Der Rundfunkführung Sloweniens wird politische Voreingenommenheit zugunsten des rechtskonservativen Ex-Ministerpräsidenten Janez Janša und seiner Demokratischen Partei (SDS) vorgeworfen.

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Ljubljana – Der neue Direktor des slowenischen Fernsehens sorgt für erneute Turbulenzen beim öffentlich-rechtlichen Sender TV Slovenija (TVS). Uroš Urbanija, der als Ex-Chef des Regierungspresseamts vor rund einem Monat trotz Widerstand auf den Posten bestellt wurde, wird Druckausübung und Einschüchterung von Journalisten vorgeworfen. Protest gegen seine jüngsten Handlungen drückten sowohl Journalistenvertretungen des Rundfunks als auch der slowenische Journalistenverband (DNS) aus.

Die jüngsten Spannungen löste laut Medienberichten die Forderung des TV-Direktors nach Versetzung eines Nachrichtenmoderators und der Chefin vom Dienst aus. Den beiden langjährigen TV-Mitarbeitern warf Urbanija vor, ihrer Arbeit nicht gewachsen zu sein. Er forderte, dass sie mit anderen Aufgaben betraut werden, die sie professionell ausüben können.

Umstrittene Ankündigung

Der Direktor reagierte damit auf eine aus seiner Sicht umstrittene Ankündigung eines Beitrags in der Hauptnachrichtensendung im ersten Programm. Moderator Saša Krajnc betonte darin, dass der Beitrag auf ausdrückliche Anweisung der Chefredakteurin gesendet wird. Grund dafür war, dass nicht einmal die Chefin vom Dienst dessen Inhalt rechtzeitig gekannt hatte. Vorbereitet wurde der Beitrag über die Gründe, weshalb Urbanija die Kooperation zwischen TVS und der linksgerichteten Wochenzeitung "Mladina" eingestellt hatte, nicht von Journalisten des ersten Programms, sondern des zweiten Programms, wo seit dem Frühjahr eine eigene Nachrichtenredaktion aufgebaut wird.

Krajnc, seit 15 Jahren Nachrichtenmoderator beim TVS, und Vesna Pfeiffer, die seit neun Jahren Sendungen koordiniert und fast 40 Jahre im Journalismus tätig ist, wiesen die Vorwürfe über ihre Unfähigkeit zurück und kündigten mögliche Rechtsschritte wegen Verleumdung gegen Urbanija an. Unterstützung bekamen sie nicht nur von ihren Rundfunkkollegen, sondern auch von Journalisten anderer Medien. Eine Geste der Solidarität zeigten ihre TV-Kollegen am Dienstagabend, indem sie sich am Ende der Nachrichtensendung im Studio hinter Krajnc stellten.

Inakzeptable Druckausübung

Der Journalistenverband kritisierte, dass es sich in diesem Fall um inakzeptable Druckausübung handle. Das Management versuche, die Journalisten zu unterwerfen und einzuschüchtern, damit sie ihre redaktionellen Entscheidungen den Wünschen und Interessen des Managements anpassen, hieß es. Die TV-Journalisten warfen Urbanija ebenfalls Druckausübung und Einmischung in ihre Arbeit vor und forderten von der Chefredakteurin Schutz.

Der Rundfunkführung, insbesondere Generaldirektor Andrej Grah Whatmough, TV-Chefredakteurin Jadranka Rebernik und nun auch dem neuen TV-Direktor, wird politische Voreingenommenheit zugunsten des rechtskonservativen Ex-Ministerpräsidenten Janez Janša und seiner Demokratischen Partei (SDS) vorgeworfen. Seit dem Frühjahr fordern die Journalisten des TVS redaktionelle und institutionelle Autonomie, Entpolitisierung und den Rücktritt der Geschäftsführung. Gesetzesänderungen, mit denen die neue links-liberale Regierung den politischen Einfluss aus dem Rundfunksender verbannen will, werden von der SDS mit Referendumsvorhaben blockiert. (APA, 24.8.2022)