Auf der Diagonale prämiertes Experimentalfilmkino: Anna Spanlangs Tagebuchfilm "Cereal".

Foto: Sixpack Film

Die Talent-Scouts von Cinema Next haben es sich zum Ziel gesetzt, der jüngsten Generation österreichischer Filmschaffender eine Bühne aufzubereiten. Einmal im Jahr geht die umtriebige Initiative mit ihren Entdeckungen auf Österreichrundfahrt, um sie auf großer Leinwand in Kinos zu präsentieren. Heuer sind 51 Kurzfilme quer durch alle Gattungen dabei. An den fünf Abenden in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck gibt es auch jeweils eine Jury, welche die Lieblingsfilme kürt.

Den Auftakt begeht man heute, Mittwoch, im Gartenbaukino in Wien. Da zeigt sich dann beispielsweise, dass dem Filmnachwuchs auch in pandemischen Zeiten nicht der Humor ausgegangen ist. Dirty Distancing von Dominic Marcus Singer ist eine herzhaft zulangende Farce auf die gesellschaftlichen Fronten der Corona-Ära. Geschont wird keine Seite: Regierungsvertreter rücken aus, um den Ungläubigen und Unbekehrbaren eine auf die Rübe zu schlagen.

Übermut und Schauwerte

Profitiert dieser Film noch von amateurhaftem Übermut, legt Märtyrer der Strebsamkeit (Regie: Alexander Peskador), eine Studentenarbeit der Hochschule Baden-Württemberg, sein Augenmerk bereits stärker auf professionelle Schauwerte. Ein Sensenmann in schwarzer Kutte – die personifizierte Pest – trifft in der historischen Miniatur auf zwei eher minderbegabte Grenzwächter.

Es finden sich aber auch richtige kleine Festivalstars im Programm wie Franziska Pflaums Coming-of-Age-Film Im Universum geht keiner verloren (am 19. 10. in Innsbruck) oder Anna Spanlangs auf der Diagonale als bester innovativer Film prämierter Essay Cereal (25. 10., Linz) – er durchpflügt in frenetischer Montage das eigene, welthaltige Handyarchiv. (kam, 12.10.2022)