"Vermurkst" ist die Fehlerkolumne des STANDARD, in der wir unsere publizistischen Missgeschicke aufzeigen und auf unterhaltsame Weise reflektieren. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir jeden einzelnen Fehler zutiefst bedauern.

Doris Priesching und Sebastian Fellner

Das Positive beim Aufarbeiten von Fehlern: Man erfährt so viel Neues! Von fast historischem Wert ist zum Beispiel jene Geschichte vom Österreichischen Staatspreis und Salman Rushdie. Dass der Nobelpreisträger kommen würde, um den Preis selbst abzuholen, erfuhr der damalige Bundesminister für Unterricht und Kunst, Rudolf Scholten, vom STANDARD.

Wie es dazu kam? An einem Februartag 1994 klingelt in der Außenpolitik-Redaktion das Telefon von Iran-Kennerin Gudrun Harrer. Rushdie, der zu der Zeit aufgrund der Fatwa noch völlig im Untergrund lebt und über eine Kontaktperson seinen Anruf angekündigt hatte, teilt Harrer mit, dass er nach Wien kommen und den Preis selbst abholen wolle. Der Anruf ist so außergewöhnlich, dass später sogar in der Redaktion Zweifel an dessen Echtheit geäußert werden. Es war kein Irrtum.

Dass der Schriftsteller den Staatspreis bereits 1992 bekommen hatte, deckte die Kleine Zeitung auf. Womöglich nicht ganz zum Wohlgefallen der Republik, denn zumindest der zuständige Minister Scholten hatte Rushdie – wohl aus Sicherheitsgründen – nie über die Auszeichnung informiert. An die Anekdote erinnerten wir anlässlich des Attentats auf Rushdie, setzten sie aber ins falsche Jahr 1993.

Über kulturelle Aneignung zu berichten ist uns wichtig. Wir bemühen uns dabei um Aufklärung und Einordnung. Das ist zugegeben ein heikles Thema, über das es sich vortrefflich diskutieren lässt – was innerhalb der Redaktion regelmäßig und leidenschaftlich geschieht.

Bei Maßnahmen zu Shakespeare schlugen wir aber übers Ziel hinaus. Dessen Sommernachtstraum wurde nicht von Leselisten gestrichen, sondern erhielt wie Jane Austen, Charlotte Brontë und Agatha Christie Trigger-Warnungen.

Verwirrung dürften wir bei Leserinnen und Usern des E-Papers ausgelöst haben, die eines Morgens statt der Switchlist ein wirres Zahlen- und Zeichenwerk erblickten. Was da passiert war, ist wirklich sehr kompliziert zu erklären, wir ersparen Ihnen Details. Nur so viel: Jemand hat etwas übersehen, weshalb ein Platzhalter ins Layout rutschte.

Foto: Screenshot DER STANDARD

Wie klarer ist es doch im Reich der Zahlen! Sollte man meinen. Laut jüngster Auflagenkontrolle hat die Mediengruppe Österreich die Druckauflage ihrer beiden Zeitungsmarken gegenüber 2021 um ein Drittel reduziert und nicht, wie behauptet, halbiert. Das wäre schon rein rechnerisch eine Herausforderung gewesen.

In einem Bericht über die OMV war auch Miteigentümer Mubadala Thema. Die Investmentgesellschaft hat ihren Sitz in Abu Dhabi und somit den Vereinigten Arabischen Emiraten und nicht in Saudi-Arabien. Okay, das ist jetzt nicht ganz neu.

Als gesichert kann weiters die Tatsache gelten, dass sich das Goldene Horn an der westlichen, europäischen Seite des Bosporus befindet und nicht Europa und Asien trennt. Ebenso gewiss ist, dass die steirische Gemeinde Trofaiach heißt und nicht Troifach. Und Mother ist ein toller Song von Pink Floyd, bei der Gamescom wurde er aber nicht gespielt. Zur Aufführung kam hingegen der gleichnamige, ungleich prestomäßiger vorgetragene Metal-Hadern der Band Danzig. Die Mütter mögen uns vergeben. Und alle anderen auch. (Doris Priesching, 30.8.2022)