Bei den Zwischenwahlen in den USA standen hunderte Ämter zur Wahl. Die Sitze im Repräsentantenhaus, einige im Senat und mehrere Gouverneursposten müssen neu besetzt werden. Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, doch in manchen der Rennen gibt es bereits Ergebnisse – und somit Gewinner und Verlierer.

Viele der Kandidaten und Kandidatinnen sind weitgehend unbekannt. Manche aber zählen zu den einflussreichsten und prominentesten Politikern und Politikerinnen des Landes. Wer gewinnt und wer verliert, hat nicht nur Konsequenzen für persönliche Karrieren – der Umstand ist auch ein wichtiges Vorzeichen für den Präsidentschaftswahlkampf 2024.

Gewinnerin: Gretchen Whitmer. Die Demokratin aus Michigan bleibt Gouverneurin des Bundesstaates. Sie konnte sich gegen die Ex-TV-Kommentatorin Tudor Dixon durchsetzen, die von Donald Trump unterstützt wurde. Dixon hatte mit ihrer Überzeugung Aufsehen erregt, Abtreibungen auch im Falle von Vergewaltigungen abzulehnen. Whitmers Sieg ist somit auch ein Sieg für Abtreibungsrechte.

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Verlierer: Weniger rosig schaut es für Beto O'Rourke in Texas aus. Der noch vor wenigen Jahren als Shootingstar der Demokraten gehandelte Texaner musste sich beim Gouverneursrennen in dem Bundesstaat seinem republikanischen Gegner Greg Abbott geschlagen geben. Mit O'Rourkes Niederlage ging auch die Hoffnung der Demokraten unter, nach Jahrzehnten wieder einen Gouverneur in dem Bundesstaat zu stellen.

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Gewinner: John Fetterman sorgte wiederum für eine demokratische Sensation in Pennsylvania. Er konnte sich als Senatskandidat gegen den Trump-Kandidaten Mehmet Oz durchsetzen. Und das, obwohl er im Wahlkampf einen Schlaganfall erlitten hatte. Dementsprechend betonte er in einer Dankesrede, wie wichtig Gesundheitsversorgung sei: "Das hat mein Leben gerettet." Fernseharzt Oz konnte mit seinen rechtspopulistischen Ansagen nicht dagegenhalten.

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Gewinnerin: Im Südstaat Arkansas konnte wiederum eine Frau, die zumindest zeitweise dem ehemaligen Präsidenten Trump nahestand, punkten: Sarah Huckabee Sanders wird – wenig überraschend – die erste weibliche Gouverneurin von Arkansas. Sie war von Juli 2017 bis Juni 2019 Pressesprecherin im Weißen Haus unter Trump.

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Verlierer: Auch von Trump gepusht, aber mit weniger Erfolg die Wahlen geschlagen: Doug Mastriano, seines Zeichens ein Teilnehmer am Kapitol-Sturm von 6. Jänner 2021, musste im Gouverneursrennen von Pennsylvania seinen Hut vor dem demokratischen Gegenkandidaten Josh Shapiro ziehen. Mastrianos Profil als Corona-Leugner, Kapitol-Stürmer und Wahlleugner überzeugte nicht genug Wähler und Wählerinnen.

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Gewinner: Auch Maryland konnte ein demokratischer Kandidat drehen – Wes Moore. Das vormals von einem Republikaner besetzte Gouverneursamt ging an den Schriftsteller. Er ist somit der erste afroamerikanische Regierungschef des US-Staates.

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Gewinner: Es war keine Überraschung, aber bemerkenswert ist die Wiederwahl trotzdem: In Florida wurde der Republikaner Ron DeSantis als Gouverneur wiedergewählt. DeSantis wird als Präsidentschaftskandidat für 2024 gehandelt – und gilt somit als schärfster parteiinterner Gegner Trumps. Seinen Sieg führte er darauf zurück, Florida zu einer "Festung der Freiheit" gemacht zu haben, die die "woke Agenda" der Linken ignoriere.

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Gewinner: Ein ganz anderer Gewinner war in einem Wahlbezirk von Orlando, ebenfalls in Florida, anzutreffen. Der erst 25-jährige Maxwell Alejandro Frost wird ins Repräsentantenhaus einziehen. Er ist damit der erste Vertreter der sogenannte Generation Z im US-Kongress – also jener Leute, die nach 1997 geboren wurden.

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Verliererin: In Georgia konnte die Demokratin Stacey Abrams nicht gegen Brian Kemp im Gouverneursrennen reüssieren. Die Partei hatte eigentlich große Hoffnungen in die Politikerin gesetzt, in einem Bundesstaat, der sich in den vergangenen Jahren von einer Republikaner-Hochburg zum veritablen Swing-State entwickelt hatte. Abrams gehört zu den einflussreichsten Demokratinnen im Land. Ihre Niederlage zeigt nun aber, dass – zumindest in Georgia – der Fokus auf Abtreibungsrechte weniger gezogen hat als wirtschaftliche Anliegen, die Kemp im Wahlkampf forciert hatte.

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Gewinnerin: Mit Maura Healey wurde erstmals eine offen lesbische Frau zur Gouverneurin eines US-Bundesstaates gewählt, nämlich in Massachusetts. In ihrer Rede sagte die Demokratin, sie sei "stolz, die erste Frau und die erste homosexuelle Person" in diesem Amt zu sein.

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Gewinner: In North Carolina konnte sich der Demokrat Wiley Nickel gegen Bo Hines durchsetzen. Damit siegte auch der erfahrene Politiker über den 27-jährigen politischen Newcomer und ehemaligen College-Footballspieler, der von Trump unterstützt wurde. Und noch mehr: Nickel konnte sogar einen zuvor republikanischen Sitz für die Demokraten holen.

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Verliererin: Für die Demokratin Elaine Luria, bisher Abgeordnete im Repräsentantenhaus für einen Wahlbezirk in Virginia, ging die Wahl nicht nach Wunsch aus. Mit ihr verlor auch ein Mitglied des Untersuchungskomitees im Repräsentantenhaus zum Sturm auf das Kapitol vom 6. Jänner 2021.

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Gewinner: Brad Raffensperger hat seine Wiederwahl zum Innenminister in Georgia geschafft. Der Republikaner erlangte vor zwei Jahren Berühmtheit, weil der scheidende Präsident Trump ihn anrief und verlangte, dass er die 11.780 Stimmen "finden" möge, die Trump zur Wiederwahl fehlten. Raffensperger verweigerte das jedoch. Zahlreiche andere Republikaner, die jetzt als Gouverneure und Staatssekretäre kandidierten, glauben sehr wohl Trumps Erzählung, die Demokraten hätten die vergangene Präsidentschaftswahl gestohlen. (Anna Sawerthal, 9.11.2022)

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