Synthesechemiker Hannes Mikula erhält nach dem Start-Preis einen ERC-Grant.
Foto: Hannes Mikula / TU Wien

Am Mittwoch ging der diesjährige Chemie-Nobelpreis an drei Forschende, die zu bahnbrechenden Erkenntnissen auf dem Gebiet der sogenannten "Click-Chemie" beitrugen: Carolyn R. Bertozzi und Barry Sharpless (beide USA) sowie Morten Meldal (Dänemark) etablierten eine Methode, mit der sich verschiedene Moleküle auf einfache Weise miteinander verbinden lassen, und entwickelten sie zur sogenannten "bioorthogonalen Chemie" weiter, mit der sie auch in lebenden Organismen anwendbar ist.

Dies ist insbesondere in der Arzneimittelentwicklung eine wertvolle Technik. Sie kommt auch in österreichischen Labors zur Anwendung, unter anderem bei Hannes Mikula vom Institut für Angewandte Synthesechemie der Technischen Universität Wien. Er erhält nun einen der renommierten "Starting Grants" des Europäischen Forschungsrates (ERC). Die Förderung von rund 1,5 Millionen Euro nutzt Mikula, um Wirkstoffe gezielt gegen Tumorzellen ins Feld zu führen, teilte die TU am Freitag mit.

Der aus dem Burgenland stammende Chemiker wurde bereits mehrfach für seine Forschungsprojekte ausgezeichnet: Er erhielt im vergangenen Jahr einen über den Wissenschaftsfonds FWF vergebenen hochdotierten Start-Preis und 2019 einen Ascina-Preis für "Young Scientists".

Wirkung erst am Zielort entfalten

"Wir entwickeln spezielle Moleküle und Reaktionen, mit denen ein Wirkstoff in die Krebszelle transportiert und erst dann freigesetzt werden kann, wenn er am Zielort angekommen ist", sagt Mikula zu seinem ERC-Projekt. Zu dem Ansatz wurde der Wissenschafter unter anderem durch Vorträge von Bertozzi und Sharpless in den Jahren 2007 und 2008 an der TU inspiriert, heißt es in der Aussendung.

Mikulas Ziel sei es, komplexe bioorthogonale Reaktionen derart chemisch zu programmieren, dass die dafür notwendigen Moleküle im lebendigen Umfeld gezielt gesteuert werden können und ihre Wirkung nicht im gesunden Gewebe entfalten. So können sich auch ungewünschte Nebenwirkungen besser vermeiden lassen – ein vielversprechender Ansatz für die Verbesserung von Therapien gegen Krebs. (APA, red, 7.10.2022)