Im Gastkommentar schreibt Sora-Geschäftsführer Günther Ogris über die depressive Stimmung, die viel zu viele Jugendliche erfasst hat. Vor allem die Jugendorganisationen bräuchten daher mehr Geld.

Die Corona-Pandemie bereitet der Mehrheit der jungen Menschen nach wie vor Sorgen.
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Derzeit ist es für die Jugend nicht leicht, zuversichtlich nach vorn zu schauen. Die Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden und Wohlstand und Lebensfreude schwindet. Sich eine Welt ohne Krieg, ohne Armut und Verzweiflung vorzustellen scheint schwer möglich.

Jüngste Sora-Studien zeigen, wie verbreitet eine depressive Stimmung ist: Die Pandemie bereitet der Mehrheit der jungen Menschen nach wie vor Sorgen und hat das Vertrauen in die Zukunft untergraben. Machten den jungen Menschen letztes Jahr aber vor allem die fehlenden sozialen Kontakte zu schaffen, stehen inzwischen die mittel- und langfristigen Folgen im Vordergrund. Eine überwiegende Mehrheit geht davon aus, dass die Qualität ihrer Ausbildung während der Pandemie gelitten hat und dass ihnen dies nachhaltig schaden wird.

Düstere Aussichten

Jetzt, im dritten Jahr der Pandemie und neun Monate nach Beginn des Krieges in der Ukraine, in Zeiten mit zehn Prozent Inflation, glaubt die Mehrheit der Jugendlichen, dass ihre Zukunft düsterer ist als die früherer Generationen. Für die Jugendlichen ist es normal geworden, von Ängsten, Hoffnungslosigkeit, Depressivität und einem Mangel an Freude beeinträchtigt zu sein.

Social Distancing führt zur Vereinzelung und zu Einsamkeit, schwächt die sozialen Kompetenzen und die Fähigkeit, für andere Verantwortung zu übernehmen. Social Media können das Social Distancing nicht überwinden.

Krieg, Teuerung, Erderwärmung belasten die Jugendlichen, sie befürchten die Spaltung der Gesellschaft. Statt Hoffnung für die Zukunft haben vier von zehn jungen Menschen derzeit Suizidgedanken.

Junge leiden unter Teuerung

Die Inflation trifft die Jugend massiv. Sie zählen vielfach zu den einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten, die unter der Teuerung besonders leiden. Ihre Möglichkeit, an der Gesellschaft teilzuhaben, die eigenen Lebensträume zu verwirklichen, eine Zukunft aufzubauen, wird deutlich eingeschränkt.

Aber es gibt Möglichkeiten gegenzusteuern. Jenen, die von den Jugendorganisationen erreicht werden, geht es deutlich besser als den anderen. Sie sind zuversichtlicher, haben mehr Selbstbewusstsein und mehr soziale Fähigkeiten. Sie haben bereits einmal Verantwortung für andere übernommen.

"Die Herausforderungen für die Jugend sind größer als je zuvor."

Warum sind diese Effekte so stark: Jugendorganisationen sind Organisationen, wo Jugendliche mit und für Jugendliche arbeiten, wo Jugendliche lernen, für und mit anderen etwas zu tun und Verantwortung zu übernehmen.

Jetzt ist es Zeit für unsere Gesellschaft, in die Jugendorganisationen zu investieren. Die angekündigte Erhöhung der Bundes-Jugendförderung um 20 Prozent federt zwar die finanziell schwierige Situation für Kinder- und Jugendorganisationen vorerst ab – doch die Herausforderungen für die Jugend sind größer als je zuvor.

Größerer Schritt

Es ist Zeit, einen großen Schritt nach vorne zu machen: die finanziellen Mittel für die Jugendorganisationen noch deutlich zu erhöhen und langfristig durch Inflationsanpassung abzusichern. Begleitend dazu sollten – für jene, die von den Organisationen nicht erreicht werden – die Mittel für die aufsuchende Jugendarbeit, wie Parkbetreuung und Jugendcoaching, und die offene Jugendarbeit in den Jugendzentren und Feriencamps ausgeweitet werden.

"Eine Investition mit einem immensen Return of Investment."

Das kostet den Steuerzahlenden. Doch es ist eine Investition mit einem immensen Return of Investment. Jugendliche, die etwas mit und für Jugendliche tun, das ist der Königsweg, den die Gesellschaft jetzt einschlagen muss. Nur so erreichen wir, dass unsere Jugend nicht bei Halloween randaliert, sondern wieder von einer besseren Zukunft träumen kann und ihre Energie für das bessere Miteinander der Zukunft mobilisiert. (Günther Ogris, 10.11.2022)