David Scheid "Gestreamte Daten kann man ja nicht angreifen"

Der Kabarettist, Schauspieler und DJ David Scheid möchte seinem Söhnchen Plattenspieler vererben. Sollte er sich dafür interessieren.

Der DJ, Schauspieler und Kabarettist David Scheid ist ab 10. Oktober mit seinem Programm "Als die Welt noch eine Scheibe war" in der Wiener Kulisse zu sehen.

Foto: Katharina Gossow

Insgesamt besitze ich sechs Plattenspieler. Ich glaube, das Modell Technics 1210 ist das Stabilste, das es auf der Welt gibt. Die 1210er stehen schon seit den 70er-Jahren in Clubs in aller Welt. Die sind einfach unkaputtbar. Es würde mich auch nicht wundern, wenn ein solcher in der Raumsonde Voyager durchs Universum düst, und die ‚Golden Record‘ für Aliens abspielt. Eines Tages werde ich ihn meinem eineinhalbjährigen Sohn Elias geben, damit er meine Plattensammlung hören kann.

Irgendwann wird er sich vielleicht fragen, was denn das für schwarze Scheiben sind, die da im Regal vom Papa stehen. Wenn er lieber streamt, ist das auch okay. Ich glaube aber, dass etwas so Haptisches wie ein Plattenspieler sicher sein Interesse wecken wird. Gestreamte Daten kann man ja nicht angreifen. Ich denke, wenn man bewusst eine Platte auflegt, hört man auch genauer zu. Richtig vererben werde ich ihm meine Plattenspieler hoffentlich noch nicht so bald. Aber sollte ich eines Tages das Zeitliche segnen, bekommt er alle, auch wenn nicht alle so sustainable sind wie der 1210er. Sollte er sich nicht dafür interessieren, bekommt er sie trotzdem. Dann hat er halt Pech gehabt. Bald kommt übrigens ein siebenter Plattenspieler in die Familie." (Michael Hausenblas)


Peter Klimek: "Die Tafel ist ein Symbol für Wissbegierigkeit"

Der Komplexitätsforscher Peter Klimek hat eine innige Beziehung zu seiner Tafel.

Der Physiker Peter Klimek forscht unter anderem am Complexity Science Hub Vienna.

Foto: Katharina Gossow

Die Tafel ist für mich generell ein Symbol für Wissbegierigkeit, aber auch für kreative Zusammenarbeit. Tatsächlich habe ich meine Tafel, die sehr unspektakulär ausschaut – klassisch grün und für Kreide –, schon meinen Kindern vererbt: Die Originaltafel hängt in ihrem Zimmer. Komplizierte Formeln oder Herleitungen sind darauf (noch) nicht zu finden, sie wird vor allem zum Malen verwendet. Als ich in meine erste Wohnung gezogen bin, habe ich die Tafel sofort ins Wohnzimmer gehängt. Seitdem hat es viele Umzüge gegeben, die Tafel ist immer mitgekommen. Als Physiker habe ich einen speziellen Bezug zu Tafeln. Es ist eine innige Beziehung. Ich behaupte, jede neue Arbeit beginnt damit, dass man sich vor eine frisch gelöschte Tafel stellt und loslegt. Sie unterstützt den Denkprozess. Wenn man eine Kollegin, einen Kollegen trifft und ihm oder ihr veranschaulichen will, woran man gerade arbeitet, ist die Tafel die beste Möglichkeit, um das auszudrücken. Sie ist ein Kommunikationsmittel.

In vielen Instituten sind Tafeln daher die dominierenden Einrichtungsgegenstände: Am Isaac-Newton-Institut der Universität Cambridge hängen sie sogar auf den Toiletten. Man weiß schließlich nie, wann einen die Inspiration überkommt." (Markus Böhm)

Andrina Mracnikar: "Mit Kindern und Tieren spreche ich slowenisch"

Die Regisseurin Andrina Mracnikar bewahrt eine 20 Jahre alte Filmrolle auf.

Am 7. 10. kommt Andrina Mračnikars Film "Verschwinden/ Izginjanje" in die Kinos.
Foto: Katharina Gossow

Vor 20 Jahren habe ich auf der Filmakademie einen Kurzfilm über meine Oma gemacht und selbst Kamera geführt. Er ist sieben Minuten lang und auf dieser 16-Millimeter-Filmrolle zu sehen. Das Material habe ich auch für meinen aktuellen Film Verschwinden/Izginjanje verwendet.

Meine Oma ist 2013 verstorben, mein Sohn erst dreieinhalb Jahre alt. Die beiden sind einander also nie begegnet, aber mein Sohn kennt das 300 Jahre alte Bauernhaus in Keutschach/Hodiše, in dem sich die Familie immer getroffen hat. Meine Oma und dieses Haus in Kärnten waren das Zentrum der Familie. Vor einem Jahr ist das Gebäude allerdings abgerissen worden.

Ich möchte meinem Sohn klarerweise diesen Film über seine Uroma weitergeben. Und es ist mir wichtig, ihm die slowenische Sprache zu vermitteln. Ich spreche immer nur slowenisch mit ihm, das geht für mich gar nicht anders. Ich habe diesen Impuls, auch mit fremden Kindern und Tieren slowenisch zu sprechen.

In dem siebenminütigen Film gibt es viele idyllische Bilder. Man sieht meine Oma beim Wäscheaufhängen und auch im Blaumann beim Traktorfahren und Holzsägen. Sie war eine zarte Frau und hat trotzdem all die schweren Arbeiten auf dem Bauernhof gemacht." (Sascha Aumüller)

Julia Edtmeier: "Das wichtigste Rezept für unsere Familie ist der Schweinsbraten"

Die Schauspielerin Julia Edtmeier hat wichtige Rezepte in einem Heft zusammengeschrieben. Vielleicht vererbt sie es an ihre Nichten.

Julia Edtmeier ist Schauspielerin und Mitbegründerin des Theaters Bronski & Grünberg. Sie ist als Ida in "Die Fledermaus" in der Volksoper und ab 6. 10. im Film "Love Machine 2" zu sehen.
Foto: Katharina Gossow

Mein Kochbuch ist ein handgeschriebenes Sammelsurium – und eher Heft als Buch. Es ist entstanden, nachdem ich nach Wien gezogen bin: Regelmäßig habe ich meine Oma und meine Mutter angerufen und gefragt, wie man dies und jenes kocht. Während der Telefonate habe ich mitgeschrieben.

Meist ging es um Anleitungen zur österreichischen Küche. Und wie das so ist bei schnell notierten Rezepten, fallen die meisten Mengenangaben ungenau aus. Meine Oma meinte auf Fragen nach dem Wieviel oft: ‚So vü, wie’s vertragt!‘

Omas Königsdisziplin ist die Linzertorte, aber das wichtigste Rezept für unsere Familie ist der Schweinsbraten. Den gibt es zu Weihnachten. Dass dessen Machart korrekt weitergegeben wird, ist also essenziell. Ich habe die Sammlung um italienische Rezepte wie Tagliatelle mit Scampi ergänzt. Vielleicht gebe ich das Heft einmal an meine Nichten weiter – oder sie ergänzen es um ihre Ideen. Leider bleibt fürs Kochen oft zu wenig Zeit. Dabei bereite ich gern gemütliche Abendessen für mehrere Leute zu, viel lieber als allein am Tisch zu sitzen.

Es gibt übrigens auch Dinge, die ich am liebsten im Gasthaus esse: gebackene Champignons und Schnitzel zum Beispiel." (Anne Feldkamp, RONDO Exklusiv, 8.10.2022)