Marc-André Leclerc kletterte auf den schwierigsten und steilsten Felshängen "free solo" – also ohne jegliche Sicherung. Regisseur Peter Mortimer gelang es, den öffentlichkeitsscheuen Extremsportler, der 2018 tödlich verunglückte, für den Film "Der Alpinist" mit der Kamera nach Patagonien zu begleiten.

Foto: Polyfilm

Im Bergsport spiegeln sich gesellschaftliche Entwicklungen wider. Im Vorjahr setzte das Salzburger Bergfilmfestival deshalb einen Schwerpunkt auf die starken Frauen der Szene. Auch heuer stehen aktuelle Trends und Veränderungen im Alpinismus bei der 28. Ausgabe im Fokus: die alternative Anreise zum Bergsteigen abseits des Autos und die technischen Entwicklungen hin zu Digitalisierung.

Beim Bergfilmfestival "Abenteuer Berg – Abenteuer Film" wird von 9. bis 20. November das Salzburger Filmkulturzentrum Das Kino wieder zum Treffpunkt für viele Berg- und Filmbegeisterte in Westösterreich und Bayern. Das Filmprogramm setzt mit 40 neuen Filmen auf einen bunten Mix: vom selbstgebauten Segelauto, das 500 Kilometer durch die kasachische Steppe bis zum Aralsee fährt, über den Pinzgauer Alpinisten Peter Wörgötter, der die erste Skiabfahrt von einem 8000er gewagt hat, bis hin zu Profialpinisten, die mit dem Fahrrad und zu Fuß zu den sechs größten Nordwänden der Alpen zum Klettern fahren.

Heuer sind auch Spielfilme mit im Programm. Der Salzburger Regisseur Adrian Goiginger wird am 12. November zu Gast sein und über sein Aussteigerdrama "Märzengrund" sprechen. Das Drama "Acht Berge" nach dem gleichnamigen Roman wird vor dem offiziellen Kinostart im Jänner exklusiv beim Festival zu sehen sein.

Ebenfalls zu Gast sind die Protagonisten und Regisseure der Filmporträts des Schweizer Alpinisten Roger Schäli, des Höhenbergsteigers Ralf Dujmovits und des Gletscherforschers Heinz Slupetzky. Der Dokumentarfilm "Alpenland" zeigt die Veränderungen des Lebens in den Bergen, und auch der mit zwei Emmys prämierte Film "Der Alpinist" sowie ein Porträt des tschechischen Sportkletterers Adam Ondra sind zu sehen.

Foto: Jan Zischka

Eröffnet wird das 28. Bergfilmfestival am 9. November im Stadtkino Hallein mit einem Vortrag von Stefan Voitl. Der Expeditionsfotograf spricht über vier Reisen nach Nepal, die neben der Zusammenarbeit mit Athleten wie David Lama seinen Lebensweg maßgeblich beeinflusst haben. Zu sehen sein wird ein Bilderreigen aus dem Land mit den höchsten Bergen der Erde. Es wird aber auch ein Abend, an dem der Mountainbiker, Kletterer und Bergführer von seiner Liebe zu den Bergen, den Felsen, der Natur und zur Fotografie erzählt.

Foto: Stefan Voitl

Entwickler – Am 14. September stellt der Schweizer Elektroingenieur und Softwareentwickler Günter Schmudlach den "Skitourenguru", sein Onlinewerkzeug für Tourenplanungen, vor. Vor allem in der Schweiz hat sich dieses Tool mit zehntausenden Klicks täglich längst als Standard bei der Tourenplanung etabliert.

Aussteiger – Der Salzburger Bike-Bergsteiger und Abenteurer Harald Philipp kommt am Mittwoch, dem 16. November, mit seinem neuen Vortrag "Leaving Tracks" zum Bergfilmfestival. Als die Welt im Frühling 2020 für kurze Zeit stillstand, übersiedelten Katharina Fritzenwallner und Harald Philipp in ein verlassenes Bergdorf in den ligurischen Alpen. Seither ist ein 300 Jahre altes Steinhaus in Triora ihr neues Zuhause. Die beiden leben ohne fließendes Wasser, aber mit den besten Trails Liguriens und der Provence vor der Haustür – auch das Tretlager hat bereits berichtet.

Foto: Markus Greber

Umsteiger – Statt mit dem Auto mit Bahn und Bus zum Berg. Beim Werkstattgespräch am 17. November widmet sich das Festival dem Bergsteigen mit Öffis. Vorgestellt wird die Onlinesuchmaschine für Öffi-Bergtouren zuugle.at vom Verein Bahn zum Berg, die bereits 9.000 Touren anbietet, und das Öffi-Tourenportal salzburg-erfahren.at des Salzburger Verkehrsverbundes. Im Anschluss wird über Vorteile und Grenzen der Tourenplanung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln diskutiert.

Abfahrer – Der Pinzgauer Alpinist Peter Wörgötter hat bereits 1981 die erste Skiabfahrt von einem 8000er gewagt. Fünfmal war einer der erfolgreichsten Höhenbergsteigern Österreichs auf einem Achttausender und hat so gut wie alle seine Expeditionen filmisch dokumentiert. Mithilfe seiner Enkelin Lena Öller wurden die Raritäten digitalisiert und für die Nachwelt gesichert. Beim Festival präsentieren Wörgötter und Öller vier dieser filmischen Schätze und starten eine Reise in die Zeit vor Gopro und Internet.

Foto: Peter Wörgötter

An zwölf Tagen gehen beim Bergfilmfestival Salzburg heuer 89 Veranstaltungen in insgesamt sechs Spielstätten über die Bühne. Neben dem Salzburger Das Kino und dem Stadtkino Hallein sind auch Programmpunkte im Oval im Europark sowie in Radstadt und Lofer zu sehen.

Das Ziel von Festivalleiter Martin Hasenöhrl ist, die Leute wieder runter vom Sofa und rein in die Kinosessel zu holen. "Ich möchte wieder ein richtig volles Haus haben", sagt Hasenöhrl. Begleitprogramm gibt es in Form einer Bergbar, einer Fotoausstellung von Georg Zenz und einer Reparaturwerkstatt, in der gegen freiwillige Spende der beschädigten Funktionskleidung die Löcher gestopft werden. (Stefanie Ruep, 3.11.2022)