Wien – In der Wiener Seestadt kam es seit September zu mehreren Übergriffen auf Minderjährige. Die Tätergruppe: Gleichaltrige. Laut "Krone" ist eine Gruppe aus fünf Jugendlichen in der Seestadt unterwegs, die bereits mehrere strafbare Handlungen im Bereich der Eigentumskriminalität begangen haben soll. Das bestätigt auch die Wiener Polizei dem STANDARD. "Meist ging es um Eigentumsdelikte, die diese Gruppe in der letzten Zeit beging. Seit ungefähr September agieren die Minderjährigen in der Seestadt", erklärt eine Sprecherin.

In der Seestadt bedrängen mehrere Jugendliche andere Minderjährige. Die Polizei musste bereits öfter zu einem Einsatz ausrücken.
Foto: Heribert Corn

Von einem konkreten Fall berichtete Anfang Oktober die APA: Laut Polizei begingen zwei Minderjährige im Alter von zwölf und 14 Jahren einen Raub an vier Buben in der Seestadt. Die beiden Täter drohten laut APA den sieben bis neun Jahren alten Opfern demnach Gewalt an, einem Burschen soll einer der Jugendlichen einen Faustschlag in den Nacken verpasst haben. Zwei Verdächtige wurden in der Venediger Au in der Leopoldstadt angehalten, berichtete die Polizei. Bei dem Duo wurden 55 Euro Bargeld und ein Handy sichergestellt und den Kindern zurückgegeben. Beide Verdächtigen waren als abgängig gemeldet.

Von einer "Jugendbande" könne aber rein juristisch nicht die Rede sein. "Die Personen kennen sich zwar untereinander, agieren aber nicht immer zusammen. Meist sind es zwischen zwei und fünf Jugendliche", erklärt die Polizei.

Besorgt sind jedenfalls die dort wohnenden Anrainerinnen und Anrainer. Besonders jene mit Kindern, die in der Gegend zur Schule gehen oder ihre Freizeit verbringen. Deshalb wurde nun von den ortsansässigen Eltern ein Abholservice organisiert, um die Kinder zu schützen, berichtet die "Krone".

Alle Täter minderjährig

Das Problem für die Exekutive: Alle Täter sind noch keine 14 Jahre alt und damit strafunmündig. Das bedeutet: Die Jugendlichen können zwar aufs Revier mitgenommen und befragt werden, müssen aber anschließend den Erziehungsberechtigten übergehen werden, sagte die Polizei.

Eine Verurteilung ist nicht möglich. Es könne bloß ermittelt und an die Staatsanwaltschaft berichtet werden. Als Sofortmaßnahme wurde der Streifendienst in der betroffenen Gegend in der Seestadt intensiviert.

Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) versteht die Sorgen der Bevölkerung: "Laut meinen Informationen von der Polizei sind sie wiederholt zu Einsätzen gerufen worden, weil eine Bande von unter Vierzehnjährigen andere drangsaliert und berauben will." Er vertraue allerdings der Polizei und ihrer Arbeit. (ste, APA, 31.10.2022)