Die Türkei ist in diesem Sommer das absolute Überraschungsreiseziel: Bislang buchten in diesem Jahr sogar mehr österreichische Urlaubende eine Pauschalreise dorthin als nach Italien.

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Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub – so könnte das Motto der Österreicherinnen und Österreicher lauten, würden nicht ein paar neue Unsicherheiten ihre Schatten vorauswerfen: "Allgemeine Preissteigerungen, das Thema Energiekrise und natürlich auch das unberechenbare Pandemiegeschehen – all das spielt zusammen und beeinflusst sowohl Stimmung wie auch natürlich die Urlaubsbudgets", lautet die aktuelle Lageeinschätzung von Helga Freund, Geschäftsführerin von Österreichs größtem Reisebüro Ruefa. Dabei läuft das Urlaubsjahr 2022 für die Reisebranche bislang hervorragend.

98 Prozent Reisewillige

Zu Jahresbeginn wurde unter knapp 4.000 Kundinnen und Kunden des Reisebüros eine Studie durchgeführt, die zeigte: Reisen ist nach wie vor ein Grundbedürfnis. 98 Prozent der Befragten wollten demnach 2022 unbedingt verreisen. Viele davon dürften sich diesen Wunsch im Sommer auch tatsächlich erfüllt haben. Schon bis Ende August wurden gut 70 Prozent des Umsatzes des Vergleichszeitraums 2019 erzielt. Die Menschen gaben dabei aber pro Kopf gut 35 Prozent mehr aus als 2019. Die Kunden dieses Reisebüros haben im Sommerurlaub 2022 um durchschnittlich 1.280 Euro pro Person gebucht, wobei sie angeben, im gesamten Jahr 2.600 Euro pro Kopf ausgeben zu wollen.

Griechenland, aber auch Türkei

Die meisten Reisen gingen heuer mit großem Abstand nach Griechenland (rund ein Viertel), dahinter folgte Spanien. Wirklich überraschend: Die Türkei ist zurück unter den liebsten Feriendestinationen und sogar knapp vor Italien mit jeweils rund sieben Prozent. Das dürfte vor allem am guten Preis-Leistungs-Verhältnis liegen, mit dem heuer auch Ägypten (gut fünf Prozent) im Sommer punktete. Der Anteil der Österreich-Reisen brach nach dem guten Abschneiden aufgrund von Auslandsreisebeschränkungen in den letzten beiden Jahre heuer auf nur mehr knapp vier Prozent ein. Dieser Wert lag aber immer noch deutlich höher als vor der Corona-Krise. Voriges Jahr war der Anteil der Österreich-Urlaube bei mehr als sieben Prozent gelegen, 2019 lediglich bei 2,3 Prozent.

Frühbucher haben gespart

Hinsichtlich der Preisentwicklung hat sich die Einschätzung der Reiseexperten bestätigt, dass Pauschalreisen heuer gegenüber 2021 um zehn bis 15 Prozent teurer werden. Früh Buchende hatten heuer also tatsächlich einen Vorteil, denn bei kurzfristigen Buchungen schlugen bereits Preiserhöhungen zu Buche. Dafür gab es zwei Faktoren: die erhöhte Nachfrage und die gestiegenen Energiekosten.

Die Buchungseingänge für die Wintersaison 2022/23 sind dennoch überraschend verhalten und spiegeln absolute Kurzfristigkeit wider. Im Moment liegen die Buchungen für den Winter erst bei einem guten Viertel der Vergleichszeiträumen vor der Pandemie. "Die Unsicherheiten haben das Buchungsverhalten grundlegend verändert", sagt Freund.

Insel- und Afrikaträume

Neben den Malediven, Mauritius und den Seychellen ist der afrikanische Kontinent wieder gefragter – von Marokko über Ägypten, Kenia und Tansania/Sansibar bis nach Südafrika und Namibia. Die Buchungen für Asien sind dagegen noch etwas zurückhaltend. Im Westen locken vor allem die USA und die Karibik, wobei hier der Wechselkurs zum Dollar aktuell ein bremsender Faktor ist. Immer beliebter werden auch Long-Stay-Reisen, wobei der Marktanteil gerade einmal über der Wahrnehmungsgrenze liegt. Vor allem ungebundene Pensionierte und zunehmend auch ortsunabhängige Digitalarbeitende interessieren sich für die Kanaren oder Asien. Aufenthalte von mehreren Wochen oder Monaten kommen mittlerweile häufiger vor. (saum, 14.9.2022)