Die Kostenbelastung in der Hotellerie steigt. Betriebe mit großem Wellnessangebot trifft die teure Energie besonders.

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Zwei Jahre Corona-Pandemie haben die Tourismuswirtschaft in Österreich auf eine schwere Probe gestellt. Nur dank üppiger staatlicher Unterstützung und Kreditstundungen konnte während der monatelangen Zwangsschließung eine Pleitewelle in einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes verhindert werden. Nun ziehen erneut schwarze Wolken auf.

Es sind vor allem, aber nicht nur die Energiekosten, die der Branche zu schaffen machen. Dazu kommen steigende Zinsen, die mit der von der Europäischen Zentralbank im Juli beendeten mehr als zehnjährigen Nullzinsphase die Finanzierung verteuern. Dass auch die Personalkosten angesichts einer Inflationsrate von knapp zehn Prozent deutlich nach oben gehen werden, liegt auf der Hand, auch wenn die KV-Verhandlungen für die Branche erst im kommenden Frühjahr anstehen.

Stresstest in Ferienhotellerie

"So eine Konstellation wie jetzt gab es noch nie", sagte Thomas Reizenzahn, geschäftsführender Gesellschafter der Prodinger Tourismusberatung, dem STANDARD. Die Unternehmensgruppe hat wie schon in den vergangenen Jahren die Vier- und Fünf-Sterne-Häuser im Bereich der Ferienhotellerie einem Stresstest unterzogen.

Untersucht wurden speziell die Belastungen durch höhere Energie- und Rohstoffkosten, der Engpass bei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie steigende Inflation und Zinsen. Ergebnis: Der Aufschwung, der im heimischen Tourismus nach Corona eingesetzt hat, könnte in den kommenden Jahren empfindlich gebremst werden. Ohne entsprechende staatliche Unterstützung sei eine Pleitewelle wahrscheinlich.

Mehrfachschock

Grund sei ein "Mehrfachschock", der sich für 2023 abzeichnet. All die Kostensteigerungen und der Zinsanstieg würden die Stressresistenz der Betriebe maximal herausfordern. Aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise wird sich nach Berechnungen von Prodinger die Wareneinsatzquote der untersuchten Spitzenbetriebe im Schnitt um zwei Prozentpunkte von 13 auf 15 Prozent der Gesamterlöse erhöhen. In einem Betrachtungszeitraum bis Ende 2023 prognostiziert Prodinger eine Erhöhung der Energiekosten für Strom, Heizung und Warmwasser um insgesamt 360 Prozent, wobei in diesem Wert bereits ein Einsparpotenzial von zwölf Prozent des Verbrauchs einkalkuliert ist. Niedrigere Temperaturen bei der Raumwärme, eingeschränkte Öffnungszeiten in Wellnessbereichen, sparsamerer Umgang mit Wasser und eine Entzerrung der Lastspitzen bei Strom sollen diese Einsparungen bringen.

Abgesehen davon dürften die Belastungen trotz der von der Regierung versprochenen Kompensation für einen Teil der Mehrkosten bei Energie voll auf die Bilanzen durchschlagen. Laut Reisenzahn werden die im Stresstest berücksichtigten Betriebe 2023 einen Verlust von elf Prozent bei ihrem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) hinnehmen müssen.

Betriebskennzahlen gehen nach unten

Eine andere wichtige Profitabilitätskennzahl, der Gross Operating Profit (GOP; vergleichbar dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Finanzierungsaufwendungen, Ebitda), weist steil nach unten. Nach 27 Prozent im Median der Jahre 2020 und 2021 prognostiziert Prodinger für die untersuchten Betriebe heuer einen GOP von 20 Prozent, der 2023 mit elf Prozent auf einen Tiefpunkt fallen dürfte. In den Jahren davor lag der GOP im Schnitt bei 22 Prozent, der Ausreißer in den Jahren 2020 und 2021 (27 Prozent) sei auf die Unterstützungszahlungen sowie geringere Betriebseinnahmen und Aufwendungen durch die pandemiebedingten Schließzeiten zurückzuführen, präzisiert Reisenzahn.

"Die Kostensteigerungen, mit denen die Branche konfrontiert ist, sind gewaltig", sagt Martin Stanits von der Österreichischen Hoteliervereinigung. "Die Kosten kann man nicht eins zu eins an die Gäste weitergeben. Die bleiben dann aus, weil sie ja auch nicht mehr Geld bei der Hand haben." Besonders Hotels mit großen Wellnessbereichen liefen die Kosten davon. "Ich weiß von einem Betrieb, bei dem allein die Energiekosten im laufenden Jahr von 1,5 auf sechs Millionen Euro gestiegen sind."

Gemischte Gefühle

Wiewohl die Sommersaison gut gelaufen ist, blickt die Branche nun mit durchaus gemischten Gefühlen in den kommenden Winter. Stanits spricht von einer merklichen Zurückhaltung bei den Buchungen. Die allgemeine Stimmung dürfte auch auf die Reiselust abfärben. (Günther Strobl, 20.9.2022)