Wien – Angesichts der Teuerung sorgen sich immer mehr Menschen um ihre finanzielle Zukunft. Lebensmittel und Energie werden teurer, die Sicherung des finanziellen Haushaltes wird immer mehr zur Herausforderung. Um für eine fairere Umverteilung in der Gesellschaft zu sorgen, ist eine große Mehrheit in Österreich deshalb für eine Einführung einer Vermögenssteuer und für die Anhebung von Mindestpensionen.

Große Vermögen sollen laut einer großen Mehrheit besteuert werden. Das ergab das Sozialbarometer der Volkshilfe.
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Das ergab eine Studie des Sora-Instituts, die im Rahmen des Volkshilfe Sozialbarometers durchgeführt wurde. Insgesamt wurden für die repräsentative Befragung rund 1.000 Interviews geführt. Die Studie zeigt: Mehr als acht von zehn Menschen machen sich "sehr" oder "ziemlich" große Sorgen, dass das Leben für viele Menschen in Österreich bald nicht mehr leistbar ist.

Betroffen sind vor allem Personen, die ohnehin ein knappes Haushaltseinkommen besitzen. Für mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist die finanzielle Situation bereits jetzt problematisch.

Vermögenssteuer und Mindestpension

Eine große Mehrheit in Österreich wünscht sich für eine fairere Umverteilung eine Vermögenssteuer: Rund 80 Prozent befürworten laut der Befragung eine Steuer auf große Vermögen, um ärmeren Haushalten eine bessere Unterstützung vom Staat zu ermöglichen.

Besonders hoch ist die Unterstützung mit 86 Prozent bei Arbeiterinnen und Arbeiter. Noch mehr Menschen, nämlich im Schnitt neun von zehn, sind für eine Anhebung der Mindestpension.

Vermögenssteuer auch Thema bei Armutskonferenz

Mit der Thematik der Armutsbekämpfung beschäftigte sich am Montag auch die "Reichtumskonferenz", die von dem Netzwerk der Armutskonferenz veranstaltet wurde. Am Tag gegen Armut, der jedes Jahr am 17. Oktober begangen wird, sprachen die Beteiligten über Vermögenskonzentration und Überreichtum.

Unter anderem referierte die Rechtswissenschafterin Katharina Pistor über die Auswirkungen von akkumuliertem Kapital und über die rechtlichen Möglichkeiten des Staates, um für Umverteilung zu sorgen.

Zu den Vortragenden zählte auch die Millionärin Marlene Engelhorn, die sich aktiv für eine Vermögenssteuer einsetzt. Sie erlangte in den letzten Jahren mediales Interesse, da sie über 90 Prozent ihres Vermögens spenden will. "Das reiche eine Prozent stützt sich auf die restlichen 99 Prozent. Überreiche Menschen müssen deshalb besteuert werden", sagte Engelhorn.

Volkshilfe fordert Maßnahmen gegen die Teuerung

Die Volkshilfe fordert zur Bekämpfung der Teuerung unter anderem eine kostenlose Energieversorgung für Armutsbetroffene und eine Sondersteuer auf Profite der Mineralölkonzerne. Auch eine Erhöhung der Wohnbeihilfe und die Rücknahme der Mieterhöhungen sollen laut Volkshilfe Menschen mit niedrigem Einkommen entlasten. (Max Stepan, 17.10.2022)