Wer bereits mit Wahlkarte gewählt hat, kennt schon alle Titel der Präsidentschaftskandidaten.

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Wer am Wahlsonntag den Stimmzettel für die Bundespräsidentenwahl in die Hand nimmt, der wird zunächst mit einer schon recht bekannten Tatsache konfrontiert: Alle sieben Bewerber für das Amt sind Männer. Ein anderes Faktum dürfte bislang noch weniger bekannt sein: Fünf der sieben Kandidaten werden auf dem Stimmzettel mit einem Doktortitel geführt – neben Amtsinhaber Alexander Van der Bellen nämlich auch die Herausforderer Walter Rosenkranz, Dominik Wlazny, Tassilo Wallentin und Michael Brunner.

Im traditionell titelaffinen Österreich – vom "Hofrat" bis zum "Professor" sind Namenszusätze immer noch weit verbreitet – mag ein "Dr." auf dem Stimmzettel ein Vorteil für die Wahl sein. Aber warum steht der Titel da eigentlich? Dürfen die Wahlwerber selbst entscheiden, ob ihr akademischer Grad vor ihren Namen gedruckt wird? Und ginge das auch bei einem Magistertitel?

Titel "erschleichen" eher schwierig

"Entscheidend ist der Wahlvorschlag", heißt es dazu aus dem zuständigen Innenministerium, dem die Bundeswahlbehörde unterstellt ist, auf STANDARD-Nachfrage. Denn wenn auf diesem ein Titel stehe, übernehme die Wahlbehörde ihn für den Stimmzettel – nach einer kurzen Prüfung, versteht sich.

Die Wahlbehörde wirft nach dem Einlangen der Wahlvorschläge nämlich einen Blick in das Zentrale Melderegister (ZMR) und in die Wählerevidenz – Letztere ist identisch mit dem ZMR, weil sie automatisch darauf abgestimmt wird. Findet sich der Titel auch dort, wird er auf den Stimmzettel gedruckt. Sich nur für den Wahltag einen Doktortitel zu "erschleichen" würde demnach eher schwierig werden.

Den Kandidaten wäre es aber grundsätzlich unbenommen, sich durch besondere Bescheidenheit hervorzutun – indem sie etwa auf ihren Doktortitel auf dem Stimmzettel verzichten. "Wenn auf dem Wahlvorschlag kein Titel angeführt wird, ergänzen wir ihn auch nicht, nur weil er in der Wählerevidenz steht", sagt ein Ressortsprecher. Ist dort etwa zusätzlich zum Doktor- auch ein Professorentitel eingetragen, wird dieser von der Wahlbehörde nicht auf dem Stimmzettel ergänzt.

Kein Magisterstudium – kein Magister

Ebenso verhält es sich häufig mit den Magistertiteln, die Wahlwerber vor ihrem Doktorat erworben haben. So steht in der Wählerevidenz etwa immer wieder "Mag. Dr." vor dem Namen von Kandidaten. Für den Stimmzettel scheinen die Doktoren aber nur auf ihren höheren Titel wert zu legen – der Magister wird für den Wahlvorschlag meist weggelassen.

Einen alleinigen "Mag." können die Wahlwerber übrigens genauso selbst auf ihren Wahlvorschlag schreiben wie einen "Dr.". Die am Stimmzettel für die Präsidentschaftswahl titellosen Kandidaten Gerald Grosz und Heinrich Staudinger haben das allerdings nicht gemacht – vermutlich, weil sie auch keinen Magistertitel haben. (Martin Tschiderer, 7.10.2022)