"Wiennerisches Diarium" von 1703: Zum Gesetzesentwurf über das Aus als Tageszeitung zeigte die "Wiener Zeitung" vorige Woche ihre allererste Ausgabe.

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Wien – Eine "medienpolitische Bankrotterklärung" ist für österreichische Schriftstellerinnenverbände das angekündigte Ende der republikseigenen "Wiener Zeitung" als Tageszeitung. Die Umwandlung in eine Monatszeitschrift und Onlineplattform bedeute einen "Tod auf Raten", heißt es in einem Protestschreiben vom PEN-Club, von der IG Autorinnen Autoren, dem Österreichischen SchriftstellerInnenverband, der Grazer Autorinnen Autorenversammlung und dem Literaturkreis Podium.

"Die 'Wiener Zeitung' darf nicht zugrunde gerichtet werden", appellieren die Autorinnen und Autoren. Die Regierung hat die Abschaffung der Pflichtveröffentlichungen in der republikseigenen Zeitung 2023 angekündigt, damit fällt ihre Hauptfinanzierung weg. Bundesförderungen von insgesamt rund 14,5 Millionen soll es für eine Monatszeitschrift und eine Onlineplattform, Journalistinnenausbildung und ein digitales "schwarzes Brett" des Bundes geben, steht im Gesetzesentwurf.

"Abbau von Medienqualität", "Tod auf Raten"

In der Protestnote der Schriftsteller und Schriftstellerinnen heißt es wörtlich:

"Die Lösung, die die Regierung für die 'Wiener Zeitung' jetzt vorlegt, aus ihr eine zehnmal im Jahr erscheinende Monatszeitschrift und eine Onlineplattform zu machen, ist nichts anderes als ihr Tod auf Raten. Die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt und eine weltweit einzigartige Publikations- und Publizistikgeschichte werden von der Regierung leichtfertig zu Grabe getragen. Das ist keine Lösung, das ist eine medienpolitische Bankrotterklärung.

Damit erfolgt ein weiterer großer Schritt des Abbaus von Medienqualität und geht ein weiteres wichtiges Stück Öffentlichkeit dem literarischen Leben in Österreich verloren.

Die österreichischen Autor/inn/en und die österreichische Literatur sind mit der 'Wiener Zeitung' seit Jahrzehnten auf das Engste verbunden. Die 'Wiener Zeitung' erfüllt nicht nur alle Kriterien einer Qualitätszeitung, sie ist auch ein Maßstab dafür. Es hilft nichts, wenn nun auf der einen Seite Medienqualität stärker in die Förderungsüberlegungen einbezogen werden soll und andererseits ein Qualitätsmedium abgeschafft wird. Es hilft nichts, wenn einerseits die Literaturförderungen ungeschmälert aufrechterhalten bleiben sollen und andererseits der Literatur und Publizistik Arbeitsplätze und Publikationsmöglichkeiten verloren gehen.

Wir schließen uns den zahlreichen Protesten gegen die Einstellung der 'Wiener Zeitung' als Tageszeitung an und weisen mit allem Nachdruck darauf hin, dass durch die Abschaffung der 'Wiener Zeitung' als Tageszeitung an der Literatur und am Qualitätsjournalismus in Österreich ein nicht wiedergutzumachender Schaden angerichtet wird."

Gezeichnet haben den Protest etwa: Gerhard Ruiss, Janko Ferk, Doron Rabinovici, Renate Welsh, Gerhard Zeillinger, Julian Schutting, Christian Teissl, Cornelia Travnicek, Gerhard Altmann, Ludwig Laher, Christl Greller, O. P. Zier, Manfred Chobot, Hahnrei Wolf Käfer, Nils Jensen, Manfred A. Schmid, Klaus Ebner, Ines Scholz, Armin Baumgartner, Constantin Schwab, Hellmut Butterweck, Helmuth A. Niederle, Bernhard Heinrich, Sylvia Treudl, Elfriede Bruckmeier, Patricia Brooks. (red, 10.10.2022)