Vorlieben sind unterschiedlich, so auch beim Wohnen. Unsere Autorin lebt in der Stadt und könnte sich ein Leben auf dem Land nicht vorstellen. Unser Autor hingegen, genießt die Ruhe und die Natur.

Stadt- oder Landleben? Unsere Autorin und unser Autor erzählen, was für sie die individuellen Vor- und Nachteile sind.
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Stadt

Wo andere sich beschweren, weil die Kinder auf dem Spielplatz vorm Haus grölen, bin ich beruhigt. Der Trubel, das Geschrei, die bellenden Hunde, die S-Bahn, die vorbeizischt – für mich ist das rege Treiben vor unserem Haus eine Art stabilisierende Konstante.

Spätestens seit den Lockdowns in den letzten Jahren kann ich mir nichts Schlimmeres vorstellen, als aus dem Haus zu gehen und dort nichts vorzufinden – außer Stille.

Bim watching

Mein einjähriger Sohn sieht das übrigens genauso. Im letzten Corona-Winter wären wir wohl untergegangen, hätten wir auf dem Land gewohnt, wo an den Orten, die man fußläufig erreichen kann, kaum was los ist. In der Stadt haben wir hingegen Stunden damit verbracht, an der Haltestelle Busse, Bims, S-Bahnen und Müllautos zu beobachten. Oder wir standen vor dem Supermarktfenster, wo an der Kasse eifrig Lebensmittel eingepackt werden, bunte Lichter blinken oder draußen vor der Tür Hunde aufgeregt mit dem Schwanz wedeln. In der Stadt ist man, wenn man sich einsam fühlt, irgendwie dennoch nie allein. Hier dreht die Welt sich einfach weiter. Dieses Gefühl beruhigt mich.

Hinzu kommt, dass wir kein Auto brauchen. Kein Sprit ist zu zahlen, keine Versicherung, keine Reparaturen – das ist mir so viel wert wie sonst kaum etwas.

Und wissen Sie, was es hier noch gibt? Kinovorstellungen, in die man das Baby mitnehmen kann. Also ganz ehrlich, damit ist für mich eigentlich alles gesagt! (Bernadette Redl, 31.10.2022)

Land

Wer das Leben auf dem Land und in der Stadt gleichermaßen kennt, weiß, dass man auf dem Land nur Vorteile hat – wenn man darüber hinwegschauen lernt, dass man keine U-Bahn vor der Tür hat.

Auf dem Land zu leben ist viel billiger. Etwa weil das nächste Wirtshaus, in dem man freiwillig essen möchte, so weit weg ist, dass man nur zwei-, dreimal im Jahr dorthin fahren will. Kohle für Kultur kann man sich so gut wie vollständig sparen. Und wenn man nicht aufs Feuerwehrfest geht, dann bleibt man den Nachbarn so suspekt, dass sie sich einem nicht so weit nähern, dass man miteinander reden müsste. Nur der Bürgermeister kommt kurz vor der Wahl einmal vorbei.

Gleichzeitig wird man so weit beobachtet, dass man das Haus unversperrt lassen kann, wenn man auf Urlaub fährt, ohne sich sorgen zu müssen, dass das wer ausnützen könnte.

Neue Freunde

Neue soziale Kontakte knüpft man trotzdem. Schnell geht das, wenn man einen Gemüsegarten anlegt. Dann wird man bald tausende Nacktschnecken als Haustiere halten. Wer auch einen Komposthaufen hat, wird Mäuse lieben.

Für den Spaziergang muss man nirgendwo hinfahren – weil man eh schon im Grünen ist -, kann es aber trotzdem, weil akzeptiert ist, dass man auf dem Land ohne Auto auf der Stelle tot umfällt. Aber das wird sich ändern, wenn erst die U-Bahn endlich bis hierher fährt.

Pro-Tipp: Ein altes Haus sorgt dafür, dass man keinen Boden versiegelt, einem trotzdem nie langweilig wird oder gar Geld übrig bleibt. (Guido Gluschitsch, 31.10.2022)