Budgetkompromiss für Ö1 kolportiert – hier eines der neuen Studios im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg.

Foto: Robert Newald

Wien – Die Sparvorgaben des ORF für den Kultur- und Infosender Ö1 sollen nach STANDARD-Infos deutlich reduziert worden sein. Eine Reihe aus einer internen Klausur kolportierter Sendungsstreichungen sollen abgeblasen sein. Aufregung gibt es dennoch im ORF-Radio – nun um eine kommende Betriebsversammlung und um den heimlichen Mitschnitt einer früheren Radio-Betriebsversammlung, der "Profil" zugespielt wurde.

Am Freitag warnten Künstlerinnen und Künstler in einer gemeinsamen Pressekonferenz den ORF davor, seinen Kulturauftrag und damit seine GIS-Gebührenlegitimation zu gefährden – insbesondere mit geplanten Kürzungen bei Ö1 und einer Positionierung von FM4 Richtung Mainstream. Christan Kolonovits, Komponist und ORF-Stiftungsrat, warnte dort vor Sparen mit dem "Rasenmäher".

"Budgetprozess im Laufen"

Nach STANDARD-Informationen soll es inzwischen einen Kompromiss über das Ö1-Budget für 2023 geben. Statt kolportierter 900.000 Euro Sparbedarf soll es nun Richtung 350.000 Euro gehen. Im ORF hieß es dazu am Freitag auf STANDARD-Anfrage: Der Budgetprozess sei noch im Laufen, Details würden kommuniziert, wenn er abgeschlossen sei.

Die Sparpläne – die grundsätzlich alle ORF-Bereiche treffen– dürften auch ein Thema in einer für kommende Woche geplanten Betriebsversammlung der ORF-Radios sein. Im Vorfeld wurde intensiv diskutiert, ob die Versammlung nur live oder hybrid via Videokonferenz stattfinden soll. Radio-Betriebsratsvorsitzende Gudrun Stindl soll sich gegen eine Hybridvariante ausgesprochen haben, zuletzt sollte der Radio-Betriebsrat darüber abstimmen.

Heimlicher Mitschnitt

Anlass für die Diskussion könnte der heimlicher Mitschnitt einer früheren Radio-Betriebsversammlung mit ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sein, der nach STANDARD-Infos "Profil" zugespielt wurde. Die Weitergabe heimlicher Tonaufnahmen ohne Einwilligung ist – mit sehr seltenen Ausnahmen – rechtswidrig.

In einer Betriebsversammlung im Frühjahr mit Weißmann und Radiodirektorin Ingrid Thurnher wurde Weißmann auf die Arbeitsverhältnisse von freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angesprochen. Er soll damals sinngemäß erklärt haben, dass freie Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter sich, wenn sie über längere Zeit nicht angestellt würden, beruflich womöglich neu orientieren sollten – was für einige Irritation in der Belegschaft sorgte. (fid, 14.10.2022)