Angst ist ein schlechter Ratgeber, heißt es, aber eine gute Portion ist nötig, um zu überleben. Sonst wird man womöglich – nur so zum Beispiel – ganz schnell vom Krokodil, das man furchtlos streicheln will, gefressen. Vielleicht ist es ja mit der Überlebensfähigkeit der Demokratie nicht so völlig anders. Die Krokodile, die hinter ihr her sind, müssen zuerst einmal als die Gefahr erkannt werden, die sie sind.

Anhänger Donald Trumps stürmten am 6. Jänner 2021 das Kapitol in Washington.
Foto: AP Photo/Jose Luis Magana

Manche haben schüttere orangefarbige Haare über ihr Haupt gekämmt, ihre Heerscharen setzen sich beim Putschversuch Kuhhörner auf und hängen sich Felle um, sodass es im ersten Moment schwerfällt, nicht an eine Art b’soffene G’schicht zu glauben. Auf den zweiten Blick gibt es hinter dem Ukraine-Krieg nichts, was mehr Angst macht als der Zustand der US-amerikanischen Demokratie. Dass Ergebnisse von Wahlen, auch wenn sie von der Justiz geprüft und bestätigt sind, nicht akzeptiert werden, ist fast schon normal.

Lächerlich bedeutet nicht harmlos in dem Sinn, dass eine Partei, die von sich gibt, was man während des letzten US-Wahlkampfs gehört hat, nicht mehrheitsfähig ist. Eine Kandidatin beschuldigt die Demokraten, Gazpacho-Methoden anzuwenden? Gazpacho, Gestapo, who cares? Über den Gazpacho-Alarm kann man lachen. Wenn eine Trump-Aktivistin anmerkt, dass man die Clintons vielleicht leider doch werde "enthaupten" müssen, bleibt das Lachen im Hals stecken. Die meinen es ernst. (Gudrun Harrer, 8.11.2022)