Auch am Dienstag suchten in den U-Bahn-Stationen Kiews wieder zahlreiche Menschen Schutz vor den russischen Angriffen.

Foto: Reuters / Ivan Lyubysh-Kirdey

Die morgendliche Rushhour ist in vollem Gange, als es am Dienstag erneut Raketenalarm gibt. Wie schon tags zuvor strömen die Menschen in die U-Bahn-Stationen der ukrainischen Hauptstadt Kiew, um Schutz zu suchen. Die Orte und die Uhrzeit der russischen Angriffe – Menschen gehen zur Arbeit oder bringen ihre Kinder zur Schule – sollte eine Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte später als besonders schockierend bezeichnen.

In einer U-Bahn-Station im Stadtzentrum stehen Menschen in Gruppen zusammen und warten, bis man wieder halbwegs gefahrlos hinaus kann. Manche haben sich aber offenbar auch darauf vorbereitet, dass das länger dauern kann, haben Decken auf dem kalten Steinboden ausgebreitet und ihre Hunde und Katzen mitgebracht.

Panik herrscht dennoch keine. Die meisten sagen, dass sie nachher ganz normal zur Arbeit gehen wollen – und dass sie sich von den Attacken auf ihre Hauptstadt nicht werden unterkriegen lassen.

Ein paar junge Leute, Studierende an der nahegelegenen Universität, sind nun schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen hier. Nastja wurde Montagfrüh von Explosionen aus dem Schlaf gerissen, jetzt ist sie wegen des neuerlichen Alarms gekommen.

Neben ihr sitzt ihre Freundin Tina. "Ihr Haus wurde bei der Explosion beschädigt, ihre Wohnung hat jetzt keine Tür mehr", erzählt Nastja. Ein fremder Mann habe ihr geholfen, den Eingang notdürftig zu reparieren, und sie dann zur U-Bahn mitgenommen.

Stationen aus Sowjetzeiten

Auch andere Regionen des Landes wurden am Dienstag erneut mit Raketen und Kampfdrohnen angegriffen. So meldeten etwa die Behörden in Saporischschja im Süden der Ukraine Angriffe mit russischen Raketen. Die Gebiete Chmelnyzkyj, Dnipropetrowsk, Wynyzja, Mykolajiw und Riwne wurden demnach ebenfalls beschossen.

In der U-Bahn-Station in Kiew, unweit der Universität, ist es inzwischen Mittag geworden. Einige Menschen sind kurz rausgegangen, um sich einen Kaffee oder etwas zu essen zu besorgen. Andere spazieren schon wieder normal vorbei, wieder andere warten lieber vor der Station ab, ob es weitere Explosionen gibt. Im Notfall könnten sie schnell unter die Erde zurück.

Die Kiewer U-Bahn-Stationen wurden zu Sowjetzeiten so gebaut, dass man dort sichere Schutzräume vorfindet. Damals blieb es beim Kalten Krieg. Die Stationen gelten aber auch heute noch als sicher. (Daniela Prugger aus Kiew, Gerald Schubert, 11.10.2022)