Die Steffl-Arena, formerly known as Albert-Schultz-Eishalle und Erste-Bank-Arena, bietet 7000 Fans Platz. Derzeit wartet man auf Eis.

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Es ist der wohl dünnste Strohhalm der Sportgeschichte. Gerald Partmann greift ihn trotzdem auf: "Vielleicht wird irgendwer auf unsere Misere aufmerksam und hat so ein museumsreifes Teil in seinem Keller lagern." Partmann ist Betriebsleiter der Steffl-Arena in Wien und steht vor einem Problem. Eine defekte Füllstandsonde lässt keine Eisaufbereitung zu, Ersatzteile in ursprünglicher Form sind nicht erhältlich. In Kagran ist Schluss mit lustig. Kinder und Senioren müssen sich ein neues Freizeitvergnügen suchen, die Eishockeyprofis der Vienna Capitals können keine Heimspiele austragen. Ein Worst-Case-Szenario mitten in der Saison.

Es ist nicht zu erwarten, dass jemand im Gerümpel tatsächlich Originalteile einer veralteten Kühlanlage findet, also sucht Partmann eine Lösung in Form einer nachgebauten Sonde: "In drei Wochen können wir das Teil austauschen. Bis wir Eis zur Verfügung haben, brauchen wir zwei weitere Wochen Aufbauzeit. Fünf bis sechs Wochen steht der Betrieb also still."

Wie konnte es zu diesem Schlamassel kommen? Nun, die Eissportanlage ist gehörig in die Jahre gekommen. Die Halle wurde 1995 eröffnet, seither wurde das Kühlsystem nicht modernisiert. Auch nicht als die Sportstätte zwischen 2009 und 2012 für rund 30 Millionen Euro ausgebaut wurde. "Es wäre damals ratsam gewesen, die Technik zu überarbeiten. Jetzt haben wir einen Haufen Probleme. Das Alter der Anlage, die Betriebsstunden und die Anbauteile", sagt Partmann.

Frage des Geldes

In den vergangenen Jahren wurden in der Halle laufend Löcher gestopft. Ein Defekt jagt quasi den anderen: "Wir haben ständig die Technik im Haus." Man könne Teile austauschen, ein reibungsloser Betrieb in den kommenden Monaten oder Jahren sei damit aber keinesfalls gesichert. "Das könnte in fünf Wochen wieder passieren. Wir fordern keine Sanierung oder Neuanschaffung, wenn es nicht tatsächlich notwendig wäre. Aber wenn die Hilfe ausbleibt, kommt die Verzweiflung."

Es ist natürlich – Überraschung! – alles eine Frage des Geldes. Eine Sonde kostet 2000 Euro, ein neues Kühlsystem rund 1,5 Millionen Euro. Franz Kalla, General Manager der Capitals, sieht im Gespräch mit dem STANDARD die Stadt Wien in der Pflicht: "Die Stadt ist der Eigentümer. Als Verein müssen wir ständig improvisieren. Man fragt sich immer, wann der nächste Breakdown kommt. Wer sich von der aktuellen Situation überrascht zeigt, hat seine E-Mails in der Vergangenheit nicht gelesen."

Im Büro von Sportstadtrat Peter Hacker ist man des Lesens durchaus mächtig und weiß, "dass die Eistechnik einige Jahre auf dem Buckel hat. Investitionen sind nötig. Wir haben Anfang des Jahres einen Sachverständigen beauftragt, der die Technik überprüft hat. Das zentrale Ergebnis: Die Anlage kann bei guter Wartung noch ein paar Jahre verwendet werden. Es gab keine Hinweise darauf, dass der aufgetretene Schadensfall passieren könnte." Grundsätzlich sei festzuhalten, dass "bei Infrastruktur nicht nur die Stadt, sondern auch der Betreiber oder Pächter gefordert ist. Die Wartung liegt also auch im Verantwortungsbereich der Capitals."

Noch schieben sich Stadt und Verein den Puck hin und her. In Bälde kommt es zu einer Krisensitzung mit allen Beteiligten. Die Caps treten derweil nur auswärts an. Und trainieren in Bruck an der Leitha. (Philip Bauer, 18.10.2022)