Vor fast 40 Jahren verließ Joseph Chahayed seine Heimat Syrien und ließ sich in den USA nieder. Heute ist er plötzlich Millionär. Ein amerikanisches Märchen?

Arbeitsbeginn sechs Uhr trotz eines Millionenschecks: Trafikant Joseph Chahayed in Altadena, Kalifornien.
Foto: AP Photo/Damian Dovarganes

Vielleicht war es aber auch nur Glück: Chahayeds unmittelbare "Leistung" beschränkte sich jedenfalls darauf, ein Ticket der amerikanischen Powerball-Lotterie an einen unbekannten Mann oder eine unbekannte Frau verkauft zu haben. Die zwei Dollar (1,99 Euro), die der Schein kostete, machten nicht nur diese Person am Dienstag um 2,04 Milliarden Dollar reicher, sondern auch Chahayed über Nacht zum Millionär: Denn so hoch war der Betrag auf jenem Scheck der Lottogesellschaft, den er als Bonus für den Mega-Gewinn erhielt.

"Ich arbeite hart. Sieben Tage die Woche"

Der Großvater von zehn Enkelkindern freute sich zwar sehr über den Scheck, gedenkt aber nicht, deswegen in seinem Leben groß etwas zu ändern: Er werde – wie schon bisher – jeden Tag um sechs Uhr in der Früh seinen Kiosk in der kalifornischen Stadt Altadena, nordöstlich von Los Angeles, aufsperren und weitermachen wie bisher. "Das ist es, was ich mache: Ich arbeite hart. Sieben Tage die Woche", sagte der dem TV-Sender CBS.

Bei dieser Lebenseinstellung wundert es nicht besonders, dass vor allem Chahayeds Kinder und Enkelkinder vom plötzlichen Wohlstand profitieren sollen: Die Frau seines Sohnes erwarte in zwei Monaten ein Baby, das wäre dann wohl Enkerl Nummer elf.

Der doppelte Milliardenjackpot vom vergangenen Dienstag war nach Informationen der Lottogesellschaft Powerball der höchste Gewinn in der Firmengeschichte.

Wie in Italien 1998

Als Kioskbesitzer reich werden und dennoch ganz normal weiterarbeiten: Die Geschichte erinnert an einen Gewinn beim italienischen Superenalotto: Ein Trafikant in der apulischen Kleinstadt Peschici stellte im Oktober 1998 eine Wettgemeinschaft auf, die ebenfalls zu großem Reichtum kam. Auch damals verkündete der Trafikant, der die Identität seiner Mitgewinnerinnen und Mitgewinner diskret behandelte, weiterarbeiten zu wollen. Das tut er noch heute – obwohl er und sein Schwager vom Gewinn eine ganze Ferienwohnungsanlage kaufen konnten. (Gianluca Wallisch, 10.11.2022)