermittlung ins GWR immer durch jene Stelle erfolgen, bei der die entsprechenden Daten anfallen; "Daten zur Heizung und Wärmebereitstellung könnten etwa auch von Rauchfangkehrern im Rahmen der gesetzlichen Überprüfung der Anlagen ins GWR gemeldet werden." Für ein besseres Register müsste also noch einiges passieren. (Martin Putschögl, 14.8.2022)