Ein russischer Panzer wird Anfang 2022 über Bahngleise transportiert. Belarussische Saboteure behinderten den russischen Nachschub während des Krieges in der Ukraine teilweise massiv.

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Dass für den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Krieg gegen die Ukraine nicht alles so läuft wie geplant, zeigten schon die ersten Wochen des Krieges, zuletzt war die russische Teilmobilmachung für Beobachterinnen ein Zeichen dafür, wie schlecht es um die russische Armee steht. Aber nicht nur geschickte Kriegsführung der Ukraine macht Moskau zu schaffen. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn wurden Berichte publik, wonach es in Belarus Saboteuren des Eisenbahnverkehrs gelungen war, den Naschschub russischen Militärgeräts empfindlich zu stören. Nun wurde ein angeblicher Saboteur zu elf Jahren Haft verurteilt.

Saboteure lähmten russischen Nachschub

Eine Gruppe aus Bahnarbeitern, Hackern und widerständigen Teilen der Sicherheitskräfte soll kurz nach Kriegsbeginn die Versorgung über belarussischen Boden behindert haben. Sogar der Chef der ukrainischen Eisenbahn lobte die Saboteure in Belarus damals als "mutige und ehrliche Menschen". Die Gruppe weckt Erinnerungen an die Aktivität von Partisaninnen und Partisanen, die im Zweiten Weltkrieg Bahngleise sprengten, um den Vormarsch der deutschen Armee zu behindern.

Die Saboteure nahmen neuralgische Punkte wie die Signalschaltkästen des Eisenbahnsystems ins Visier und lähmten so mehrere Tage lang den russischen Nachschub, was ein Grund für den kilometerlangen Konvoi vor Kiew gewesen sein soll. Dass Russland sich überhaupt schlussendlich militärisch mehr auf die Ost- und Südukraine konzentriert hat, sei eine Folge der belarussischen Saboteure, sagte Franzischak Wjatschorka, ein Sprecher der Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja.

Die belarussische Journalistin Hanna Ljubakowa kritisiert auf Twitter die Verurteilung von Schischkawez.

Elf Jahre Haft wegen "Terrorismus"

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Aktivisten festgenommen wurden, wie die belarussische Menschenrechts-NGO Viasna (deutsch: Frühling) berichtete. Dutzende Bahnmitarbeiter wurden inhaftiert und der belarussische KGB ermittelte gegen sie wegen Vorwürfen wie Spionage, Hochverrat oder Terrorimus.

Nun wurde ein hartes Urteil gegen einen der "Eisenbahnpartisanen", wie die ukrainische Nachrichtenagentur Unian die Gruppierung nennt, gefällt. Alexej Schischkawez wurde am Mittwoch wegen Terrorismus und der Beteiligung an einer bewaffneten Gruppierung auf dem Territorium eines fremden Staates zu elf Jahren Haft verurteilt.

Der angebliche Saboteur war bereits im März verhaftet worden. Er war – so das belarussische Innenministerium – der von den Behörden als "terroristisch" eingestuften Gruppierung Bypol und einem Telegram-Chat-Bot beigetreten, in dem zu illegalen Handlungen in Belarus aufgerufen worden sei. Am 1. März habe er den Befehl erhalten, Bahngleise zu blockieren und Molotowcocktails herzustellen, wie eine weitere Menschenrechts-NGO berichtet. Es hätte für Schischkawez wohl aber auch noch schlimmer ausgehen können: Nach Bekanntwerden der Sabotageaktionen kam es zu einer Gesetzesänderung, wonach bei einer Verurteilung wegen Terrorismus nun die Todesstrafe droht. (Levin Wotke, 14.10.2022)