Das Leiwandste, was man sich nur vorstellen kann.

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Die Energiekrise könnte im Winter zu zahlreichen Ausfällen von Weltcup-Events im nordischen und alpinen Skisport führen. Damit rechnet jedenfalls der Weltverband FIS, wie Generalsekretär Michel Vion beim Forum Nordicum der Skisport-Journalisten in Kranjska Gora eingeräumt hat. Laut Vion habe die FIS gegenwärtig keinen Plan B. Er verwies auf die energieintensive Schneeproduktion und Flutlichtbewerbe als Problemfelder. Es sei problematisch, wenn die Menschen Wasser und Strom sparen müssten, nebenan aber Wettbewerbe vorbereitet und durchgeführt würden. Vion geht prinzipiell davon aus, dass Weltcups kurzfristig verlegt werden könnten. "Kommt eine Absage einen Monat vor dem geplanten Termin, ist das aber nicht mehr möglich", meint der FIS-Generalsekretär.

ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer zeigt sich in einer ersten Reaktion irritiert von den Statements. "Panikmache ist nicht angebracht", erklärt er. "Grundsätzlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass dieses Problem kommen könnte. Der Sport ist wie alle Bereiche mit Herausforderungen konfrontiert, und Herausforderungen sind dazu da, gelöst zu werden – aber gemeinsam", sagt Scherer, der sich auch fragt: "Warum sollte es gerade im Skisport zappenduster werden?"

In Österreich würden alle Beteiligten im Wintersport und Tourismus an gemeinsamen Konzepten arbeiten. "Wenn alle ihren Beitrag leisten, dann wird der Wintersport stattfinden. Dann werden die Bergbahnen aufsperren, dann wird es Publikumsskifahren geben und auch Weltcup-Events." Vergangene Winter hätten laut Scherer gezeigt, dass der ÖSV bei Absagen von Veranstaltungen auch kurzfristig Ersatzorte aufstellen kann.

Der ÖSV und andere Verbände sind mit der FIS schon wegen der im Mai erfolgten Wiederwahl von FIS-Präsident Johan Eliasch im Clinch. Der Fall liegt beim Internationalen Sportgerichtshof CAS, Anfang Dezember soll es das erste Hearing geben. "Wir sehen es als Prüfung, ob eine Wahl in dieser Form legitim war", sagt Scherer und versichert, dass während der Saison der Sport im Mittelpunkt stehen werde. Er glaube, dass man "das Tagesgeschäft von den politischen Dingen trennen kann und muss. Wir werden zwar unsere Meinung vertreten, aber grundsätzlich immer im Sinne des Sports agieren."

Hoffen auf Wetterglück

So oder so optimistisch sind die Veranstalter der ersten grenzüberschreitenden Ski-Weltcup-Events nach der jüngsten FIS-Inspektion. Den für Oktober und November geplanten Speedrennen für Männer und Frauen mit Matterhorn-Blick stehe aus organisatorischer Sicht nichts entgegen, hieß es in einer Aussendung. Nur das Wetter müsse mitspielen. Nur?

Der Start der Rennen erfolgt ob Zermatt in der Schweiz, das Ziel ist bei Cervinia in Italien. Die FIS-Delegation hatte Anfang der Woche die Piste "Gran Becca", die überwiegend über Gletscher führt, den Start- und Zielbereich, TV-Einrichtungen und diverse Lokalitäten im Dorf besichtigt. "Seit der letzten Inspektion im Juli 2022 hat sich einiges getan. Unsere Verbesserungsvorschläge wurden entsprechend umgesetzt, die Arbeiten auf und neben der Piste verlaufen nach Plan. Die Kulisse mit stetigem Blick auf das Matterhorn ist einmalig", sagte Markus Waldner, FIS-Renndirektor für die Männer. "Weitere Schneefälle und tiefe Temperaturen vorausgesetzt, steht einer erfolgreichen Austragung nichts im Wege."

Der heiße und trockene Sommer in Europa hat den Alpengletschern enorm zugesetzt. Zuletzt gab es jedoch Schneefall, das Skigebiet oberhalb von Zermatt wurde wieder geöffnet. "Neuschnee ist in dieser Jahreszeit auf dieser Höhe alles andere als ungewöhnlich. Wir hatten bisher noch immer Schnee Ende Oktober auf dem Gletscher und sind weiterhin zuversichtlich, dass dies auch heuer so sein wird", sagte OK-Präsident Franz Julen. (APA, red)

So sah es Ende November 2021 aus, als die Piste "Gran Becca" im Skigebiet Zermatt/Cervinia besichtigt wurde. Dass es in wenigen Wochen, wenn die ersten Speedrennen der Weltcupsaison anstehen, ähnlich aussieht, ist noch nicht gesichert. (APA; red, 22.9.2022)