Ex-Finanzminister Rishi Sunak könnte nach Ende der Kandidaturfrist am Montag Premier werden.

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London – Nach dem Rückzieher von Ex-Premier Boris Johnson könnte Großbritannien schon am Montag einen neuen Regierungschef bekommen. Wenige Stunden vor dem Ende der Kandidaturfrist schien Tory-Fraktionschefin Penny Mordaunt weit von der erforderlichen Unterstützung von 100 Abgeordneten entfernt. Ex-Finanzminister Rishi Sunak hatte Medienberichten zufolge mehr als 150 Abgeordnete hinter sich und war damit einziger Kandidat. Auch mehrere prominente Johnson-Unterstützer wechselten zu ihm.

Mordaunt gab sich indes nicht geschlagen. Die BBC berichtete Montagfrüh unter Berufung auf Mordaunts Kampagnenteam, dass die 49-Jährige definitiv in einer Stichwahl der Parteibasis antreten werde, sofern sie die nötige Unterstützung von 100 Tory-Abgeordneten bekomme. Diese Schwelle sei "in Reichweite".

Mordaunts Team gibt sich zuversichtlich

Öffentlich haben sich nach Zählung verschiedener Medien jedoch erst rund 25 Abgeordnete für die Ministerin für Parlamentsfragen ausgesprochen. Der Abgeordnete Damian Green sagte der BBC jedoch, dass die Zahl der tatsächlichen Unterstützer "weit über den publizierten" sei. "Wir sind zuversichtlich, dass wir bis zur Frist um 14 Uhr (Ortszeit) die 100 zusammenbekommen", sagte Green. Mordaunt bekomme "Unterstützung von allen Flügeln der Partei" und sei "am besten geeignet, die Partei zu einen", sagte der Abgeordnete.

Die Fraktionschefin der Tories im Parlament, Penny Mordaunt, ist ebenfalls im Rennen.
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Mordaunt hoffte offenbar auch darauf, dass sich Johnson-Unterstützer in größerer Zahl auf ihre Seite schlagen könnten. Dafür gab es aber keine Anzeichen. Vielmehr wechselten drei prominente Unterstützer Johnsons auf die Seite Sunaks. Außenminister James Cleverly schrieb Montagfrüh auf Twitter, Sunak habe die größte Erfahrung. Am Sonntagabend schrieb auch Ex-Minister Nadhim Zahawi, der in der Früh noch in einem Gastbeitrag für die Ära "Boris 2.0" geworben hatte, auf Twitter: "Ein Tag ist eine lange Zeit in der Politik. Nach den heutigen Neuigkeiten sollten wir uns Rishi Sunak als unserem nächsten Premierminister zuwenden." Auch Ex-Innenministerin Priti Patel sprach sich für Sunak aus, nachdem sie zuvor Johnson unterstützt hatte.

Entscheidung spätestens am Freitag

Einer Zählung der BBC haben sich bereits 155 Parlamentarier für Sunak ausgesprochen. Der Polit-Blog "Guido Fawkes" zählte sogar 181 Sunak-Unterstützer, um zwei mehr als die absolute Mehrheit innerhalb der Tory-Fraktion. Darunter waren auch 13 Abgeordnete, die zuvor Johnson unterstützt hatten. Mordaunt stand demnach erst bei 31 Unterstützern, darunter zwei aus dem Johnson-Lager. Bis Montagnachmittag können Kandidaten ins Rennen gehen.

Sollte Mordaunt die Hürde von 100 Unterschriften noch nehmen, würde zunächst die Fraktion zwischen den beiden Kandidaten abstimmen. Wollen danach beide Finalisten weiter im Rennen bleiben, hätte die Parteibasis in einer Online-Abstimmung das Wort. Spätestens am Freitag soll der neue Premier feststehen.

Sunak werden in einer Basisabstimmung die schlechteren Karten gegeben. Schon im Sommer hatte er die Fraktionsabstimmung gewonnen, im Mitgliedervotum aber den Kürzeren gegen Liz Truss gezogen. Diese musste nach nur sechs Wochen im Amt das Handtuch werfen, weil radikale Steuersenkungspläne das Land an den Rand einer Finanzkrise gebracht hatten.

Johnson verzichtet auf Kandidatur

Nach dem Rückzug von Truss waren Rufe nach einem Comeback des über mehrere Skandale gestolperten Ex-Premiers Johnson laut geworden. Seine Unterstützer argumentierten, dass nur er einen kompletten Untergang der Tories bei der nächsten Wahl abwenden könne. Johnson brach daraufhin einen Urlaub in der Dominikanischen Republik ab und ließ verlauten, dass er kandidieren wolle.

Ex-Premier Boris Johnson hat am Sonntagabend eine erneute Kandidatur ausgeschlossen.
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Am Sonntagabend teilte Johnson aber überraschend mit, auf ein Antreten verzichten zu wollen. Obwohl er die notwendige Unterstützung in der Tory-Fraktion habe, habe er sich dagegen entschieden, so Johnson. "Ich hätte gute Chancen auf Erfolg in der Parteibasis und könnte womöglich am Freitag zurück in der Downing Street sein", schrieb Johnson. Dennoch sei er zu dem Schluss gekommen, dass das nicht der richtige Weg sei. "Man kann nicht effektiv regieren, wenn man keine geeinte Partei im Parlament hat." Leider sei keine Einigung mit seinen Rivalen Sunak und Mordaunt zustande gekommen. "Ich glaube, dass ich viel zu bieten habe, aber leider ist dies wohl nicht die richtige Zeit", so der 58-Jährige.

Nach Informationen der "Sunday Times" hatten Johnson und Sunak am Samstag drei Stunden lang versucht, "das Kriegsbeil zu begraben" und den Spielraum für eine einvernehmliche Lösung auszuloten. Sunaks offizielle Kandidatur am Sonntagvormittag deutete jedoch auf ein Scheitern des Gesprächs hin. Er wolle das Land mit "Integrität und Professionalität" durch die Krise führen, schrieb Sunak auf Twitter. Mit seinem Rücktritt als Finanzminister hatte er im Juni Johnsons Sturz eingeleitet. (APA, 24.10.2022)