Am Flughafen Wien-Schwechat wird das Stürmen eines "entführten" Flugzeugs vorgeführt.

Foto: Imago / Sepa / Michael Indra

Schwechat – Ein Hangar auf dem Flughafengelände irgendwo in Schwechat. Dort, wo normalerweise Flugzeuge gewartet werden, stehen jetzt Holzbänke, dieselben wie beim Wirt. Neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der AUA spazieren Polizeibeamte der Sondereinheit Cobra und Soldaten des Bundesheers in klassischer grüner Ausrüstung umher. An der Wand ist ein gepanzertes Fahrzeug der Polizei geparkt. Mitglieder der Bundesregierung betreten die absurde Szenerie und erklären: Man sei nun vorbereitet für jegliche Bedrohung.

Die Erklärung: Am Donnerstagvormittag hat am Flughafen Wien-Schwechat eine Einsatzübung für den Fall einer Flugzeugentführung stattgefunden. Beteiligt waren das österreichische Bundesheer, tschechische und slowakische Sondereinheiten sowie die Air-Marshal-Einheit des Einsatzkommandos Cobra. Am Nachmittag wurden die Ergebnisse der Übung präsentiert und das Stürmen des "entführten" Flugzeuges kurz nachgestellt. Die Einsatzübung sei erfolgreich verlaufen, sagen Innenminister Gerhard Karner und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (beide ÖVP) in der darauffolgenden Pressekonferenz.

Ablauf der Einsatzübung

Am Vormittag war dem Szenario nach ein Flugzeug mit ausgewählten Passagieren, darunter auch Mitglieder der Polizeieinheiten, gestartet. Nachdem es die Reiseflughöhe erreicht hatte, habe in der Theorie der geplante Terrorakt begonnen: Man nahm für diesen Zweck an, drei mit Messern bewaffnete Personen hätten einen Passagier getötet. Die Air Marshals, also Flugsicherheitsbegleiter der Cobra, brachten die fiktive Situation unter Kontrolle.

Hier würde die Kommunikationsschiene beginnen, sagt ein Beamter der Spezialeinheiten. Der Pilot würde den Beamten am Boden Bescheid geben, und innerhalb kurzer Zeit wäre das Bundesheer informiert. Dieses würden dann zwei Eurofighter in die Luft schicken, die das Flugzeug beim Landen begleiten. Heute hätte die Zeitspanne rund 20 Minuten betragen, vom ersten Alarm bis zum Erreichen der Abfängjäger der "entführten" Maschine in der Luft.

Gleichzeitig würde die Arbeit am Boden weitergehen: Die Beamten hätten in dieser Zeit die Passagierliste durchgecheckt und mithilfe der abfotografierten Reisepässe mögliche verdächtige Personen identifiziert. Diese Informationen würden an die Air Marshalls in der Luft weitergegeben werden, um die Entführung aufzuhalten. Nach der Landung wird das Flugzeug dann gesichert und der Zugriff der Spezialeinheiten durchgeführt.

Aufrüstung der Eurofighter

Innenminister Karner und Verteidigungsministerin Tanner zeigten sich erfreut über die Ergebnisse der Einsatzübung. Auch wenn es keine aktuelle Bedrohung gebe, sei es notwendig, auf alles vorbereitet zu sein, sagt Karner.

Tanner lobt die ressortübergreifende und internationale Zusammenarbeit während des Ablauf dieser Sicherheitsübung. Wichtig sei nun die Aufrüstung der Eurofighter und die Modernisierung der österreichischen Luftraumüberwachung, fügte die Ministerin an. Das neu beschlossene Budget für Verteidigung sei notwendig für das "Schließen von Fähigkeitslücken".

EU-gefördertes Projekt für Luftraumüberwachung

Dieser Übungseinsatz fand im Rahmen des EU-geförderten Projekts "Enhancing In-Flight Security" (EIFS) statt. Gefördert wird EIFS durch die Generaldirektion für Migration und Inneres der Europäischen Kommission. Dort ist aktuell die deutsche Air-Marshal-Einheit Projektvorsitz. Die Einsatzübung in Wien-Schwechat wurde aber als Arbeitspaket des aktuellen Projekts von den Air Marshals des Einsatzkommandos Cobra abgehalten.

Grundsätzlich kann jeder Flug mit Air Marshalls besetzt sein, sagt ein Mitglied des Sonderkommandos, aber es gebe besondere Kriterien, die dafür sorgen, dass bestimmte Flüge öfter beobachtet werden. "Ein Flug in ein Krisengebiet wird natürlich öfter besetzt werden als der Ferienflug nach Mallorca", sagt ein Beamter der Sondereinheit. Ein regelmäßiger Einsatz von Flugsicherheitsbegleitern auch bei ungefährlichen Flügen sei aber wichtig: Dadurch könne die Prozedur am Flughafen geübt werden. Air Marshals würden als reguläre Passagiere getarnt einen Flug begleiten und wären in Notfällen einsatzbereit. (Alara Yilmaz, 13.10.2022)