Die Image-Kampagne #schaffenwir der Wirtschaftskammer ziert auch den Sitz der Bundeswirtschaftskammer in Wien.

Foto: APA / Helmut Fohringer

Wien – Trotz anhaltender Kritik an ihrem Aufwand für Öffentlichkeitsarbeit lässt sich die Wirtschaftskammer bei ihren Werbeausgaben nicht lumpen. Im Vorjahr hat allein die Bundeswirtschaftskammer (Wirtschaftskammer Österreich: WKO) ihre Aufwendungen für den Bereich "Schaltung von Werbeträgern" noch einmal kräftig erhöht – um 75 Prozent von rund 3,3 auf 5,8 Millionen Euro.

Das erschließt sich aus den Rechnungsabschlüssen für das Jahr 2021, die von der Fraktion "Grüne Wirtschaft" ausgewertet wurden. Die Werbeausgaben aller Kammern, also inklusive der Landeskammern, stiegen im selben Zeitraum von 14,3 auf 16 Millionen Euro.

Bewährte Kooperationen

Abgesahnt haben einmal mehr "Hitradio Ö3" (1,2 Millionen Euro) und der Boulevard. Allein auf die Kronen Zeitung und ihre Trabanten Krone.tv, Kronehit-Radio und krone.at entfielen 532.917,44 Euro. ÖsterreichOe24 und oe24.at bekamen rund 248.000 Euro an Werbeeinschaltungen, und an Heute samt heute.at gingen 324.266 Euro. Weitere 147.418 Euro verteilten sich auf ORF1, ORF2 und orf.at, womit sich die Beiträge im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf rund 1,36 Millionen Euro summierten.

Zum Vergleich: Die Presse und diepresse.com bekamen knapp 150.000 Euro, Kurier und kurier.at rund 130.000 Euro und DER STANDARD 109.382 Euro.

Die Gesamtsumme von 5,8 Millionen Euro ist übrigens auch deutlich höher als die 4,3 Millionen Euro, die über dem Schwellenwert lagen und somit bei der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR gemeldet werden mussten.

Viel mehr als budgetiert

Bei weitem übertroffen hat die gesetzliche Interessenvertretung der Unternehmer und Unternehmerinnen in Österreich damit übrigens ihren eigenen Voranschlag 2021, der nur die Hälfte ausgemacht hatte.

"Maßgeschneiderte Unterstützung"

Begründet wird die signifikante Ausweitung so: Die Corona-Pandemie habe auch 2021 eine Reihe von Branchen stark getroffen. Deshalb wurden über bereits geplante Maßnahmen hinaus "maßgeschneiderte Unterstützungskooperationen zur Ankurbelung des privaten Konsums und zur Information der Mitglieder eingegangen", verlautete am Freitag aus der WKO. Dies mit dem "in der werberelevanten Zielgruppe reichweitenstarken öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie Branchen- und Community-Medien", wie betont wird. Insgesamt habe man das Budget für Mitgliederbetreuung, Kommunikation und Büroaufwand im Jahr 2021 deutlich unterschritten – trotz der Schwerpunktsetzung mit Kampagnen und Mitgliederinformation

Image statt Beitragssenkung

Das lässt die Vorsitzende der Grünen Wirtschaft, Sabine Jungwirth, nicht gelten: "Imagepolitur und oberflächliche PR für Gasthausbesuche oder Weihnachtsshopping sind Präsident Harald Mahrer wichtiger als eine Entlastung der Kammermitglieder." Trotz guter Einnahmenbasis und steigender Rücklagen sei die notwendige Senkung der Kammerumlagen noch immer kein Thema.

Die Kammer agiere überhaupt widersprüchlich, kritisiert Jungwirth. Sie inszeniere sich als Vorreiterin in Sachen Klimaschutz, schmücke sich dabei aber mit fremden Federn, nämlich den Leistungen der innovativen Unternehmen in Österreich. In der Sache würden zukunftsweisende Maßnahmen blockiert und die Kammer rühme sich zum Beispiel, die Abschaffung des Dieselprivilegs verhindert zu haben. (Luise Ungerboeck, 20.8.2022)