Eine Gondel soll auch den Autoverkehr auf den Loser stoppen, der nur noch in Ausnahmefällen erlaubt werden soll.

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Gerald Loitzl ist besorgt: "Natürlich: Der Ort ist jetzt gespalten. Früher haben wir uns alles untereinander ausgemacht, und jetzt schalten sich Menschen von außen ein." Dieses "Außen" bezieht sich vor allem auf einen Anwalt aus Wien, der jetzt Unruhe in das beschauliche Altaussee bringe.

Alles dreht sich hier momentan um diese Gondel, die auf den Hausberg Loser geführt werden soll. Für die alte Fremdenverkehrsgemeinde und das ganze Ausseeerland ein Segen, sagt der Altausseer Bürgermeister Gerald Loitzl, für Naturschützer aber eine unnötige Investition der Loserbahnen, die mehrheitlich dem dortigen "Salzbaron" Hannes Androsch gehören. Sie pochen darauf, wenn sie schon gebaut werden soll, dann müsse alles umweltschutzrechtlich auf festem Boden stehen.

Hannes Androsch ist fuchsteufelswild, denn seit sich die Umweltschützer querlegen, steht das Werkl, und es kann mit dem Bau nicht begonnen werden. Weil eben der Wiener Anwalt Wolfgang List im Namen von Umweltinitiativen aus Niederösterreich und Wien Einspruch erhoben hat und eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Gondelbau einfordert – worüber nun das Bundesverwaltungsgericht Anfang Oktober entscheiden wird.

Vertrackte Lage

Die lokalen Bürgerinitiativen halten sich in der ganzen Angelegenheit wegen des schon aufgeheizten Klimas in Altaussee jetzt lieber etwas zurück.

Die Sachlage ist jedenfalls einigermaßen vertrackt: Hannes Androsch und die Loserbahnen hatten in der steirischen Landesregierung in zahlreichen Gesprächen ausgelotet, ob für das 30-Millionen-Euro-Gondelprojekt auf den Loser eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei. "Man hat uns signalisiert und versichert, dass wir keine brauchen", sagt Bürgermeister Gerald Loitzl. Umweltgruppen und Bürgerinitiativen machten aber Druck, dass das Land dies erst einmal in einem offiziellen Feststellungsverfahren dokumentieren müsse. Die zuständigen Behörden klopften daraufhin das Projekt exakt auf die Notwendigkeit einer UVP ab und kamen zu dem Schluss: Nein, sie sei nicht notwendig.

Die lokalen Umweltgruppen gaben daraufhin ihren Widerstand zumindest nach außen hin auf, da sie befürchteten, dass Androsch im Zorn die Bahnen komplett stilllegen könnte und dann ihnen die Schuld dafür gegeben werde. Nun aber betrat der auf UVP-Verfahren spezialisierte Wiener Anwalt Wolfgang List die Bühne und legte in Auftrag der Umweltorganisation "Lebensraum-Logisch – 3 vor Wien – Umweltschutz für die Region Bisamberg, Langenzersdorf und Korneuburg" und des Umweltdachverbands Beschwerde gegen die Landesentscheidung im Feststellungsverfahren ein. "Diese Sache mit der Umweltverträglichkeitsprüfung gehört ausjudiziert. Das muss geklärt werden. Bisher konnte Herr Androsch offenbar machen, was er will, jetzt hat er einen Gegner", sagt List.

"Berufssaboteure"

Hannes Androsch lässt im Gespräch mit dem STANDARD seinem Groll freien Lauf: Von "Berufssaboteuren" ist da die Rede und "ökodiktatorischen Gegnern". "Sie sind symptomatisch dafür, dass wir energiepolitisch da sind, wo wie heute sind. Nämlich in einer Abhängigkeit zu Russland." Die ganze "üble Sache" habe schon bei Zwentendorf und Hainburg begonnen. Alles sei blockiert worden und habe zu dem heutigen "Energieschlammassel" geführt.

Konkret zu seinem Gondelprojekt: Dieses sei ganz im Sinne des Umweltschutzes gedacht. Heute zähle man 40.000 Autofahrten auf den Loser. Mit den neuen Gondeln, die nicht nur im Winter, sondern ganzjährig in Betrieb sein sollen, würden Auffahrten nur noch in Ausnahmefällen erlaubt. "Natürlich werden Motorrad- und Sportwagenfahrer nicht sehr erfreut sein, wenn sich nicht mehr über die Panoramastraße fahren können", ergänzt Bürgermeister Loitzl.

Die Gondel, der Streit darüber, sei ja eigentlich nur ein Nebenschauplatz, ist Anwalt List überzeugt. Im Grunde – das sei ein Deal, vermutet er – gehe es um ein Straßenprojekt durchs Naturgebiet. Das vor allem eine Erleichterung und Einsparung für den Lkw-Verkehr aus den Androsch’schen Salinen bringe.

Bürgermeister Loitzl und auch Androsch werden bei diesem Thema recht grantig und argumentieren fast wortgleich, dass mit dem Straßenbauvorhaben einzig und allein Altaussee vom Verkehr entlastet werden soll. Dass damit der Salinenverkehr mitentlastet werde, sei sozusagen ein Nebenprodukt, aber nicht der Grund für den geplanten Straßenbau.

"Ich brauch keine Gondel"

Vordringlich gehe es aber aktuell darum, dass "die Frage der Godel und deren Notwendigkeit in einer Umweltverträglichkeitsprüfung endlich ausjudiziert werden. Da sei auch das Umweltministerium weiter säumig: Es bestünden nach wir vor nur schwammige Vorgaben, was Liftanlagen anbelange. "Es müsste künftig einfach heißen: Lifte sind UVP-pflichtig. Punktum."

Und wenn nun das Bundesverwaltungsgericht am 8. Oktober entscheidet, dass für die Gondel auf den Loser eine UVP notwendig ist? "Na dann werden wir sie halt machen", sagt Androsch. Das Land bemühe sich jetzt eh, den Sechs-Millionen-Schaden, der durch den "Behördenpallawatsch" entstanden sei, auszugleichen. Und in der Zwischenzeit "werden wir halt mit der alten Bahn weiterg’fretten. Das Ganze verzögert und verteuert sich halt."

Dennoch ärgere ihn diese "Provokation und Sabotage", sagt er: "Und wenn die Kritiker sagen, wozu braucht der Androsch jetzt auch noch eine Gondel: Ich brauch keine Gondel. Ich mache das aus Dankbarkeit für den Ort, in dem ich schon so lange lebe. Ich brauch mit meinen 84 Jahren keinen Lift mehr. Zum Skifahren bin ich eh immer nach Lech gefahren." (Walter Müller, 23.8.2022)